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Widerstände voraus bei Öl

Geht dem Ölpreis die Luft aus?

 

Der Ölpreis spiegelt in diesem Jahr einen Sturm der Weltwirtschaft wider, den es bislang nicht gegeben hat. Dass dieser Sturm auch global ist, liegt nicht zuletzt auch an der Globalisierung selbst. Denn die Verkettung der Volkswirtschaften über Wertschöpfungsketten in Kombination mit dem Zeitoptimierungsdruck verkürzt die ,,logische Sekunde‘‘ und damit die Reaktionszeit für einzelne Unternehmen und Staaten, auf Unterbrechungen zu reagieren.

Das Corona-Virus war in dieser Kette wie ein Brandbeschleuniger. Der Schock auf Lieferketten durch Quarantäne folgte jener auf Verbraucher und eine Angebotsknappheit von Vorprodukten bei den Produzenten.

Dass der Ölpreis in dieser Situation wie ein Stein fiel, ist keine Überraschung. Dass er aber negativ wurde, wie Chart 1 deutlich zeigt, ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Jedoch: Wenn man sich vergegenwärtigt, dass bereits Jahre zuvor Negativzinsen am Markt ,,gezahlt‘‘ werden, kommt man vielleicht ins Grübeln, ob das Corona-Virus nicht doch für bestimmte Entwickungen nur Anlass und nicht Ursache war.

 

Öl

 

Chart 1 zeigt zudem, dass der Ölpreis mit Unterschreiten der Unterstützungen aus den Jahren 2001 und 2003 ein massives Verkaufssignal gegeben hat. Zwar drehte das Öl schnell wieder nach oben. Bleibt nun die Frage:

 

Wende oder ,,dead cat bounce‘‘?

 

Ein Blick auf frühere Abstürze zeigt, dass der Ölpreis in der Finanzkrise 2008/2009 etwas mehr Zeit brauchte, um nach oben zu drehen. Er holte rund die Hälfte der vorangegangenen Verluste auf, um sich im Anschluss mühsam bis Anfang 2014 nach oben zu arbeiten. Dann kam der nächste Absturz im Zuge der US-Sanktionen gegen Russland nach der Annexion der Krim. Aus dieser Kohle erholte sich der Ölpreis deutlich langsamer.

Chart 2 zeigt die Entwicklung seither.

Es wird deutlich, dass die aktuelle Gegenbewegung vor einer starken Widerstandszone zum Stillstand gekommen ist. Ein schwächerer Dollar hatte dem Ölpreis in den vergangenen Tagen ebenfalls noch ein bisschen Rückenwind verschafft.

Inwieweit die Börse mit dem starken Aktien- und Ölpreisanstieg die Realität der Wirtschaft reflektiert oder überwiegend den Liquiditäts-Tsunami der Notenbanken, bleibt einstweilen offen.

Es dürfte neben der realwirtschaftlichen Entwicklung (Lagerbestände etc.) aber auch darum gehen, inwieweit politische Konflikte zu militärischen werden. Die Situation beim Ölproduzenten Libyen mahnt hier zur Vorsicht.

 

Öl mittelfristig

 

Fazit

 

Der Ölpreis hat signifikante Widerstände vor sich und die Entwicklung der Realwirtschaft ist alles andere als klar. Selbst wenn sich die starke Erholung in den letzten Wochen nicht als ,,dead cat bounce‘‘ entpuppt, so sollte der Ölpreis erst einmal seine Aufholjagd konsolidieren. Zudem ist ein schneller weiterer Anstieg vor dem Hintergrund früherer Erholungsmuster unwahrscheinlich. Ein Engagement drängt sich mithin derzeit nicht auf.

 

22.06.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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