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Marktbericht Platin und Palladium – Lage bei Platin lichtet sich, Palladium noch ohne Schwung

Die Handelswoche in Platin & Palladium vom 27.07. – 31.07.2026

NTG24 - Marktbericht Platin und Palladium – Lage bei Platin lichtet sich, Palladium noch ohne Schwung

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Auch Platin und Palladium kämpften in der abgelaufenen Handelswoche mit einem sich eintrübenden globalen Anlegersentiment. Die bislang gezeigte geringe Sensitivität gegenüber zunehmenden makroökonomischen Spannungen blieb auch in dieser Woche dominant. Per saldo legten beide Edelmetalle wieder zu, die Entscheidung über den mittelfristigen Trend wurde aber erneut verschoben.

Platin (TVC:PLATINUM) und Palladium (TVC:PALLADIUM) entwickelten sich in der abgelaufenen Handelswoche per saldo freundlich. Das geopolitische und makroökonomische Umfeld hätte dies nicht unbedingt erwarten lassen. Diese relative Widerstandskraft mag auch am Ausmaß der nun schon über ein halbes Jahr laufenden scharfen Korrektur liegen.

Das Umfeld für Platin und Palladium blieb auch in dieser Woche anspruchsvoll. Jedoch waren nicht alle Ereignisse negativ. So begünstigt die Angebotsseite weiterhin die langfristigen Aussichten von Platin. Dazu passt, dass die südafrikanische Bergbauproduktion im Mai gegenüber dem Vorjahr um 5,4 % gesunken ist. Dies war der erste Rückgang seit sechs Monaten. Die Produktion von Metallen der Platingruppe ging parallel um 4,4 % zurück. Da Südafrika der größte Platinproduzent ist, kann eine geringere Produktion unter sonst gleichen Bedingungen die weltweite Marktangebots-Nachfrage-Lücke vergrößern. Mit Blick auf die zukünftige Nachfrage berichtete der südafrikanische Branchenriese Valterra Platinum, dass KI-Rechenzentren und Elektronik wahrscheinlich die neuen Treiber der Platin-Nachfrage sein werden. Zwar kann dies kurzfristig nicht als Ersatz für die Automobilnachfrage dienen. Es ist aber ein wichtiger Hinweis darauf, welche mittel- und langfristigen Faktoren für die Marktentwicklung für Platin-Investoren relevant sein werden.

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Dagegen wies die Schweizer UBS in ihrer Einschätzung zu Palladium darauf hin, dass das Angebotswachstum und die schwächere Nachfrage auf dem Endverbrauchermarkt wenig Spielraum für eine nachhaltige Erholung der Preise lassen. Palladium ist in Katalysatoren für benzinbetriebene Fahrzeuge weit verbreitet, wodurch die Nachfrage eng mit den Trends in der globalen Fahrzeugproduktion und den Umweltemissionsstandards verbunden ist. Für das laufende Jahr prognostiziert die Bank ein globales Überangebot von rund 200.000 Unzen. Während die Minenproduktion voraussichtlich niedriger sein wird als 2025, wird erwartet, dass der Anstieg des recycelten Metalls, das in den Markt kommt, zusammen mit einer schwächeren Investitionsnachfrage und einem schwächeren Verbrauch aus dem Autokatalysatorsektor die reduzierte Bergbauproduktion mehr als kompensieren wird.

Wie diese Entwicklungen und andere Trends bei der Beurteilung der aktuellen Kursentwicklung zu berücksichtigen sind, dürfte auch von den derzeit kaum im Kurs eingepreisten Szenarien abhängen, welche das Sentiment der Investoren prägen könnten. Darauf wies in dieser Woche Citi Global Research hin und warnt vor Ereignissen mit niedriger Wahrscheinlichkeit bei gleichzeitig hohen Auswirkungen. Dabei gab das Analysehaus Risikowarnungen für Rohstoffe in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 heraus. Es argumentiert mit dem Kernargument, dass der traditionelle analytische Rahmen für Angebotsbedingungen veraltet ist und geopolitische, klimabezogene und technologische Schocks - die einst als "einmal in einem Jahrzehnt" betrachtet wurden – für das Risikomanagement relevanter würden.

Zu den genannten Faktoren dieser Disruptionen gehört auch die strategische Sicherung von ,,kritischen Mineralien‘‘, welche in den vergangenen Monaten vor allem in den USA und China unter der Überschrift Ressourcennationalismus viel neue Dynamik erfahren hat. Die Relevanz für Platin ist nun, dass es in der EU und den USA als kritisches Mineral eingestuft wird. Gleiches gilt für Palladium in den USA. Allein die Tatsache, dass Russland rund 40 % des weltweiten Palladium-Angebots fördert, zeigt, woher eine Disruption im Sinne von Citi Global Research kommen könnte, von China ganz zu schweigen.

Diese längerfristigen Trends müssen aber nicht auch schon kurzfristig in den Kurs eingepreist werden, weshalb ein Blick auf die charttechnische Situation beider Edelmetalle interessant erscheint.

 

Bei Platin zeigt sich zaghaftes Kaufinteresse

 

In der abgelaufenen Handelswoche legte jedoch Platin gegenüber der Vorwoche von 1.582,57 USD auf 1.639,94 USD und damit um 3,6 % zu, während Palladium von 1.229,62 USD auf 1.264,91 USD bzw. um 2,9 % an Wert gewann.

Blickt man auf den Tages-Chart von Platin und Palladium, so überwiegt in den letzten Wochen der Eindruck einer anhaltenden lethargischen Seitwärtsbewegung ohne große Symmetrie und Impulse.

Chart 1 zeigt den Preischart von Platin im oberen Teil und den Stochastic RSI – Indikator im unteren Teil.

 

Platin / US-Dollar mit Stochastic RSI

 

Dabei ist mit der roten Horizontalen die letzte statische Unterstützung markiert, die Platin auf dem aktuellen Niveau finden kann. Von oben nähert sich der seit Ende Januar 2026 laufende mittelfristige Abwärtstrend, an den Platin schon in der kommenden Woche anstoßen könnte, wenn es Anschlusskäufe für die Entwicklung in dieser Woche geben sollte.

Die Umsatzentwicklung in dieser Woche ist vor allem deshalb zu erwähnen, weil die Umsätze bei steigenden Kursen deutlich höher waren als bei fallenden. Dies zeigt Chart 2 noch deutlicher.

Im unteren Teil von Chart 1 befindet sich der Stochastic RSI. Er hat in dieser Woche nach oben gedreht, wobei am Dienstag die schnelle blaue die langsame orangene Linie von unten nach oben geschnitten hat und damit ein Momentum-Signal gegeben hat. Allerdings steht der blaue Durchschnitt nun schon wieder an der Schwelle zum überkauften Bereich. Ein Blick zurück in die letzten 12 Monate zeigt jedoch, dass Platin weiter steigen kann, auch wenn sich dieser Indikator im überkauften Bereich befindet!

Damit ist die technische Situation von Platin auf Tagescandle-Basis als interessante Startposition zu bewerten. Der aktuelle Kurs hat einigen Kurspuffer bis zur letzten statischen Unterstützung, könnte aber gleichzeitig bei Überwinden der mittelfristigen Abwärtstrend-Linie ein dynamisches Kaufsignal generieren.

Gleichzeitig ziehen die Umsätze gerade bei steigenden Kursen an. Hier lohnt deshalb auch ein Blick auf eine kleinere Zeitskala wie in Chart 2 (4 Stunden).

 

Platin / US-Dollar Vier-Stunden-Chart

 

Der Chart zeigt dabei eine kurzfristige leichte Aufwärtstrend-Linie sowie die rote mittelfristige Abwärtstrend-Linie. Neben der gezackten Seitwärtsbewegung über den gesamten Monat Juli fällt dabei auf, dass sich in dieser Woche die Preise nach oben versteift haben, wobei die Umsätze bei steigenden Kursen deutlich höher waren als bei fallenden. Zuletzt trat eine solche Umsatzhäufung, welche mit einem lila Rechteck markiert ist, Anfang Juli auf, als Platin sein bisheriges Jahrestief bei 1.519,71 USD markierte.

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Werbebanner EMH PM TradeWas weiterhin aus technischer Perspektive stört ist, dass es keine wirkliche Symmetriemuster gibt. Zwar gibt es auch Konsolidierungsböden ohne Symmetrie, nur sind diese deutlich seltener. Aber angesichts der bereits erwähnten immer wahrscheinlicher werdenden ,,seltenen Ereignisse mit hohen Auswirkungen‘‘ sollte es nicht überraschen, wenn Platin im aktuellen Fall auch ohne erkennbare Symmetrie entweder nach oben ausbricht oder nach unten einbricht. Aktuell ist jedoch ein Ausbruch nach oben deutlich wahrscheinlicher als ein Einbruch nach unten.

 

Palladium (noch) ohne Schwung

 

Palladium hat im Vergleich zu Platin weniger Drive. Auch dieser Preischart lässt keine signifikante Symmetrie erkennen, welche eine kognitiv konsolidierte Anlegerspyche widerspiegeln könnten. Interessanter ist in diesem Falle ein Blick auf die längerfristige Entwicklung, welche in Chart 3 abgebildet ist, und welche den Palladiumpreis auf Monatscandle-Basis zeigt.

 

Palladium / US-Dollar Monatscandle

 

Er zeigt die Preisentwicklung seit der Finanzkrise 2008, dessen Tief im Oktober 2008 Ausgangspunkt seines inzwischen bald 18 Jahre laufenden Aufwärtstrends ist.

Der Ausgangspunkt und die Berührungspunkte, die auf diese Trendlinie reagiert haben, sind dabei mit einem roten Kreis markiert. Sie bestätigen die charttechnische Relevanz dieser Trendlinie, welche als bedeutende dynamische Unterstützung fungiert. Sie befindet sich gerade im Bereich um 890 USD.

Chart 4 zeigt nun die Entwicklung des Palladiumpreises im Wochencandle-Chart. In der Mitte ist das Zyklustief mit einem roten Kreis markiert, in dem der Preis auf die zuvor erwähnte Aufwärtstrend-Linie aufsetzt und dann nach einer längeren Seitwärtsbewegung nach oben dreht.

 

Palladium / US-Dollar Wochencandle mit Fibonacci-Retracements

 

Dieses Zyklustief ist nun Ausgangspunkt für die Fibonacci-Retracements, dessen Hoch ebenfalls mit einem roten Kreis markiert ist.

Dabei wird deutlich, wie stark Palladium bereits seit dem Jahreshoch am 26.01.2026 bei 2.169,73 USD korrigiert hat. Denn im Jahrestief hat es das 23,6 % - Retracement touchiert, es aber nicht unterschritten. Dies bietet Grund für die Vermutung, dass der Korrekturboden bei Palladium mit dem Jahrestief markiert wurde.

Daneben folgen im Wochenvergleich auch die Umsätze der Preisentwicklung. Diese ließen zum Schluss deutlich nach und lassen vermuten, dass auf dem aktuellen Kursniveau derzeit kein größerer Verkaufsdruck besteht. Natürlich bleibt die zuvor erwähnte Analyse der UBS relevant. Ein nochmaliger Rückgang oberhalb des letzten großen Fibonacci-Retracements wäre dabei immer noch mit einer dann wohl Doppelboden-Bildung kompatibel.

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Was kommt nächste Woche?

 

Die in den Vorwochen konstatierte strukturelle Schwäche bei beiden Edelmetallen ist auch in dieser Woche weiter zu spüren. Gleichwohl hat sich die charttechnische Lage bei Platin wieder aufgehellt.

Die fehlende Symmetrie generiert weiter erhöhten Prognosenebel. Gründe für eine Stabilisierung und auch einen mittelfristigen Trendwechsel gilt es aber genug. Diese sind sowohl in der weiter angespannten Situation von Angebot und Nachfrage, aber auch in dem wachsenden Wettbewerb um kritische Rohstoffe zu finden, zu denen beide zählen.

In der kommenden Woche könnte dabei Platin durchaus positiv überraschen. Für einen wirklichen Trendwechsel sind aber bei beiden Edelmetallen deutlich anziehende Umsätze nötig. Andernfalls stünde ein Kaufsignal auf schwachen charttechnischen Beinen!

 

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02.08.2026 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 

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