Marktbericht Gold - charttechnische Ruhe vor dem Sturm? Und - der Ölpreis ist heiß!
Die Handelswoche in Gold vom 25.05. - 29.05.2026
Raucht am Golf die Friedenspfeife oder nur der Colt? Die Antwort auf diese Frage entscheidet, wohin das Sentiment der Investoren und damit auch ihre strapazierte Geduld in den laufenden Verhandlungen kippen wird. Bis dahin bleibt es an der Oberfläche der Erwartungen (zu) ruhig. Diese fast schon unheimliche Ruhe zeigt auch die Entwicklung des Goldpreises in der abgelaufenen Handelswoche. Aber die charttechnische Situation verdeutlicht, dass die (Trend) – Entscheidung eine Frage von Tagen oder wenigen Wochen ist. Danach ist aus charttechnischer Musterperspektive als auch aufgrund des zu erwartenden Momentums bei einem Sentiment-Wechsel mit einer Menge Eigendynamik zu rechnen.
Die abgelaufene Handelswoche stand erneut im Rampenlicht der fieberhaften Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Wesentliche Kernforderungen der jeweils anderen Seite stehen sich trotz verschiedener Vermittlungsbemühungen (noch) unvereinbar gegenüber, und eine finale Entscheidung steht weiter aus. Gold (TVC:GOLD) bewegte sich im Wochenvergleich kaum, legte von 4.509,69 USD auf 4.540,53 USD zu und schloss so mit einem minimalen Plus von 0,68 %. Dieser geopolitische Schwebezustand ließ den Ölpreis hoffnungsfroh sinken und verlängerte die kurstechnische Atempause bei Gold und den anderen Edelmetallen, welche diese weiter zur Bodenbildung nutzten.
Still ruht der See - an der Oberfläche!
An der Oberfläche zeigten sich die Märkte ruhig und hoffnungsvoll. Der Sorglosigkeitsindex VIX, der Volatilitätsindex auf den S&P 500, notiert aktuell mit 15,32 Punkten, nachdem er im Jahreshoch am 09.03.2026 noch bei 35,30 Punkten und damit mehr als doppelt so hoch stand. Damit sehen wesentliche Teile der Marktteilnehmer keinen größeren Absicherungsbedarf ihrer Aktienpositionen, während gleichzeitig der S&P 500 immer neue Allzeithochs erklimmt. Wie zuversichtlich die Anleger sind, zeigt ein Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis: Während das Forward-KGV bei rund 22,8 liegt, steht das Trailing-KGV aktuell je nach Quelle zwischen 27 und 32. Der historische Mittelwert liegt dagegen zwischen 17 und 18. Was kann schon schiefgehen! This time it‘s different!
An den US-Konsumenten, die im März 2026 67,7 % der US-BIP ausmachten, scheint es aber immer weniger zu liegen. Denn die spürbar höheren Energiepreise (und Zölle!) sowie eine sich versteifende Inflation oberhalb der Zielmarken der US-Notenbank FED drücken immer stärker aufs Budget und bremsen den Konsum. Vor allem liegt die Inflationsrate über den Einkommen, und damit sinkt die Kaufkraft. Der von der FED bevorzugte Inflations-Indikator PCE (Personal Consumption Expenditure Price Index) lag im Januar 2026 noch bei 2,9 %, sprang im April auf 3,8 % und könnte bald die Marke von 4 % überschreiten. Und wenig überraschend bestätigen die Protokolle der letzten Notenbanksitzung mit dem alten FED-Chef Powell im April, dass dort die Unterstützung für eine Zinserhöhung steigt!
Die AI-Fantasie an der Börse, die weltweit billionenschwere Investitionen ausgelöst hat und die damit verbundenen Aktien auf immer neue Rekordwerte treibt, ist derweil in den Konsumplänen der US-Amerikaner kaum zu spüren. Denn die meisten US-Amerikaner haben gar keine Finanzmittel für Investitionen an den Märkten, mit denen sie an den explodierenden Kursen partizipieren könnten. Die Finanzierung der höheren Konsumentenpreise wurde zuletzt vor allem durch Steuerrückzahlungen gestützt, während die Sparquote auf 2,6 % und damit auf ein 4-Jahres-Tief fiel. Es überrascht deshalb nicht, dass viele auf bald sinkende Ölpreise und damit wieder sinkenden Inflationsdruck hoffen.
Der Best Case wird zum Real Case
Doch was passiert, wenn der ,,Best Case‘‘ einer dauerhaften Einigung nicht eintritt? Die bereits entstandenen Schäden an der Öl-Infrastruktur der Golfstaaten lassen erwarten, dass sich selbst bei einer kurzfristigen Einigung die Verlademengen nicht so schnell wie erhofft steigern lassen werden.
Der Konflikt hat den weltweiten Ölmärkten zwischen 12 Mio. und 13 Mio. Barrel Öl pro Tag entzogen, und die Lagerbestände sinken weltweit schnell.
Derweil erwartet die staatliche Ölgesellschaft der VAR, Adnoc, selbst bei einer friedlichen Einigung und anschließenden vollen Wiederaufnahme der Öltransporte über den Golf erst im kommenden Jahr eine Rückkehr zu früheren Mengen.
In dieser Woche warnte der CEO von Chevron, Mike Wirth, vor einem wieder steigenden Ölpreis spätestens ab Juli, da die vorhandenen Ölreserven und bald aufgebraucht sind. Gleichzeitig warnte er vor den hohen Kosten des Wiederaufbaus der Ölinfrastruktur, die den Ölpreis unabhängig von einer Einigung nach oben drücken könnten. Und als wäre dies nicht schon ernüchternd genug, blies der CEO von Exxon, Neil Chapman, noch stärker ins gleiche Horn und erwartet in den kommenden 2-3 Wochen eine reflexartige Aufwärtsbewegung beim Ölpreis, sollten die Lagerbestände weiter auf das kritische Niveau sinken. Ein Ölpreis von 150 USD bis 160 USD wäre dann seiner Ansicht nach das wahrscheinliche Ergebnis.
Was dies insbesondere für die großen Ölimporteure Asiens, aber auch für das rohstoffarme Europa bedeutet, lässt sich leicht ausmalen.
Es wird damit auch klar, woher die ganzen optimistischen Markterwartungen kommen. Nur wenn der ,,Best Case‘‘ zum ,,Real Case‘‘ wird ist alles andere eine negative Überraschung! Man darf deshalb gespannt sein, ob man die geopolitisch-strategische Kuh noch rechtzeitig vom glatten Verhandlungseis bekommt oder nicht.
Dies dürfte dann auch ein bedeutender Impuls für die Entwicklung des Goldpreises sein. Denn eine laue Seitwärtsbewegung bei ,,markttechnischer Windstille‘‘ ist für ein weltpolitisches Fieberthermometer wie Gold kaum zu erwarten, erst recht nicht, wenn der Ölpreis wieder anziehen sollte.
Die eigentliche ,,Bombe‘‘ dürfte dann allerdings der Anleihemarkt sein, denn dieser steht sowohl fundamental (Gesamtverschuldung, spät im Kreditzyklus, früh im Kriegszyklus, spät im Vertrauenszyklus) wie auch dazu passend charttechnisch (Frühphase einer neuen starken Aufwärtsbewegung bei den Anleiherenditen und zu erwartende Ausweitung der bonitätsbezogenen Credit-Spreads) auf tönernen Füßen! Ein schneller Anstieg des Ölpreises und in der Folge der Inflationserwartungen dürfte zwar zunächst auch Gold unter Liquidierungsdruck bringen. Allerdings liegt darin auch das Potenzial für das nachfolgend skizzierte Reversal-Szenario und ist damit grundsätzlich bullisch für Gold zu werten!
Gold vor Abschluss der Bodenbildung?
Der Goldpreis bewegte sich, wie Chart 1 zeigt, in der abgelaufenen Handelswoche in einer engen Handelsspanne und lotete dabei die Ober- und Untergrenze seines kürzeren Konsolidierungskeils aus.
Das vermutete Muster des Kursbodens in Form einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation wurde bislang nicht widerlegt. Gleichwohl ist die rechte, inzwischen hängende Schulter inzwischen länger als die linke. Qualitativ hat sich jedoch an der Interpretation noch nichts geändert.
Die Umsätze waren im Wochenverlauf eher gering, wobei Gold am Donnerstag seine 200-Tage-Linie touchierte und danach nach oben abdrehte (siehe lila Kreis in Chart 1). Am Freitag dann prallte der Kurs dann an seiner mittelfristigen Abwärtstrendlinie von unten ab.
Wie könnte es nun aber von hier aus weitergehen?
Wie bereits in der vergangenen Woche dargestellt läuft der Goldpreis in den Konsolidierungskeil hinein, der am 18.06.2026 endet. Bis dahin wird Gold nach oben oder nach unten ein dynamisches Kauf- bzw. Verkaufssignal generieren. Ob dieses sich dann als Fehlsignal erweist bleibt derweil offen. Allerdings ist ein kurzzeitiges Unterschreiten der Aufwärtstrendlinie insbesondere dann möglich, wenn im Zuge eines Marktschocks der Goldpreis einbricht, aber nur, um dann mit einem ,,Intraday Reversal‘‘ noch am selben Tag oder aber kurz darauf – am besten noch in derselben Handelswoche – wieder nach oben zu drehen. Dies würde dann im Candlestick-Chart (Tag oder Woche) einen ,,Hammer‘‘ mit einem relativ langen unteren Docht generieren. Dies wäre ein bullisches Signal dafür, dass der Abwärtstrend beendet ist, insbesondere dann, wenn der Schlusskurs über dem Eröffnungskurs liegt.
Im Ergebnis bleibt der Goldpreis kurzfristig noch in seiner charttechnischen Musterbildung. Diese bildet jedoch gerade die Basis für einen neuen starken Aufwärtstrend wahlweise mit und ohne Bärenfalle!
Gold - kaufen oder verkaufen?
Die neuesten Entwicklungen bei Gold sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Anleger. Lohnt sich aktuell ein Einstieg bei Gold oder sollten Sie lieber verkaufen?
Konkrete Analysen und Empfehlungen zu Gold - hier den Zürcher Goldbrief kostenlos downloaden...
30.05.2026 - Arndt Kümpel

Auf Twitter teilen Auf Facebook teilen
Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.
Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren
Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur
Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)









06.06.2026
05.06.2026
05.06.2026
04.06.2026