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Marktbericht Gold – Zins – Öl: Wer mit wem? Wer gegen wen?

Gold - die Handelswoche vom 18.05 - 22.05.2026

NTG24 - Marktbericht Gold – Zins – Öl: Wer mit wem? Wer gegen wen?

 

Per Saldo war die Entwicklung des Goldpreises in der abgelaufenen Handelswoche ein Non-Event. Die Augen richteten sich in dieser Woche vielmehr auf die globalen Anleihemärkte und den Nahen Osten, wo die politische Stoppuhr mehrfach für immer allerletztere diplomatische Initiativen für eine Verhandlungslösung zwischen den USA und dem Iran angehalten wurde. Der Wunsch für eine friedliche Einigung war dabei der Treiber per Saldo sinkender Ölpreise, bei dem die tiefer liegenden Konflikte ausgeblendet werden. Es gilt bis auf Weiteres deshalb: Hoffnung ist kein Risikomanagement-Prinzip! Und schon gewinnt Gold wieder an Strahlkraft!

Die US-Konjunkturzahlen in dieser Woche zeigten vor allem eines: Der Inflationsdruck steigt in den USA auf der Produzentenseite deutlich über den US-Prognosen der US-Notenbank, der durchschnittliche Konsument hat dagegen kaum Finanzpuffer, der die Preissteigerungen auffangen könnte. Die sprunghaft gestiegenen Rohstoffpreise sickern weltweit in die Preisstrukturen und lassen in variabler Kombination operative Gewinnmargen auf der einen Seite und Erschwinglichkeit auf der anderen dahinschmelzen. Ein echter Test von Preissetzungsmacht bei Unternehmen und der ,,Konsumentenresilienz‘‘ bei den Verbrauchern.

Und die US-Notenbank, die seit gestern einen neuen Chef hat, dürfte nicht zuletzt deshalb mit ihrem dualen Mandat bald erste geldpolitische Bauchschmerzen spüren. Denn wie schnell der Stern von Kevin Warsh bei US-Präsident Trump sinkt, wenn ersterer die Zinsen bald erhöht statt wie von letzterem erwartet senkt, kann man sich bei Trumps Naturell vorstellen.

 

Wachstum, Moral Hazard und Schuldentragfähigkeit

 

Da werden Erinnerungen an die 1970er Jahre wach, nur: Inzwischen hat die weltweite Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Verbrauchern ein Rekordniveau erreicht, bei dem die Sensitivität gegenüber Zinssteigerungen schnell zu einem hohen Risiko für die Schuldentragfähigkeit insgesamt führt. Dies alleine zeigt, wie elementar die Betrachtung der ,,Werthaltigkeit‘‘ von Vermögenswerten bei steigenden Zinsen ist. Denn die in den letzten 15 Jahren geldpolitisch durch permanentes Krisenmanagement auf ein 5000-Jahrestief getriebenen Leitzinsen haben ein klassisches Moral Hazard Problem am Kapitalmarkt geschaffen! Greenspan-Put, Bernanke-Put, Powell-Put, Bail-outs allerorten und natürlich der EZB-Put haben Staaten, Unternehmen und Verbraucher zu einer Verschuldung verleitet, aus der sie immer häufiger nicht selber ,,herauswachsen‘‘ können. Wie hoch ist dann aber der zukünftige Wert der Schulden, wenn es plötzlich nicht mehr um Wachstum geht, sondern um eine Stagflation oder sogar Depression?!

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Gold und die Werthaltigkeit der Schulden

 

Spätestens an diesem Punkt zeigt sich, wie sehr die Frage der Werthaltigkeit des Geldes mit der Verwendung seitens der Staaten, den Wachstumsstrategien der Unternehmen und mit den Einkommenserwartungen bzw. der Zuversicht der Verbraucher verbunden ist. Billiges Geld hat gerade nach der Finanzkrise von 2007/2008 einen selbstkritischen Blick in den finanziellen Spiegel verhindert. Mit den aktuellen Zinssteigerungen könnte aber der Tag nahen, an dem der eisige Wind der ,,Schuldentragfähigkeit‘‘ in Form eines abrupten Risiko-Repricings auf die Tagesordnung kommt. Und man kann sich vorstellen, wo in diesem ,,Werthaltigkeits-Universum‘‘ Gold relativ steht.

Die USA haben hierbei zwar aktuell eine höhere Gesamtverschuldung als etwa Deutschland, jedoch sind sie in vielerlei Hinsicht weniger preissensitiv. Ob aus einer potenziellen ,,imperialen Überdehnung‘‘ eine Schuldenkrise wird, bleibt abzuwarten. Denn die Fähigkeit der USA, Käufer für seine Staatsschulden zu finden, ist immer noch enorm. Dies hören vor allem in Europa einige nicht gern, aber die absolute Bedeutung des US-Dollars als Notenbankreserve hat eben nicht gegenüber dem Euro gelitten, sondern gegenüber Gold. Dies sagt viel über die außereuropäische Sicht auf die europäische Gemeinschaftswährung aus. Dieser Trend setzt sich unvermindert fort, auch wenn etwa die türkische Notenbank in den letzten Wochen nicht nur viel Gold, sondern auch fast alle US-Staatsanleihen verkaufte. Ein Blick auf die Entwicklung der türkischen Lira gegen den US-Dollar beseitigt aber sofort alle Unklarheiten der Interpretation!

Ein Blick auf die Entwicklung der Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen der USA, Deutschlands und Japans in Chart 1 zeigt vor allem eines: Der Trend ist gleichgerichtet aufwärts, wobei Japan in den letzten Wochen einen sehr starken Zinsanstieg erlebt hat, was nicht zuletzt dem Terms-of-Trade-Schock stark gestiegender Ölpreise geschuldet ist, der sich in deutlich höheren Inflationserwartungen widerspiegelt.

 

Vergleich der 10-jährigen Staatsanleihen von Deutschland, USA und Japan

 

Der Aufwärtsdruck auf die deutschen Renditen dürfte nicht zuletzt der beschleunigten Aufrüstung geschuldet sein, aber auch der Tatsache, dass die konjunkturelle Entwicklung Deutschlands außerhalb des Rüstungssektors zu wünschen übriglässt. Es sieht also derzeit nicht so aus, als könne Deutschland aus seinen Schulden ,,herauswachsen‘‘. Die USA schließlich haben auch aufgrund der besseren konjunkturellen Entwicklung ein höheres Zinsniveau, aber auch aufgrund der höheren Verschuldung.

In diesem Umfeld steigender Renditen erscheint die Entwicklung des Goldpreises in der abgelaufenen Handelswoche eher langweilig, zumal diese auch ohne größere Schwankungen ablief.

Im Wochenvergleich gab Gold (TVC:GOLD) von 4.540.65 USD auf 4.509,69 USD und damit um 0,7 % nach.

 

Gold Spot / U.S. Dollar

 

Die in dem Goldpreis-Chart auf Tagesbasis markierten Auf- und Abwärtstrendlinien zeigen, dass sich die Konsolidierung bei Gold im Juni zuspitzt. Die Aufwärtstrendlinie bilden dabei die seit Anfang 2025 und seit August 2025 laufenden mittelfristigen Aufwärtstrends. Die Abwärtstrends werden durch das Allzeithoch im Januar 2026 bzw. dass Zwischenhoch von Anfang März und das Zwischenhoch vom 12.05.2026 markiert. Das breitere und kürzere Konsolidierungsdreieck endet am 18.06.2026. Bis dahin generiert dieses Konsolidierungsmuster ein Kauf- oder Verkaufssignal, bei einer längeren Seitwärtsbewegung ist das spitzere Konsolidierungsdreieck am 17.08.2026 beendet und wird bis dahin ebenfalls ein Kauf- oder Verkaufssignal generieren.

Doch gibt es Anhaltspunkte für die Länge der verbleibenden Konsolidierung?

Ein Blick auf die Kursentwicklung zeigt nun, dass das Konsolidierungsmuster nicht nur linear durch Trendlinien, sondern auch durch Muster beschreibbar ist. Dies hatten wir bereits in der vergangenen Woche dargestellt. Diese Konstellation ist nun erneut in Chart 3 aktualisiert abgebildet.

 

Gold Spot / U.S. Dollar

 

Das vermutete Konsolidierungsmuster einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation legt nahe, dass die Konsolidierung bis zum 18.06.2026 beendet ist. Warum? Der Abstand zwischen der linken Schulter und dem Kopf beträgt rund 34 Handelstage, vom Kopf bis gestern sind es bereits 43 Handelstage. Wenn also die genannte Mustervermutung qualitativ richtig ist, sollte der Goldpreis in Kürze seine rechte Schulter beenden. Ein Bruch der in Chart 3 markierten mittelfristigen Abwärtstrendlinie wäre dabei ein guter Start!

Für einen überzeugenden Ausbruch wäre allerdings auch ein deutlicher Anstieg der Umsätze nötig, denn eine Musterbestätigung durch eine gleichgerichtete Umsatzentwicklung dient dabei als Signifikanzsignal.

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Gold, Öl und Zinsen: Alles ist relativ

 

Neben charttechnischen Argumenten sollte aber nicht unbeachtet bleiben, dass gerade der Ölpreisanstieg kein Schicksal ist, sondern Folge politischer Entscheidungen. Dies war auch in den 1970er Jahren der Fall, und so ist es auch diesmal.

Ein Blick auf die Entwicklung von Gold, Öl und der 10-jährigen US-Staatsanleihe seit der Finanzkrise 2007/2008 zeigt nun in Chart 4, dass Gold für einen starken Aufwärtstrend weder Rückenwind von der Zinsseite noch vom Ölpreis braucht.

 

Gold, Öl und 10-jährige US-Staatsanleihe im Vergleich

 

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stand 2008 in etwa gleichem Niveau wie heute. Gleichwohl ist Gold seither um knapp 500 % gestiegen. Gleiches gilt für den Vergleich mit dem Ölpreis. WTI-Öl steht aktuell auf etwa gleichem Niveau wie 2008.

Dies zeigt, dass man zumindest für die Zeit nach der Finanzkrise nach besseren Erklärungen für den deutlich gestiegenen Goldpreis suchen muss.

Der Goldpreis hat in der abgelaufenen Handelswoche weiter Wasser getreten und wartet auf den entscheidenden Impuls zur Musterbildung. Dabei ist wie bereits bei der linken Schulter wie auch dem umgekehrten Kopf der vermuteten S-K-S-Formation ein längerer Docht nach unten möglich, was einem bedeutenden Intraday-Reversal entspricht.

Auslöser dieses Szenarios könnte ein erneuter Angriff der USA auf den Iran sein. Der Goldchart sendet Signale, dass dies bald passiert. Dann ist es sehr wahrscheinlich mit der Ruhe am Goldmarkt wieder vorbei.

 

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23.05.2026 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 

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