AMD feiert das beste Quartal aller Zeiten, doch den Anlegern scheint das noch nicht zu reichen
Die AMD-Aktie muss nach Zahlen Verluste hinnehmen
AMD dreht in Sachen Datacenter weiter auf und erlaubt sich auch sonst keinerlei Schwächen. Das verhalf dem Chiphersteller im vergangenen Quartal zu frischen Rekorden und am freundlichen Ausblick hat sich nichts geändert. Feierlaune will unter den Anlegern dennoch nicht aufkommen, was an den Märkten unter anderem auf höhere Ausgaben zurückgeführt wird.
Im Prinzip kann sich AMD (US0079031078) solche Scherze aber erlauben. Schließlich schoss der Umsatz im zurückliegenden Quartal um beeindruckende 50 Prozent bis auf 11,54 Milliarden US-Dollar in die Höhe. Damit handelt es sich um nicht weniger als das bisher stärkste Quartal von AMD. Auch den Vergleich mit dem ersten Quartal muss das Unternehmen nicht scheuen. Dort zeigt sich ein ebenfalls beeindruckendes Wachstum von 13 Prozent. Der größte Umsatz- und Gewinnbring war, wenig überraschend, die Datacenter-Sparte.
Die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Chips ließ den Umsatz dort um mehr als das Doppelte bis auf 6,72 Milliarden Dollar steigen. Die Sparte steuert nun bereits über die Hälfte der Gesamtumsätze zur Bilanz bei. Anders als im Vorjahreszeitraum kann sich auch der Gewinn sehen lassen. Von Minus 155 Millionen ging es auf nun 2,1 Milliarden Dollar aufwärts. Die operative Marge bezifferte AMD auf 31 Prozent und ließ ferner wissen, dass es eine anhaltend hohe Nachfrage nach Epyc-Prozessorgen und Instinct GPUs gebe.
AMD enttäuscht auf sehr hohem Niveau
Für die Zukunft stellt AMD weitere Erfolge in Aussicht und verweist unter anderem auf Großprojekte mit Anthropic und Microsoft. Im laufenden Quartal wird beim Umsatz eine Spanne von 12,7 bis 13,3 Milliarden Dollar angepeilt. Die bereinigte Bruttomarge soll derweil auf 56 Prozent kommen. Solche Aussichten lassen sich nur als sonnig bezeichnen, was der Börse aber nicht genug zu sein scheint.
In anderen Segmenten wuchs AMD etwas langsamer, verbesserte sich aber überall außer beim Geschäft mit Client-GPUs. Dort gingen die Umsätze von 1,12 Milliarden auf noch 779 Millionen Dollar abwärts. Angesichts der deutlichen Wachstumssignale aus anderen Bereichen ist das aus Anlegersicht aber mehr als verschmerzbar. Gleichwohl scheint es, als wären nach ersten Berichten über eine hohe Nachfrage nach Instinct-GPUs bereits ein paar Vorschusslorbeeren eingepreist gewesen. Die AMD-Aktie profitierte von den guten Zahlen leider nicht.
Stattdessen zog es den Titel am Mittwoch um etwas mehr als sieben Prozent bis auf 482,05 Dollar in Richtung Süden. Das sieht im ersten Moment dramatisch aus, ändert am generellen Trend aber wenig. Bemerkbar machte sich auch eine insgesamt wieder nachlassende Stimmung im Chip- und KI-Segment. Darüber hinaus dürfte mancher Investor schlicht die guten Nachrichten abverkauft haben, was an der Börse kein ungewöhnliches Vorgehen darstellt. Vielleicht waren die Erwartungen etwas zu hoch. Beschweren können die Anleger sich mit einem Kursplus von 125 Prozent seit Jahresbeginn weiterhin nicht.
AMD auf dem richtigen Weg
AMD bleibt unter dem Strich klar auf Wachstumskurs und so die KI-Blase nicht doch noch platzt, dürfte der Höhepunkt noch lange nicht erreicht sein. Speziell mit Helios-Racks geht der Konzern gerade erst auf Aufholjagd zu Nvidia. Zumindest nach eigener Darstellung scheint dabei auch die Software nicht mehr das allergrößte Hindernis zu sein. Nvidias CUDA wird zwar bei der KI-Entwicklung nach wie vor bevorzugt. AMD erkennt aber auch einen Trend hin zu freien Alternativen, die nicht nur mit Nvidia-Beschleunigern laufen.
Der spontane Kursrückgang ist angesichts von Rekordzahlen nur bedingt nachzuvollziehen und es könnte sich dabei auch um eine waschechte Einstiegschance handeln. AMD hat bereits bewiesen, es in technologischer Hinsicht durchaus mit Nvidia aufnehmen zu können. Da die Nachfrage nach Chips das Angebot noch immer übersteigt, wäre das für Wachstum nicht einmal unbedingt notwendig. Es dürfte die Entscheidung vieler Rechenzentren-Betreiber zugunsten von AMD aber einfacher machen.
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06.08.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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