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Soja: Chinas Importsog, Südamerika in der Klemme

Bauern in der Klemme: Fleischpreis im Keller, Sojapreis steigt steil

 

Die Preise für Schweine und Rinder sind im Keller. Gleichzeitig steigen die Preise für zugekauftes Eiweißfutter dramatisch.

Für die Schweine- und Rinderbauern zudem wenig tröstlich: Es lässt sich nicht so einfach ermitteln, wie teuer Fleisch wäre, wenn es einen „fairen“ Preis hätte. Gerechtigkeit ist (bislang) kein Einflussfaktor von Marktpreisen. Wie nachhaltig eine Situation ,,Ethisch unsterblich, ökonomisch tot‘‘ ist, wird bislang politisch nicht hinreichend gewürdigt und gelöst.

Wie das Nachrichtenportal ,,Agarheute.com‘‘ mitteilt, kritisieren etwa Bauernvertreter, dass von jedem Euro, der an der Ladentheke ausgegeben wird, nur rund 20 Cent bei Bauern ankommen. Denn beim Verkauf von Agrarprodukten müssen sich Landwirte und Lebensmittelindustrie meist den Vorgaben des Lebensmitteleinzelhandels beugen. Und dort beherrschen die vier großen Ketten Edeka, Aldi, Rewe und Lidl rund 85 % des deutschen Lebensmittelmarktes. Es herrscht hoher Wettbewerbsdruck, und die Mengen belasten die Lieferkette rückwärts nicht nur ökonomisch, sondern auch ethisch. Denn der darin liegende Konflikt wird vom Endverbraucher und vor allem vom Handel auf den Produzenten verschoben.

Derweil kostet Sojaschrot am deutschen Importhafen Hamburg derzeit rund 350 Euro je Tonne. Das sind rund 70 Euro mehr als im Juli bzw. ein Preisaufschlag von 25 %. Und die Preisangebote für die nächsten Wochen und Monate sind nicht viel günstiger.

 

Soja – Aussaat bei Dürre und hohe Exportsteuern

 

Verantwortlich für die dramatische Verteuerung von Sojaschrot sind die Preis-Entwicklungen in den USA und Südamerika. Während in den USA insbesondere die anhaltenden Großeinkäufe Chinas die Sojapreise in Chicago auf ein Zweieinhalbjahreshoch katapultiert haben, treibt die extreme Trockenheit in Südamerika bei der laufenden Sojaaussaat gleich noch die Preise für die nächste Ernte mit in die Höhe.

 

 

Gerade einmal 1,7 % der geplanten Sojafläche 2020/21 waren in mit Abstand wichtigstem Sojastaat Brasiliens, Mato Grosso, nach Angaben des Branchenverbandes Imea Ende September gepflanzt. Der Grund: Der extrem trockene und ausgedörrte Boden, der die Farmer an der Aussaat hindert. Voriges Jahr waren bis zum gleichen Termin knapp 7 % der Fläche bestellt. In den letzten fünf Jahren waren durchschnittlich sogar 10 % der Sojabohnen ausgesät.

Übrigens: Die oben erwähnte Dürre könnte zumindest teilweise auch durch die Explosion der Anbaufläche von Soja verursacht sein. Denn in den letzten 60 Jahren wurde die Produktion von 27 Millionen Tonnen auf 360 Millionen Tonnen um mehr als das Zehnfache gesteigert. Und 80 % der Sojabohnen weltweit kommen aus USA, Brasilien oder Argentinien. Für die Ausweitung der Ackerfläche wurden und werden immer noch riesige Wald- und Savannenflächen umgewandelt. Nicht zuletzt daran entzünden sich die politischen Konflikte mit Brasiliens Präsident Bolsonaro und der EU. Zwar geht der Löwenanteil des südamerikanischen Sojas nach China und nicht in die EU, hier aber endet die Logik der analytischen Reagenzgläser: Das Klima ist unteilbar und damit auch die Verantwortung dafür!

Und Argentinien? Auch in Argentinien ist es derzeit sehr trocken. Doch die argentinischen Farmer haben noch ganz andere Probleme, nämlich exorbitant hohe Exportsteuern, die die Ausfuhr von Sojaschrot massiv bremsen. Argentinien ist der mit Abstand größte Exporteur von Sojaschrot und Sojaöl weltweit. Um die stockenden argentinischen Sojaexporte anzukurbeln, hat die Regierung vorige Woche die sehr hohen Exportsteuern etwas gesenkt.

Der größte Bauernverband des Landes kritisiert jedoch, dass die staatlichen Maßnahmen zur vorübergehenden Senkung der Exportsteuern völlig unzureichend seien und die Probleme der Landwirte in der schweren Wirtschaftskrise nicht lösen könnten. Die Regierung hatte Ende September angekündigt, die Exportabgabe bei Sojabohnen um 3 Prozentpunkte auf 30 % zu senken. Die Abgabe soll dann bis Januar aber wieder auf 33 % steigen.

 

Fazit

 

Die Marktkräfte und Klimaveränderungen erzeigen zunehmende Spannungen am Sojamarkt. Dieser beeinflusst wiederum die Kostenfunktion von Schweine- und Rinderbauern. Hinzu kommen administrative Regulationen wie Steuern und Auflagen sowie eine Agrarpolitik in Europa, die sich dem inhärenten Wertekonflikt nicht ausreichend stellt. Der Eiweißbedarf Chinas ist durch die Seuchen in seiner Tierproduktion substitutiv weiter gestiegen. Der Stress in der Lieferkette hat also insbesondere direkt beim Hersteller als auch beim größten Abnehmerland enorm zugenommen. Es gilt deshalb, die Entwicklung des Sojapreises weiter zu beobachten und auf allfällige Angebots- oder/und Nachfrageschocks hin zu prüfen. Ein Blick auf die Entwicklung der letzten 3 Jahrzehnte deutet dabei an, dass die aktuelle Entwicklung des Sojafuture-Preises noch lange nicht an ein Ende gekommen sein muss.

 

06.10.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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