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Dänemark, Norwegen und Schweden verstärken Währungskooperation

Skandinavische Geldpolitik: Die Wikinger schließen die Reihen

 

Die skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Dänemark haben sich vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie auf einen Krisen-Notfallplan zur Geldversorgung verständigt. Dies berichtet heute die Nachrichtenagentur Reuters.

Das Vorhaben sieht Devisentauschgeschäfte (Devisen-Swaps) unter den beteiligten Zentralbanken der drei Nicht-Euro-Länder vor, wie die schwedische Riksbank am Donnerstag mitteilte. Mit dem Kooperationsabkommen wollen die Notenbanken sicherstellen, dass im Krisenfall der Zugang zu Liquidität in anderen skandinavischen Währungen als ihrer Heimatwährung gesichert ist.

Beispielsweise wäre dies dann der Fall, wenn eine oder mehrere skandinavische Banken in einer außergewöhnlichen Situation Liquidität in der Währung eines der anderen beiden Staaten benötigten.

Laut der schwedischen Notenbank ist die Vereinbarung das Ergebnis von Diskussionen unter den Währungshütern seit 2019. Es ergänzt jenes ,,Memorandum of Understanding‘‘, welches zwischen den nordischen Staaten und den baltischen Staaten im Jahr 2016 vereinbart worden war. Insgesamt soll das Abkommen dabei helfen, die Finanzstabilität in der Region abzusichern.

Bilaterale Devisentauschabkommen seien bereits zwischen der schwedischen und der norwegischen Notenbank sowie zwischen dänischen und der norwegischen Notenbank vereinbart worden. Über ein Abkommen zwischen den schwedischen und dänischen Währungshütern wird noch verhandelt. Die Vereinbarung als solches tritt heute, am 12.11.2020, in Kraft.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung der drei skandinavischen Währungen gegen den Euro zeigt eine interessante Änderung und eine nominale Folge verschiedener Grundsatzentscheidungen. Damit ergeben sich allerdings auch jeweils eigene Reaktionsfunktionen für die Geldpolitik.

 

 

Interessant dabei dürfte das Verhältnis der dänischen Krone zum Euro und den Konsequenzen für seine Geldpolitik aus Sicht der beiden anderen skandinavischen Staaten sein.

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeSeit 1973 ist Dänemark Mitglied in der Europäischen Union. Im Rahmen eines Referendums wurde der EU-Vertrag von Maastricht 1992 abgelehnt, in dem insbesondere die Bestimmungen zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion geregelt werden. Ein Jahr später erfolgte die Zustimmung zum EU-Vertrag nur aufgrund mehrerer Opting-outs, die es Dänemark unter anderem ermöglichten, die Krone zu erhalten, während andere Mitglieder der EU 1999 den Euro annahmen.

Ziel der dänischen Geldmarktpolitik ist es, den Wert der Krone im Vergleich zum Euro stabil zu halten. Aufgrund des europäischen Währungssystems besteht seit 1999 eine enge Verbindung zwischen Dänemark und dem Euroraum, obwohl sich das dänische Volk gegen den Euro ausgesprochen hat. Die dänische Krone unterliegt dem Wechselkursmechanismus II.

Der Wechselkursmechanismus II ist eines der EU-Konvergenzkriterien zur Euroeinführung und legt eine maximale Schwankungsbreite des Wechselkurses der dänischen Krone zum Euro fest. Die Schwankung darf höchstens ± 2,25 % um den festgelegten Leitkurs von 1 Euro = 7,46038 DKK betragen. Damit ist die dänische Krone stark an den Euro gebunden, was einen den Bewegungen des Euro folgenden Wechselkurs gegenüber Währungen, die nicht an den Euro gebunden sind, zur Folge hat.

Es ist zwar richtig, dass Devisenswaps von Notenbanken auf den ersten Blick nur wenig mit der Wechselkurspolitik der einzelnen nordischen Staaten zu tun haben. Jedoch stehen alle drei skandinavischen Staaten in Krisensituationen, auf die sich die neue Vereinbarung mit Blick auf die Banken bezieht, vor der Frage, ob sie eine Kapitalflucht zulassen oder Kapitalverkehrskontrollen einführen. Zudem ist die Frage eines digitalen Euros, der mit beinahe unheimlicher Geschwindigkeit eingeführt zu werden scheint, auch eine Frage nach der skandinavischen Version von digitalem Zentralbankgeld.

Strategisch ist die neue Vereinbarung auch unter dem Blickwinkel zu sehen, dass die dänische Krone aus dem Wechselkursmechanismus II zum Euro ausbrechen könnte. Dann würde sich die Frage nach einem neuen Währungsanker stellen. Dies könnte entweder eine gemeinsame nordische Krone sein oder ein Währungskorb.

 

Fazit

 

Die neue Vereinbarung der schwedischen, norwegischen und dänischen Notenbank für Währungsswap schafft neues Kriseninterventionspotenzials für die Abwehr einer Liquiditätskrise, die das Überschwappen auf die jeweils anderen skandinavischen Teilnehmer verhindern soll. Besonders interessant ist dieses Szenario für den Fall eines Ausbruchs der dänischen Krone aus dem Wechselkursmechanismus II zum Euro.

Ob der neuen Vereinbarung auch die Idee einer neuen, wenn auch anders strukturierten ,,skandinavischen Münzunion‘‘ zugrunde liegt, wird sich wohl erst in den Entscheidungen zeigen, welche in der nächsten Liquiditäts- und Bankenkrise in Skandinavien getroffen werden. Die erste skandinavische Münzunion dauerte von 1873 bis 1924. Die auch Nordischer Münzbund genannte Union wurde gegründet, um gegenüber den wichtigsten Handelspartnern England und Deutschland, die bereits 1819 beziehungsweise 1873 den Goldstandard eingeführt hatten, keine wirtschaftlichen Nachteile befürchten zu müssen. Dabei löste der nun in den drei Ländern eingeführte Goldstandard die vorher gültige Orientierung am Silber ab.

Und heute, nachdem alle Währungen weltweit als Fiatwährungen nur durch Vertrauen in die Omnipotenz der Notenbanken noch am Leben sind? Was wäre, wenn sich Dänemark in der nächsten Eurokrise aus dem Korsett des Euros herauskatapultiert? Wie wäre es dann mit einer in der nächsten Währungskrise eingeführten nordischen digitalen Krone?

 

12.11.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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