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Öleinkaufsgenossenschaft China eG ?

Die Schlagkraft Chinas am Ölmarkt soll steigen

 

Vier staatliche chinesische Ölraffinieren ist in Verhandlungen über die Errichtung einer Einkaufsgemeinschaft für Rohöl. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Klingt ganz gut, oder? Damit steigt für die teilnehmenden Unternehmen die Verhandlungsmacht, die sich insbesondere bei länger laufenden Verträgen leicht in Milliardenbeträgen quantifizieren lässt.

Dieselbe Idee liegt auch der Einkaufsgenossenschaft zugrunde. Mit den gesparten Einkaufskosten erhöht man die Marge und verbessert damit die ökonomischen Überlebenschancen der Teilnehmer.

Daneben vermeidet man in diesem kooperativen Szenario auch Bieterwettbewerb, der die Konsumentenrente aller Teilnehmer zu senken droht. Das kompetitive Szenario ist aufgrund der weniger statischen Vorteile zudem instabiler.

Nun haben also die Spitzen der China Petroleum & Chemical Corp., PetroChina Co., Cnooc Ltd. und die Sinochem Group Co. einen ähnlichen Plan.

Die chinesische Zentralregierung hat nach Bloomberg-Angaben bereits ihre Zustimmung gegeben, ebenso die verantwortlichen Aufsichtsbehörden.

 

China

Bildnachweis: © Telefonaktiebolaget L. M. Ericsson

 

Damit dürften sich nun die Verhandlungsergebnisse zum Bezug von Rohöl aus Russland und aus den afrikanischen Staaten wie Angola, Mozambique und Nigeria weiter zugunsten von China verschieben.

Die Fünfergruppe der staatlichen chinesischen Ölkonzerne importieren täglich mehr als 5 Mio. Barrel Rohöl. Dies entspricht rund 20 % der OPEC – Förderung.

Die 5 Ölgiganten könnten nun auch ein gemeinsames Gebot für russisches Öl durch die ESPO-Pipeline (Eastern Siberia Pacific Ocean Pipeline) im kommenden Monat abgeben, was ein Testlauf für die gemeinsamen Kooperation sei.

Und um die ,,Schwungmasse‘‘ noch weiter zu erhöhen, könnten die Fünf die Teilnahme von nichtstaatlichen Teilnehmern erlauben.

Dies würde zum einen Letzteren einen kleinen Teil der Kooperationsgewinne verfügbar machen. Und was noch wichtiger ist, diese potenziellen Gewinne würden den Einfluss der ,,Big Five‘‘ der chinesischen Ölindustrie auf den Rest des Marktes in Richtung eines kooperativen Verhaltens treiben.

Kurz: Es erhöht nicht nur die Preisvorteile beim Einkauf, es erhöht auch den staatlichen Einfluss auf das Marktverhalten nichtstaatlicher Marktteilnehmer durch ,,freiwillige‘‘ Selbstbindung.

Ein klassischer Zuckerguss um eine aus marktwirtschaftlicher Sicht ziemlich bitteren Pille.

Allerdings: Es könnte auch zur Disziplinierung der OPEC-Anbieter beitragen. Denn dieses Kartell nutzte in der Vergangenheit seine Marktmacht ebenso, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Nur, dass man dort nicht die staatliche Disziplin aufbrachte, wie sie nun von den chinesischen Staatskonzernen aufgebracht wird.

Es gab bereits zuvor ,,Einkaufsinitiativen‘‘ im Rohstoffsektor Chinas. 2003 verbandelten sich die Kupferschmelzen Jiangxi Copper Co. und Tongling Nonferrous Metals Group Co. zum ,,China Smelters Purchase Team‘‘ (CSPT). Inzwischen besteht die CSPT aus 10 Schmelzen in ganz China und importiert rund 80 % der chinesischen Kupferimporte!

 

Fazit

 

Die neue Formierung staatlicher chinesischer Ölraffinerien fügt sich in eine Dominanzstrategie Chinas ein, die auch konsequent auf dem Rohstoffmarkt genutzt wird. Der Unterschied zu einer Einkaufsgenossenschaft ist aber, dass am Ende des Tages diese Dominanz politischen Zielen dient. Damit ist sie eine potenzielle Gefahr bei der Abwehr staatlichen Einflusses auf individuelle und kollektive Freiheitsrechte. Antimonopol-Kontrolle ist staatliche Aufgabe. Wenn der Staat aber dominieren will, ist es auch mit wirtschaftlicher Freiheit bald ein heißes Thema. Dies scheinen auch die Millionen Einwohner Hongkongs zu spüren, die seit Monaten gegen den Einfluss Chinas demonstrieren.

 

30.06.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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