Vor dem Handelsgericht in Zürich scheitert Palantir mit der Forderung auf eine Gegendarstellung nach wenig schmeichelhaften Presseberichten
Palantir unterliegt als Goliath gegen das Online-Magazin Republik
Ende vergangenen Jahres sorgte das Schweizer Online-Magazin mit einer Recherche zu Palantir für Aufsehen. In Zusammenarbeit mit dem Journalisten-Netzwerk WAV-Recherchekollektiv konnte aufgedeckt werden, wie sich der US-Softwarekonzern jahrelang um Aufträge aus der Schweiz bemühte. Vieles von den veröffentlichten Informationen war wenig schmeichelhaft für Palantir.
Insbesondere eine interne Analyse der Schweizer Armee wirkte wie Wasser auf die Mühlen der Skeptiker von Palantir (US69608A1088). Die Verantwortlichen sprachen sich gegen die Verwendung der Software aus, da das Risiko einer Datenweitergabe in die USA befürchtet wurde. Diese Einschätzung fand auch über die Schweizer Grenze hinweg Beachtung. Mittlerweile fällt es Palantir zunehmen schwerer, in Europa noch neue Kunden zu finden. Zum Teil werden Verträge sogar bereits gekündigt.
Selbstredend sieht Palantir die Angelegenheit etwas anders und zog daher gegen Republik vor Gericht. Verlangt wurde, eine umfassende Gegendarstellung zu veröffentlichen. Vor dem Handelsgericht Zürich konnte man sich damit allerdings nicht durchsetzen. Von den 23 dargelegten Punkten wurden alle bis auf einen abgeschmettert. Im Urteil werden beanstandete Passagen als sachlich korrekt angesehen. Außerdem wurden journalistische Bewertungen im Beitrag als zulässige Meinungsäußerungen eingestuft.
Palantir beißt auf Granit
Bestätigt wurde von den Richtern auch die Darstellung einer militärischen Analyse mitsamt der darin beschriebenen Risiken. Dass sich darin irreführende Behauptungen finden würde, konnte nicht nachvollzogen werden. Im Artikel sei auch deutlich zu erkennen gewesen, dass kein konkretes Angebot abgelehnt wurde, sondern allgemein das Für und Wider für einen möglichen Vertragsabschluss abgewogen wurde. Korrekturbedarf erkannten die Richter nur bei einer nebensächlichen Angelegenheit. Unter dem Strich unterliegt der gigantische Konzern der eher kleinen Redaktion aus der Schweiz.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und Palantir könnte dagegen noch weiter vorgehen. Ob dies auch gewollt ist, ist bislang nicht bekannt. Journalisten und Medienrechtler feiern das Urteil dennoch schon mal als Erfolg. Denn hätte sich Palantir durchsetzen können, wäre dies auch mit der Sorge verbunden, dass der Konzern auch andere Journalisten unter Druck setzen könnte. Kritische Berichterstattung ist bei dem Unternehmen nicht gerne gesehen. Schließlich dürfte jene eine nicht unbedeutende Rolle bei mancher Entscheidung auf politischer Ebene gespielt haben. Vor allem die Themen Datenschutz und Verbindungen zur US-Regierung sind Themen, welche Verträge mit Palantir nach Ansicht der Kritiker eigentlich zu einer Unmöglichkeit machen.
Ganz unerfolgreich ist Palantir in Europa freilich nicht. Die Software kommt bereits in einigen Behörden zum Einsatz, auch in Deutschland. Doch Wachstumsaussichten sind eher schmaler geworden und der Ruf hat zuletzt weiter gelitten. Politiker dürften bei ihren Entscheidungen letztlich auch anstehende Wahlen im Blick haben. Wer in Sachen Software auf Palantir setzt, macht sich derzeit nicht unbedingt beliebt. Der Ruf hat allerdings längst nicht nur durch kritische Berichterstattung, sondern auch durch die engen Verbindungen zur Trump-Regierung gelitten. Letztere dürfte in Europa die unbeliebteste US-Regierung seit Jahrzehnten sein.
Abgekühlt
Die Palantir-Aktie steht schon seit einer Weile unter Druck, wenn auch auf noch immer hohem Niveau. Neue Kursrekorde gab es im laufenden Jahr nicht mehr zu sehen. Das hat mit fehlenden Wachstumsaussichten zu tun, aber auch mit der Frage, ob die KI-Revolution sich für Palantir wirklich als förderlich oder nicht doch eher als gefährlich erweisen könnte. Die Skepsis scheint anzuhalten; der Aktienkurs gab gestern um knapp zwei Prozent auf 130,63 US-Dollar nach.
Damit notiert die Palantir-Aktie 26,5 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn, was den Anteilseignern freilich kein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann. Im langfristigen Chart bleibt es bei einer Aufwärtskurve, die aber sichtlich ins Stocken gekommen ist. Nach Kursgewinnen von noch immer über 1.000 Prozent in den letzten drei Jahren scheint Palantir in einen Seitwärtstrend abzurutschen, und der ist zumindest kurzfristig von einer eher negativen Tendenz geprägt.
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18.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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