TUI kommt öfter nach Hamburg, die Lufthansa streicht innerdeutsche Flüge, Carnival sorgt für Einheitlichkeit und United Airlines hält sich wacker
Echte Kauflaune will im Reisesegment derzeit nicht aufkommen
Die Reisebranche hat mit am schwersten unter den Auswirkungen des Irankonflikts gelitten. Zuletzt gab es zwar wieder die eine oder andere Hoffnung auf einen Frieden in der Region. Tatsächlich passiert ist allerdings noch nichts. Dadurch besteht weiterhin hier und dort Verkaufsdruck, wenngleich es auch positive Entwicklungen zu vermelden gibt.
Weiterhin kritisch beäugt wird der Reiseveranstalter TUI (DE000TUAG505), für den durch die Krise im Nahen Osten wichtige Destinationen wegfallen. Zusätzlich dazu macht sich eine geringere Nachfrage nach Zielen am östlichen Mittelmeer bemerkbar. Immerhin konnten zwei Kreuzfahrtschiffe, welche wochenlang im Persischen Golf festhingen, mittlerweile in Sicherheit gebracht werden. Jene werden in Zukunft wohl häufiger in Hamburg vorbeischauen.
Die Tochter TUI Cruises ließ kürzlich mitteilen, dass der Hamburger Hafen von den eigenen Kreuzfahrtschiffen in Zukunft häufiger angesteuert werden sollen. Im Jahr 2011 gab es noch elf Anläufe. Dieses Jahr sollen es 25 sein und im nächsten Jahr bereits 36. Um die Sicherheit in der Hansestadt muss man sich derzeit deutlich weniger Gedanken machen als etwa in Dubai. Der Aktie hilft es leider nicht. Jene wertete am Freitag um 1,8 Prozent auf 6,61 Euro ab und blickt auf einen Verlust von 27 Prozent seit Jahresbeginn.
Die Lufthansa streicht Bremen-Frankfurt
Große Sorgen machen sich Beobachter beim Irankonflikt weiterhin um einen möglichen Engpass bei Treibstoff. Insbesondere Kerosin könnte davon betroffen sein; in Asien wird teils bereits hart rationiert. Die EU reagierte, indem sie für hiesige Märkte auch US-Flugbenzin zuließ. Doch auch das scheint nicht zu reichen, um den gewöhnlichen Betrieb dauerhaft aufrechterhalten zu können. Das zeigt sich auch bei der Deutschen Lufthansa (DE0008232125).
Letztere kündigte laut einem Bericht von „finanzen.ch“ an, die Verbindung zwischen Bremen und Frankfurt zum 1. Juli einzustellen. Der Wegfall der Flugverbindung zum Drehkreuz in Frankfurt wird als „bedauerlich“ bezeichnet. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen sei das ganze aber nicht mehr wirtschaftlich tragbar. Immerhin steht Reisenden die Bahn als Alternative zur Verfügung – so sie denn fahren mag. Die Lufthansa-Aktie gab am Freitag um 1,4 Prozent auf 8,16 Euro nach.
Carnival vereinigt sich
Auch für Carnival (GB0031215220) waren die Aussichten schon mal freundlicher, doch immerhin gelingen dem Unternehmen momentan Fortschritte bei der eigenen Unternehmensstruktur. Gemeldet wurde vor wenigen Tagen, dass die Vereinheitlichung des Unternehmens abgeschlossen werden konnte. Der Kreuzfahrtveranstalter zieht von Panama nach Bermuda um und vereinheitlich seine Börsennotierung an der NYSE. Das wird vor allem von Analysten als ein richtiger und wichtiger Schritt angesehen. Die Kursziele lassen ein gehöriges Aufwärtspotenzial vermuten.
Einlassen wollen die Anleger sich darauf aber noch nicht so recht. Der Blick richtet sich auch hier auf den Nahen Osten und die vielen ungelösten Fragen rund um den dortigen Konflikt. Die Carnival-Aktie fiel letztlich am Freitag um 2,3 Prozent auf 26,38 US-Dollar zurück. Seit Jahresbeginn ging es um knapp 14 Prozent abwärts und die heftige Delle von Anfang März, als der Irankrieg ausbrach, konnte noch immer nicht verdaut werden.
United Airlines wieder höher
Auch bei United Airlines (US9100471096) sind die Auswirkungen des Irankriegs im Chart noch deutlich zu sehen. Zuletzt holte die Aktie aber zu einer kleinen Erholung aus, was den Kurs bis auf 99,58 Dollar zu Handelsschluss am Freitag bewegte. Profitiert haben dürfte der Titel nicht zuletzt durch das Aus der US-Airline Spirit. Mancher Passagier dürfte einen bereits gebuchten Flug zur Konkurrenz umbuchen und als eine der größten Airlines bietet sich United in diesem Fall an.
Genau beziffern lässt sich freilich nicht, wie sich dies auf Passagierzahlen und Umsätze auswirken mag. Die Analysten bleiben aber optimistisch. Laut „MarketScreener“ empfehlen derzeit ganze 19 Analysehäuser die Aktie zum Kauf und das durchschnittliche Kursziel liegt mit knapp 130 Dollar 30 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Ob und wann solche Höhen erreicht werden können, wird jedoch maßgeblich von den weiteren Entwicklungen in Nahost abhängen.
Schwere Zeiten
Um den Reisesektor ist es bisher nicht ganz so dramatisch bestellt, wie es vor einigen Woche noch befürchtet wurde. Es haben sich aber nicht zu übersehene Risse ergeben und zusätzlich zu den Auswirkungen des Irankriegs entpuppen sich auch eine wieder höhere Inflation sowie eine gedämpfte Konsumstimmung als mögliche negative Faktoren. Dass es den Anlegern weiterhin schwerfällt, auf eine größere Erholung zu setzen, dürfte momentan absolut nachvollziehbar sein.
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10.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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