Zusammen mit Lockheed Martin will Rheinmetall künftig ATACMS-Raketen in Deutschland produzieren, was die Anleger aber kalt lässt
Der Verlust des F126-Projekts schmerzt die Aktionäre von Rheinmetall noch immer
Die Expansion bei Rheinmetall schreitet munter voran, wofür der Rüstungsriese auch gerne auf Partnerschaften setzt. Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara verkündete das Unternehmen nun ein weiteres Vorhaben. Zusammen mit Lockheed Martin sollen in Zukunft ATACMS-Raketen in Unterlüß hergestellt werden. Es wäre der erste Standort dafür außerhalb der USA.
Geplant ist laut einer Unternehmensmitteilung ein Joint Venture, wobei über die genaue Verteilung der Anteile kein Wort verloren wurde. Vermutet werden darf jedoch, dass Rheinmetall (DE0007030009) und Lockheed Martin sich das Ganze zu gleichen Teilen aufteilen werden. Eine Absichtserklärung wurde dem Vernehmen nach bereits unterzeichnet; die Produktion soll im kommenden Jahr anlaufen.
Beliefert werden sollen damit dann europäische Streitkräfte sowie NATO-Partner. Rheinmetall-Chef Armin Papperger nennt bei dem Vorhaben das Tiel, die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas zu stärken. Nicht näher eingegangen wurde allerdings auf das finanzielle Volumen. Da es sich um eine längerfristige Angelegenheit handeln dürfte, werden die Umsätze sehr wahrscheinlich in die Milliarden gehen. Es reicht dennoch nicht, um die Anleger wieder in Kauflaune zu versetzen.
Rheinmetall: Die Enttäuschung sitzt tief
Stattdessen gab die Rheinmetall-Aktie am Dienstag um 1,6 Prozent auf noch 1.112 Euro. Aus technischer Sicht gelang zuletzt mit etwas Wohlwollen noch eine Stabilisierung, doch im Chart ist der kurzfristige Abwärtstrend weiterhin kaum zu übersehen. Auf Monatssicht ging es mit dem Kurs um über sieben Prozent abwärts. Noch immer zu spüren ist das Storno für das F126-Projekt. Rheinmetall selbst rechnet damit, dadurch Umsätze von bis zu 300 Millionen Euro verloren zu haben. Als Reaktion stoppte der Konzern zudem einen zuvor geplanten Aufbau von Arbeitsplätzen in Werften.
Spätestens damit bewerten die Anleger insbesondere die Wachstumsaussichten im Marine-Sektor neu und sehen sich erst einmal zum Rückzug gezwungen. Allerdings handelt es sich dabei letztlich nur um eine von vielen Sparten von Rheinmetall, und zumindest aktuell längst nicht um die lukrativste. Es bleibt enorm viel Potenzial zu entdecken, da die Aufrüstung in Europa so schnell nicht enden wird. Das gilt selbst für den Fall, dass US-Präsident Donald Trump Recht haben sollte mit seiner Aussage, dass ein Friedensschluss in der Ukraine näher sei, als viele denken würden.
Optimistisch bleiben nach wie vor die Analysten. Die Kursziele mögen etwas gesunken sein, doch verglichen mit den letzten Schlusskursen bewegen sie sich weiterhin in luftiger Höhe. Die Schweizer Großbank UBS beispielsweise bestätigte kürzlich noch einmal ihre Kaufempfehlung und lobte respektable 1.600 Euro als Kursziel aus. Das entspricht einem hypothetischen Aufwärtspotenzial von annähernd 50 Prozent. Begründet wird diese Aussicht in erster Linie mit der Vermutung, dass die europäische Investitionsgüterindustrie insgesamt ein solides Quartal hinter sich haben dürfte.
Eine günstige Gelegenheit?
Vermutlich wird die Rheinmetall-Aktie noch eine Weile brauchen, um die jüngsten Enttäuschungen endgültig abschütteln zu können. Daraus könnte sich für Anleger aber durchaus eine Chance ergeben. Da sich am generellen Wachstumskurs nichts geändert hat, bleibt es bei sonnigen Aussichten für die Bilanzen. Gelingt es Rheinmetall, die Erwartungen zu treffen oder vielleicht sogar zu übertreffen, so dürfte bei der Aktie nach der Zahlenvorlage Anfang August wieder ein etwas anderer Wind wehen.
Leider lässt sich an der Börse nie etwas garantieren. Zumindest denkbar scheint momentan aber, dass es aktuell noch vergleichsweise günstige Kurse zu entdecken gibt und die Rheinmetall-Aktie einige der Korrekturen aus den vergangenen Wochen früher oder später wieder wettmachen kann. Allerdings bleibt die Aktie auch schwer abhängig von der allgemeinen Marktstimmung und kaum vorhersehbaren geopolitischen Entwicklungen. Nicht jede Korrektur muss tatsächlich berechtigt sein. Wenn sie eintritt, ist sie für Anleger aber unabhängig davon natürlich ein Ärgernis.
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08.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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