Marktbericht Platin und Palladium – weiter in der Warteschleife
Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 20.07. – 24.07.2026
In der abgelaufenen Handelswoche zeigten Platin und Palladium kaum größere Bewegung, was aber vor dem makroökonomischen und geopolitischen Hintergrund auch positiv interpretiert werden kann. Eine stärkere strukturbildende Dynamik lässt derzeit auf sich warten. Die Investoren benötigen weiter Geduld.
Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) steckten in der abgelaufenen Handelswoche weiter im Sommerloch. Und das, obwohl es geopolitisch und makroökonomisch für stärkere Kursbewegungen durchaus Gründe gegeben hätte. Die anhaltende Eskalation am Persischen Golf und in der Ukraine luden nicht dazu ein, zusätzliche Risiken an den Märkten einzugehen. Im Zuge dessen sprang der Ölpreis im Wochenvergleich 10,6 % nach oben, während auch die langlaufenden öffentlichen Renditen weiter stiegen.
Platin und Palladium kaum verändert
Da überraschte es etwas, dass Platin und Palladium per Saldo seitwärts liefen. Platin verlor gegenüber der Vorwoche minimal von 1.585,36 USD auf 1.582,57 USD, während Palladium von 1.232,63 USD auf 1.229,62 USD nachgab und damit im Wochenvergleich ebenfalls praktisch unverändert schloss.
Ein Blick auf den mittelfristigen Verlauf von Platin in Chart 1 zeigt, dass das weiße Edelmetall weiter in einem Abwärtstrend hängt. Dieser flacht inzwischen ab, seit Platin eine zweite starke Verkaufswelle erlebte, nachdem es seinen mittelfristigen Aufwärtstrend Anfang Juni unterschritten hatte.
Seither hat sich der Platinpreis gefangen und läuft oberhalb seiner statischen Unterstützung vom Oktober 2025 (blaue Horizontale bei 1.462,67 USD) seitwärts. Die Umsätze sind dabei auf Wochenbasis noch erhöht.
Chart 2 zeigt die Kursentwicklung auf 4-Stunden-Basis. Das lila Rechteck ist die Kursentwicklung der abgelaufenen Handelswoche. Es wird sichtbar, dass Platin weder nach oben noch nach unten seinen nächstliegenden Widerstand bzw. seine nächstliegende Unterstützung gebrochen hat. Aus impulstechnischer Sicht war diese Handelswoche also ein Non-Event.
Ob Platin nun aber auf dem aktuellen Kursniveau eine wirkliche Bodenbildung hinbekommt, bleibt aber weiterhin unklar. Denn weder zeigt die Chartstruktur eine signifikante Symmetrie noch zeigt der Kurs eine Dynamik, die zur Strukturbildung einer Auf- oder Abwärtsbewegung nötig wäre. Derzeit scheint es so, als warte Platin auf einen diesbezüglichen Impuls.
Einige Hinweise auf das diesbezügliche Potenzial liefert ein Blick auf Chart 3.
Im oberen Teil des Charts ist der Kurschart von Platin dargestellt, im unteren Teil der Stochastic RSI. Beide Teile sind durch die roten gestrichelten Vertikalen verbunden. Diese Vertikalen markieren die meisten jener Punkte im unteren Teil, bei denen die blaue Linie die orangene Linie von oben nach unten schneidet.
Dieser Schnittpunkt wird vor allem nahe oder im überverkauften Bereich interessant, da die dann zu erwartende Abkühlung besonders anfällig für preisliche Konsolidierungsprozesse ist.
Vergleicht man nun diese Schnittpunkte im Stochastic RSI mit der dann im Kurschart sichtbaren Entwicklung des Platinpreises, so wird deutlich, dass dieser Zeitpunkt in den letzten Monaten ein relativ gutes Signal für einen neuen Abwärtsimpuls gewesen ist.
Aktuell befinden sich beide Linien nicht mehr im überkauften Bereich. Jedoch hat in dieser Woche die blaue die orangene Linie wieder von oben nach unten durchschnitten. Dies weist darauf hin, dass zwar derzeit technisch kein besonders großes Abwärtspotenzial besteht. Jedoch zeigt die Entwicklung des Indikators im März 2026 und ab Ende Mai 2026, dass auch im neutralen und überverkauften Bereich Abwärtsdruck vorhanden sein kann!
Insgesamt ist die charttechnische Situation von Platin damit wenig dynamisch und bleibt fragil, aber das deutliche Nachlassen des Abwärtsdrucks hat Zeit gekauft, um sich auf dem aktuellen Kursniveau zu stabilisieren.
Palladium ebenfalls in der Warteschleife
Nicht viel anders sieht es bei Palladium aus. Chart 4 zeigt die Kursentwicklung auf Wochencandle-Basis.
Auch hier wurde nach dem zweiten großen Abwärtsschub ab Anfang März 2026 die mittelfristige Aufwärtstrend-Linie unterschritten und damit ein Verkaufssignal generiert.
Nach der Zwischenerholung von Ende März bis Mitte Mai 2026 fiel Palladium dann auf das aktuelle Niveau und versucht seither, einen Boden zu bilden. Anders als bei Platin sind die Umsätze bei Palladium jedoch deutlich zurückgegangen, was bei fallenden Kursen eine immer schwächere Bestätigung darstellt und positiv zu werden ist. Denn damit muss auch die Umsatzänderung nicht mehr so hoch ausfallen, um bei einem Aufwärtsimpuls die Bewegungsrichtung zu bestätigen.
Der Tiefpunkt der Abwärtsbewegung wurde am 24.06.2026 bei 1.134,60 USD markiert (blaue Horizontale). Die letzte statische Unterstützung in der aktuellen Kursspanne, die sich am 25.08.2025 bildete und die bei 1.072,09 USD (orangene Horizontale) liegt, wäre dabei die letzte charttechnische Ausfahrt, bevor der Kurs bei einem neuen Abwärtsimpuls unter 1.000 USD fiele.
Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, muss aktuell offenbleiben. Sollte aber die Unterstützung bei 1.134,60 USD unterschritten werden, darf sich niemand wirklich wundern, wenn die Unterstützung bei 1.072,09 USD auch nicht hält!
Wie schon bei Platin (und Gold und Silber) lohnt sich auch bei Palladium ein Blick auf den Informationswert des Stochastic RSI in Chart 5.
Und auch wenn die Impulsrichtung von vergleichbarer Qualität ist, so ist ihr Ausmaß unklarer. Dies könnte man so deuten, als dass Palladium zuletzt ein gewisses Eigenleben entwickelt hat. Dies passt auch zu dem im Wochenbericht Silber dargestellten Vergleich der 4 Edelmetalle, wobei dort die relative Stärke von Palladium jener von Gold ähnelt.
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass auch Palladium weiter um eine Stabilisierung auf aktuellem Niveau kämpft. Dynamische und Musterindikatoren mahnen jedoch zur Vorsicht. Denn niedrige Symmetrie und eine relativ niedrige Sensitivität für dynamische Indikatoren im Preischart sind in der Regel nicht der Stoff, aus dem eine perfekte Trendumkehr gemacht wird.
Was kommt nächste Woche?
Wir hatten schon in der vergangenen Woche auf die derzeit geringe Widerstandskraft von Platin und Palladium hingewiesen, und dies hat sich in der abgelaufenen Handelswoche nicht wesentlich geändert.
Das Sentiment schwächelt, die Pufferzonen sind nicht groß, und die Qualität der betrachteten technischen Indikatoren entspricht derzeit nicht jener, die man bei einer nachhaltigen Trendumkehr erwartet würde.
Gleichwohl zeigt die Tatsache, dass beide Edelmetalle in den vergangenen Wochen keine neuen Jahrestiefs mehr markiert haben, dass der Verkaufsdruck deutlich nachgelassen hat.
Es fehlen derzeit schlicht die Kaufgründe. Aber die könnten schneller kommen, als man vielleicht erwarten würde. Denn die physischen Märkte für beide Edelmetalle sind klein, und wenn China der marginale strategische Käufer sein sollte, wird man über die Nachfrage aus dem Automobilsektor deutlich weniger spekulieren müssen als bisher. Dies gilt bei Platin auch für die Schmuck- und Investmentnachfrage. Das Thema ,,Real Assets‘‘ bleibt deshalb unabhängig von der derzeitigen Charttechnik ein großes Thema. Bis dahin bleibt wohl nicht viel anderes als Geduld.
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26.07.2026 - Arndt Kümpel

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