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Steht der Boden der langfristigen Zinsen vor der Bestätigung?

Langfristige Zinsen spüren nicht nur die anziehende Inflationsrate

 

Die heutige Nachricht, dass die Inflationsrate in der Eurozone auf 1,6 % und in Deutschland auf 2 % gestiegen ist, war insgesamt von den Märkten erwartet worden, weshalb die Reaktion der Anleihemärkte überschaubar ist.

Jedoch preist der Anleihemarkt den Nettoeffekt der Kapitalströme ein, der wiederum auf eine Vielzahl von Einflussfaktoren reagiert. Dazu gehört das enge Nachfrageoligopol der EZB bei öffentlichen Anleihen der Eurozone, die Inflationserwartungen und rechtliche Rahmendaten als ein wichtiger weicher Einflussfaktor. Denn alles, was die Rechtssicherheit der den Anleihen zugrunde liegenden Verträge in Zweifel zieht, wird mit einem Risikoaufschlag versehen. Hinzu kommen schließlich konjunkturelle Faktoren und solche, welche sich aus der anstehenden faktischen Haftungsgemeinschaft innerhalb der EU ergeben.

Die deutschen langfristigen Zinsen haben in den vergangenen Jahren in außergewöhnlicher Weise von den Risiken in anderen Ländern profitiert. Zum einen von der extrem expansiven Geldpolitik der EZB, aber auch von einer Verschiebung von Kapital innerhalb des Euroraumes. Die gesparten Zinsausgaben des Bundes sind dabei nur ein kleiner Mosaikstein in einem großen Gesamtgemälde, zu dem auch explodierende Target-2-Salden und die Schuldenaufnahme auf EU-Ebene gehören.

Ein Blick auf die Rendite der 10-jährigen deutschen Bundesanleihe in Chart 1 und 2 zeigt nun, dass sich diese seit Sommer 2019 in einer ausgedehnten Bodenbildung befindet und dabei eine S-K-S-Formation gebildet hat (Untertassen).

Heute nun entsteht in dem abgebildeten Chart nicht nur ein Wochencandle, der aller Voraussicht nach die Nackenlinie der S-K-S-Formation herausfordert. Dies wird man heute zu Handelsschluss wissen.

Dies wäre ein neuer charttechnisch hartes Indiz dafür, dass wir den langfristigen Boden bei den deutschen langen Zinsen gesehen haben könnten.

Dies hätte bedeutende Implikationen für die Märkte im Allgemeinen wie auch für das Portfoliomanagement im Besonderen.

 

 

Chart 2 zeigt die Entwicklung nochmals seit der Finanzkrise 2008/2009. In ihm wird ebenfalls deutlich, dass der Abwärtstrend der 10-jährigen deutschen Renditen bereits vor 3 Monaten gebrochen wurde und dieser Ausbruch seither nur konsolidiert wurde.

Heute ist zudem auch der Monatsultimo, womit das dreimalige Überschreiten des langfristigen Abwärtstrends die Signifikanz des Signals bestätigt und damit seine Verlässlichkeit deutlich erhöht.

Dies bedeutet auch, dass der Bruch der Nackenlinie des Bodenbildungs-Musters auf Wochenbasis in Chart 1 eine Bestätigung des Bruchs der langfristigen Abwärtstrendlinie auf Monatsbasis ist und sich beide gegenseitig bestätigen.

 

 

Und was ist das Fazit?

 

Zwar ist das absolute Niveau der deutschen öffentlichen Renditen mit 10 Jahren Laufzeit weiterhin historisch niedrig. Dies nützt aber all jenen Anlegern nichts, die in den vergangenen Jahren in reiner Verzweiflung die Risiken ihrer Anleihen ,,schöngeschminkt‘‘ haben und nun extreme Laufzeitenrisiken im Anlagebuch haben. Sie sitzen zwar auf teilweise sehr hohen Buchgewinnen, haben aber keine oder kaum noch ordentliche Erträge. Natürlich lässt sich dieses Laufzeitenrisiko aktiv managen, aber um welchen Preis? Das geflügelte Wort des ,,return free risk‘‘ macht seit Jahren die Runde und ist noch genauso relevant wie seither schon.

Die Charttechnik gibt heute sehr wahrscheinlich die Bestätigung für eine langfristige Bodenbildung bei den deutschen Zinsen.

 

30.04.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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