Marktbericht Platin und Palladium - technisch deutlich verschlechterte Lage - Die Hoffnung lebt!
Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 01.06. – 05.06.2026
Platin und Palladium wurden in der abgelaufenen Handelswoche abgewatscht. Die scheinbare Ruhe der Vorwoche erwies sich als Vorspann zu einem kleinen Ausverkauf, insbesondere bei Palladium. Und dies trotz Angebotsdefizit und Substitutionsdruck. Die charttechnische Lage beider Edelmetalle hat sich in dieser Handelswoche deutlich eingetrübt. Eine Bodenbildung auf aktuellem Niveau ist damit deutlich schwieriger geworden als noch in der Vorwoche. Die geopolitische Lage wie auch der Makrotrend hin zu ,,hard assets‘‘ könnten gleichwohl den Treibstoff einer plötzlichen Schubumkehr bilden.
Die Marktturbulenzen der abgelaufenen Handelswoche hinterließen auch bei Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) ihre Spuren.
Nach der relativen Ereignislosigkeit der Vorwoche konnten sich deshalb auch die beiden kleinen Geschwister von Gold und Silber in dieser Woche nicht über neue Impulse beklagen. Diese waren in beiden Fällen abwärtsgerichtet, was aus charttechnischer Sicht dazu motiviert herauszufinden, wieviel charttechnisches Porzellan zerschlagen wurde.
Im Wochenvergleich gab Platin von 1.906,38 USD auf 1.763,78 USD und damit um 7,5 % nach. Noch stärker fiel Palladium, nämlich von 1.337,65 USD auf 1.212,83 USD, was einem Wochenverlust von 9,3 % entspricht.
Platin rutscht unter den mittelfristigen Aufwärtstrend
Wie Chart 1 verdeutlicht, setzte Platin im Wochenverlauf zunächst noch einmal von oben auf seine mittelfristige, seit April 2025 laufende Aufwärtstrend-Linie auf. Am Freitag dann reichte ihre technische Unterstützung nicht mehr. Nach den US-Arbeitsmarktzahlen und einem plötzlich deutlich stärkeren US-Dollar rutschte der Platinpreis unter die Unterstützung und löste mit spürbar steigenden Umsätzen ein Abwärtsmomentum aus, was bis Handelsschluss anhielt, wodurch der Kurs in der Nähe des Tagestiefs schloss. Dieses Indiz deutet darauf hin, dass das Momentum aktuell nicht abgearbeitet ist und deshalb auch in der kommenden Handelswoche die Kurse weiter sinken könnten.
Technisch signifikante Unterstützungen gibt es auf dem aktuellen Kursniveau nun nur wenige. Dazu gehört das bisherige Korrekturtief, welches bei am 23.03.2026 markiert wurde und das bei 1.695,71 USD liegt. Die nächste nennenswerte statische Unterstützung ist weich und liegt im Bereich kurz oberhalb von 1.500 USD. Ob diese einen anhaltenden Verkaufsdruck wirksam aufhalten kann ist unwahrscheinlich.
Platin benötigt also eine signifikante Richtungsänderung in seinem Anlegersentiment, um auch ohne nennenswerte technische Unterstützung eine Trendumkehr zu initiieren.
Dieses Szenario korreliert mit der technischen Ausgangslage bei Gold und Silber. Auslöser könnte ein Ereignis sein, welches an den ,,Slingshot Move‘‘ von Silber im März 2020 erinnert. Auch damals wurden starke Unterstützungen unterschritten, welche sich dann aber nach wenigen Tagen als Bärenfalle herausstellten. Der Absturz konnte dann im Nachhinein als ,,Schwungholen für den Ausbruch nach oben‘‘ interpretiert werden. Dies könnte etwa als Aufflackern der Diskussion über ,,hard assets‘‘ geschehen, sollte der Ölpreis schnell über 110 USD steigen.
Angebotsdefizit am Platinmarkt dürfte größer werden
Der reale Platinmarkt sendet derweil weiter gemischte Signale. Nach Angaben des World Platinum Investment Council (WPIC) verzeichnete der Platinmarkt im ersten Quartal 2026 einen seltenen Überschuss. Der Überschuss von 268.000 Unzen war der erste seit sechs Quartalen. Auf der Angebotsseite stieg das Primärangebot im Vergleich zum ersten Quartal 2025, da sich wichtige südafrikanische Bergbaubetriebe von Betriebsstörungen erholten. Das Angebot aus dem Bergbau stieg in der Folge um 22 %, während höhere Preise zu zusätzlichem Recycling führten, wodurch das Sekundärangebot um 7 % anstieg.
Das WPIC zeigt sich davon allerdings unbeeindruckt und erwartet weiterhin einen strukturellen Versorgungsengpass sowie eine sich daraus ergebende steigende Angebotslücke. Diese soll von bislang 240.000 Unzen auf 297.000 Unzen steigen, womit der Platinmarkt das vierte Jahr in Folge ein Defizit aufweisen würde. Die Lagerbestände stützen diese Prognose, denn die oberirdischen Lagerbestände könnten bis zum Jahresende um 15 % auf nur noch 1,7 Millionen Unzen sinken. Diese Menge deckt weniger als drei Monate des weltweiten Bedarfs ab.
Und auch die Investmentnachfrage dürfte den Platinpreis weiter stützen. Diese wird von dem Bedarf getrieben, in die zuvor erwähnten ,,hard assets‘‘ zu diversifizieren. Dieser Diversifizierungsdruck hängt nun aber weniger vom Angebot ab als von den Risiken bereits bestehender und deshalb zu diversifizierender Anlagen. Die Anleiherisiken wie auch Währungsrisiken stehen hier ganz oben auf der Liste möglicher Diversifizierungskandidaten.
Palladium wird durchgereicht
In der vergangenen Wochenanalyse hatten wir bereits auf die risikoreiche Charttechnik bei Palladium hingewiesen. Diese Risiken haben sich in der abgelaufenen Handelswoche zur Gewissheit verdichtet. Dabei wurde, wie Chart 2 zeigt, die Nackenlinie der vermuteten Schulter-Kopf-Schulter-Formation gebrochen, diese Umkehrformation bestätigt und ein mittelfristiges Verkaufssignal generiert.
Nun könnte ein schneller Rückgang bis in den Bereich des Zwischentiefs von Ende August 2025 erfolgen, welches bei 1.072,08 USD liegt.
Allerdings ist wie auch bei Platin diese statische Unterstützung nicht sehr stark, was dazu führen könnte, dass Palladium wie auch schon im August 2024 seine langfristige Aufwärtstrend-Linie testet. Diese liegt, wie Chart 3 verdeutlicht, aktuell bei rund 884 USD und steigt langsam an.
Das gelbe Rechteck in Chart 3 markiert damit den Chartraum, in dem sich das charttechnische Trend für Palladium entscheiden wird, denn ein Unterschreiten dieser Aufwärtstrend-Linie wäre eine richtig schlechte Nachricht für Palladium. Allein deshalb sollte nun genau beobachtet werden, wie sich das Edelmetall in der Nähe der Unterstützungszone oberhalb von 1.070 USD verhält.
Wie auch bei Gold, Silber und Platin ist auch beim Schwestermetall Palladium eine Bärenfalle möglich, wenn auch weniger wahrscheinlich. Die weiteren potenziellen Kursrückgänge könnten durch die weiter angespannte Versorgungslage begrenzt werden, denn sowohl die Versorgungsengpässe in Südafrika als auch die Unsicherheit bezüglich der russischen Exporte kann in diesem praktischen Angebotsmonopol kurzfristig starken Einfluss auf das Investorensentiment ausüben.
Im Ergebnis zeigt sich, dass sowohl bei Platin als auch bei Palladium aus charttechnischer Perspektive ein weiterer Rückgang wahrscheinlich ist. Anders als bei Gold und Silber fehlt insbesondere Palladium die Nachfragefantasie als monetäres Metall. Der Begründungs-Joker wäre aber auch hier wie auch bei anderen Rohstoffen die ,,hard asset‘‘-Karte. Denn die explodierenden Militärausgaben weltweit bringen in ihrem Schlepptau die Frage nach der Werthaltigkeit dieser Schulden mit sich. Denn wie werthaltig sind die Schulden des Verlierers dieses Konfliktes?
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07.06.2026 - Arndt Kümpel

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