Marktbericht Platin und Palladium – US-Dollar drückt auf das Sentiment, trotzdem neues Momentum im Anmarsch
Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 15.06. – 19.06.2026
Platin und Palladium litten wie auch Gold und Silber in der abgelaufenen Handelswoche unter dem erstarkenden US-Dollar, der den Markt, wie es schien, ab Mittwoch auf dem falschen Fuß erwischte. In diesem Umfeld taten sich auch Platin und Palladium schwer, Schwung für höhere Kurse zu entwickeln. Gleichwohl verbesserte sich die technische Ausgangslage bei beiden kleinen Geschwistern des Goldes.
In der abgelaufenen Handelswoche ging Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) zur Wochenmitte die Puste aus, nachdem die US-Notenbank auf ihrer Sitzung am Mittwoch eine wachsende Unterstützung für Zinserhöhungen in diesem Jahr signalisierte. Daraufhin sprang der US-Dollar nach oben und drückte praktisch den gesamten Rohstoffkomplex nach unten.
Platin und Palladium bleiben unter Druck
Platin und Palladium konnten sich dem nicht entziehen. Im Wochenvergleich gab Platin gegenüber der Vorwoche von 1.708,84 USD auf 1.658,74 und damit um 2,9 % nach. Parallel dazu fiel Palladium von 1.269,32 USD auf 1.240,12 USD bzw. 2,3 %.
Während die Zentralbank ihren Leitzins zwar unverändert ließ, erwartet der Markt nun bis Ende 2026 keine Zinssenkung, sondern eine Zinserhöhung. Der neue FED-Präsident Kevin Warsh betonte, dass die Inflation über dem Ziel der Zentralbank geblieben sei, und bekräftigte das Engagement der Fed zur Wiederherstellung der Preisstabilität.
Der Platinmarkt bleibt strukturell weiter angespannt, da die Produktion der großen Produzenten Südafrika und Russland durch alternde Minen, hohe Kosten und sanktionsbedingte Störungen weiterhin eingeschränkt ist.
Ein Blick auf Chart 1, den Tagescandle-Kursverlauf von Platin, zeigt, dass die Gegenbewegung nach oben bis Mittwoch in der zweiten Wochenhälfte praktisch wieder verpuffte.
Die beiden rot gestrichelten Horizontalen markieren hier die nächstliegende Widerstands- und Unterstützungszone, an denen die beiden letzten Impulse jeweils abprallten.
Die blau markierte mittelfristige Aufwärtstrend-Linie entfernt sich derzeit weiter vom aktuellen Kurs und zeigt nur, dass es nach einer wie auch immer gearteten Bodenbildung einigen Treibstoffes bedarf, um die aktuelle Korrektur überzeugend abzuschließen.
Denn derzeit ist kein klassisches Bodenmuster erkennbar, das einen Abschluss in naher Zukunft erwarten ließe. Sollte es sich bei dem Kursverlauf der letzten zwei Wochen allerdings um einen kleinen Doppelboden handeln, kann man in der kommenden Woche mit einem Aufwärtsimpuls rechnen.
Für eine seit Ende Januar und damit fast seit fünf Monaten andauernde Korrektur wäre dies aber eher ein charttechnischer Abschluss a la Buchstaben-Beutelsuppe! Denn diese Bodenbildung findet in einer technisch instabilen Grauzone statt, und was für einen Umschwung im Sentiment notwendig wäre, fehlt auch noch: ein schöner Sell-off oder eine scharfe Kehrtwendung nach oben.
Sucht man nun nach charttechnischen Hinweisen auf eines dieser beiden Szenarien, so könnte ein weiterer Sell-off etwa durch einen schnellen weiteren Anstieg des US-Dollars ausgelöst werden. Dem vorausgegangen sein könnte eine erneute Eskalation im Persischen Golf.
Eine scharfe Richtungsänderung nach oben wäre möglich, wenn neue sanktionsbedingte Störungen oder anderweitige Lieferprobleme bei den beiden Hauptförderländern Russland und Südafrika auftreten würden. In diesem Falle dürfte es sich bei der Abwärtsbewegung der letzten beiden Wochen eher um eine Bärenfalle handeln.
Auch deshalb lohnt sich ein Blick auf das Momentum bei Platin in Chart 2
Im unteren Teil der Grafik zeigt das Momentum in den letzten Handelstagen eine deutliche Stabilisierung. Zwar ist das Momentum noch im negativen Bereich. Gleichwohl hat es absolut seine Position verbessert und steht fast an der Nulllinie, während die Kursentwicklung im gleichen Zeitraum noch negativ war.
Ebenfalls sichtbar ist, dass die fallenden Kurse seit Mittwoch auch von fallenden Umsätzen begleitet wurden. Hier ist der Trend wichtiger als die absolute Höhe, die eher durchschnittlich war.
In Kombination kann man vermuten, dass Platin gerade dabei ist, sich für einen neuen Aufwärtsimpuls bereit zu machen. Dieser fehlt zwar noch, aber technisch ist Platin heute erkennbar besser vorbereitet als noch vor einer Woche. Momentum-Strukturen senden typischerweise eher Signale als es eine reine Kursänderung suggerierten würde!
Mit dieser Vermutung im Blick lohnt nun ein vergleichender Blick auf die Entwicklung bei Palladium.
Palladium ist schon einen Schritt weiter
Chart 3 zeigt nun die Entwicklung bei Palladium auf Tagescandle-Basis.
Wie auch bei Platin fiel Palladium per saldo zurück. Und auch hier ist statisch kaum erkennbar, wo ein stabiler Kursboden liegen könnte, denn ein klassisches Konsolidierungsmuster dieses potenziellen Bodens ist bislang kaum erkennbar.
Umso positiver wirkt deshalb auch hier ein Blick auf die Entwicklung des Momentums. Dieses hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verbessert und steht, anders als bei Platin, bereits im positiven Bereich!
Hinzu kommt, dass die Umsätze im Zuge des Kursrückganges ab Mittwoch nochmals deutlich geringer sind als bei Platin und auch relativ niedrig zu den durchschnittlichen Umsätzen bei Palladium.
Dies lässt vermuten, dass aktuell auf Palladium selbst angesichts der eher ungemütlichen Kurschart-Entwicklung nur geringer Verkaufsdruck lastet. Zwar sollten die Umsätze ebenfalls nicht überbewertet werden. Jedoch ergänzen sie die Botschaft des Momentums. Die Fehleranfälligkeit bleibt zwar erhöht, aber die positiven Signale zu ignorieren würde die Prognosekraft eben auch nicht erhöhen!
Erwähnenswert ist dabei, dass Palladium vorher in einen weicheren Kursbereich gerutscht war als Platin, nun aber auch größere Fortschritte dabei macht, sich daraus wieder zu befreien.
Ein Vergleich der relativen Kursentwicklung beider Schwestermetalle in Chart 4 über die letzte Handelswoche bestätigt diese Bewertung.
Im Wochenverlauf stieg Palladium bei Aufwärtsimpulsen insgesamt stärker, während es sich bei Abwärtsimpulsen früher stabilisierte.
Als Ergebnis der Handelswoche lässt sich festhalten, dass die charttechnische Situation sowohl bei Platin wie auch bei Palladium noch fragil ist und beide noch einige heilende Impulse benötigen, um zu einer konsistenten Indikatorenlage zu gelangen.
Erste Ansätze sind gleichwohl erkennbar. Es besteht kein großer Verkaufsdruck, insbesondere bei Palladium. Das Momentum hat sich bei beiden Metallen verbessert, wobei jenes von Palladium bereits im positiven Bereich steht.
Durch das Abrutschen unter wichtige Muster-Stützen und dynamische Unterstützungen haben beide Edelmetalle aber noch einiges zu tun, um ein überzeugendes Kaufsignal zu generieren. Das kurzfristige Kursmuster der letzten zwei Wochen lässt bei beiden Metallen Raum für Überraschungen. Zwar kann man nur darüber spekulieren, wie stark beide bei einem Risk-off-Impuls reagieren würden. Im Lichte der seit fast fünf Monaten andauernden Konsolidierung liegt es jedoch nahe anzunehmen, dass der Distributionsprozess bereits weit fortgeschritten ist. Wer verkaufen wollte, hat dies im Zuge der scharfen Korrektur wohl bereits getan. Man darf also auf die kommenden Handelstage gespannt sein.
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21.06.2026 - Arndt Kümpel

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