Marktbericht Platin und Palladium – gespannte Ruhe bei Platin, erhöhtes Risiko bei Palladium
Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 25.05. - 29.05.2026
Platin und Palladium konnten sich in der abgelaufenen Handelswoche wieder technisch stabilisieren. Dies ging allerdings zulasten schwächer werdender Unterstützungszonen. Die Impulsarmut überdeckt dabei das gestiegene charttechnische Risiko bei beiden Metallen. Fundamental hat sich die Lage kaum verändert: Das Angebotsdefizit bleibt und schwankt, die Nachfrage bleibt robust, was insbesondere für den Substitutionsdruck bei Platin gegenüber Gold gilt. Die Abhängigkeit von Palladium gegenüber der Automobilindustrie, die rund 80 % der Nachfrage generiert, macht es zu einer Wette auf die Stabilität fragiler industrieller Wachstumsprognosen, hier hängt vieles an der Richtungsentscheidung am Persischen Golf. Der Prognosenebel bleibt bis auf Weiteres hoch.
Im Vergleich zu der turbulenten Kursentwicklung seit Jahresbeginn war die abgelaufene Handelswoche für Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) geradezu langweilig. Beispiel Platin: Lag die historische Volatilität im Dezember 2025 noch bei rund 25 %, explodierte sie im Januar 2026 geradezu erreichte zwischen Ende Januar und Ende Februar 2026 Werte über 90 % und damit die höchsten Werte der letzten 20 Jahre! Danach stürzte sie wieder ab und liegt aktuell bei rund 26 %. Ähnlich war die Entwicklung bei Palladium. Hier lag die historische Volatilität Anfang Dezember 2025 noch bei rund 35 %, sprang bis Ende Januar 2026 auf über 80 % und fiel ab Ende Februar 2026 wieder auf nunmehr 30 % zurück.
Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die abgelaufene Handelswoche ungewöhnlich ruhig war. Insgesamt gab Platin im Wochenvergleich von 1.914,80 USD auf 1.906,38 USD nach und schloss damit praktisch unverändert, während Palladium von 1.346,61 USD auf 1.337,65 USD nachgab und die Handelswoche mit einem minimalen Verlust von 0,1 % schloss.
Platin fährt mit charttechnischem Ersatztank
Wie Chart 1 zeigt, schrammte der Platinpreis in den vergangenen Tagen an seiner seit April 2025 laufenden Aufwärtstrendlinie entlang. Parallel weisen die Umsätze auf einen zumindest kurzfristigen Abgabedruck hin.
Platin steckt damit zwischen Baum und Borke. Der Aufwärtstrend und die Fundamentaldaten stützen den Kurs, gleiches gilt für das Muster der Bodenbildung (umgekehrte S-K-S-Formation). Jedoch sinken die Kraft der dynamischen Unterstützung und die Pufferkapazität.
Ein Blick auf die Entwicklung auf kleinerer Skale in Chart 2 verstärkt diesen Eindruck.
Er zeigt, dass Platin in dieser Woche nicht nur von oben an seine mittelfristige Aufwärtstrendlinie rutschte, sondern dass es auch auf die kurzfristige statische Unterstützung fiel, welche sich durch das Zwischentief vom 29.04.2026 gebildet hatte (blaue Horizontale). Diese Linie bildete eine Kreuzunterstützung, auf die Platin aufsetzte und mit wenig Schwung nach oben abprallte.
Gleichzeitig sinkt der obere Rand des Konsolidierungs-Keils und deutet an, dass sich Platin bis zum 24.06.2026 entscheiden muss, in welche Richtung es diesen Keil verlassen will. Dabei wird sich zeigen, ob das vermutete Konsolidierungsmuster (umgekehrte S-K-S-Formation) bestätigt wird. Die statische Unterstützung dieser Formation ist das Zwischentief der linken Schulter vom 06.02.2026 bei 1.784,42 USD. Diese Marke fällt auch auf Tagesschlusskurs-Basis mit der Unterstützungszone vom 26.04.2026 zusammen. Im Ergebnis wird es bei Kursen unter 1.800 USD mustertechnisch brenzlig. Gleichzeitig sinkt aber mit dem Abwärtstrend des Konsolidierungskeils auch das Niveau, an dem ein dynamisches Kaufsignal generiert wird.
Relative Stärke von Platin gegenüber Palladium im laufenden Jahr
Ein vergleichender Blick auf die relative Entwicklung von Platin gegenüber Palladium in Chart 3 zeigt aber, dass sich Platin sowohl in der starken Aufwärtsbewegung ab Dezember 2025 als auch in der Korrekturbewegung seit Ende Januar 2026 deutlich besser geschlagen hat. Die relative Outperformance von Platin gegenüber Palladium beträgt für den Betrachtungszeitraum der letzten 6 Monate knapp 30 %!
Kriegt Palladium am Doppelboden die Kurve?
Chart 4 zeigt schließlich die Entwicklung des Palladiumpreises seit der Finanzkrise 2008 auf Monatscandlestick-Basis. Darin ist der langfristige Aufwärtstrend markiert, der im August 2024 nochmals bestätigt wurde (lila Kreise). Diese Aufwärtstrendlinie verläuft aktuell bei rund 880 USD und dient als bedeutende dynamische Unterstützung.
Mit seinem Monatsschlusskurs Mai hat Palladium ganz knapp über seiner Unterstützung von Mai und Juni 2019 geschlossen, welche bei 1.330 USD liegt. Es braucht damit aber eben auch nicht mehr viel, um ein neues kurzfristiges Verkaufssignal zu generieren.
Dieses Szenario bekommt bei einem Blick auf den Tagescandlestick-Chart in Abbildung 5 zusätzliche Nahrung.
Denn hier wird deutlich, dass die gesamte Aufwärtsbewegung seit Sommer 2025 auch eine große geschachtelte Schulter-Kopf-Schulter-Formation sein könnte. Hierbei wäre der aktuelle vermutete Doppelboden die rechte obere Schulter der Formation. Diese Interpretation hat inzwischen eine gewisse Wahrscheinlichkeit erhalten, da das Zwischenhoch seit dem 23.03.2026 am 08.04.2026 mit 1.604,48 USD erreicht wurde und damit tiefer liegt als das Zwischenhoch der linken gedachten Schulter. Dieses stammt vom 16.10.2025 und liegt bei 1.678,73 USD. Damit erhöht die aktuelle Chartstruktur das Abwärtsrisiko bei einem Unterschreiten der aktuell als Doppelboden interpretierten Formation, die im Falle eines Unterschreitens zur rechten Schulter würde.
Folge dieses Unterschreitens wäre ein neues Abwärtskursziel in der Nähe des Tiefs der spiegelbildlich tieferen linken Schulter, welche sich zwischen Mitte Juli und Anfang Oktober 2025 bildete. Dieses Tief stammt vom 27.08.2025 und liegt bei 1.072,08 USD. Sollte aus dem vermuteten Doppelboden also eine rechte Schulter werden, ergibt sich daraus ein neues Abwärtspotenzial für Palladium von knapp 20 %!
Im Ergebnis ist die charttechnische Lage bei Palladium kurzfristig etwas brenzliger geworden. Eine Entscheidung sollte nicht mehr zu lange auf sich warten lassen, denn je öfter man eine Unterstützung, im aktuellen Fall die des gedachten Doppelbodens, teste, um so schwächer wird diese, womit das Risiko eines Durchbruchs nach unten steigt.
Insgesamt laufen sowohl Platin wie auch Palladium auf eine charttechnische Situation zu, bei der über den mittelfristigen Trend entschieden wird. Hierbei ist zu allem Überfluss auch noch eine ,,Bärenfalle‘‘ möglich, wie wir sie bereits für Silber skizziert hatten. Ungeachtet dessen bleiben die mittelfristigen Antriebsfaktoren weiter aktiv, die sich auch schon kurzfristig in zunehmend unelastischen Angebots- und Nachfragefaktoren zeigen könnten. Aus dieser Perspektive könnte der Markt die potenziellen Auswirkungen der Angebotskonzentration bei beiden Edelmetallen unterschätzen. Sollte sich der Prognosenebel etwas lichten, sind hier große Überraschungen möglich. Dies gilt nicht nur für südafrikanische Löwen und russische Bären, sondern auch für chinesische Drachen!
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31.05.2026 - Arndt Kümpel

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