Marktbericht Silber – Silber bricht ein, und bald wieder aus? Mehrdeutige Markttechnik at work!
Die Handelswoche in Silber vom 01.06. – 05.06.2026
Nach dem windstillen letzten Handelswoche zeigte sich in dieser Woche, dass dies nur ein mentales Schwungholen der Märkte war. Die Lage am Golf eskalierte ebenso wie in der Ukraine. Auslöser der starken Marktbewegung war jedoch der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Als Reaktion darauf gewann der US-Dollar deutlich und drückte Edelmetalle, Rohstoffe, Aktienmärkte und Anleihekurse. Auch Silber ließ kräftig Federn. Dabei wurde unter anderem die mittelfristige Aufwärtstrendlinie gebrochen. Ein zweiter Blick zeigt jedoch, dass es sich hier um eine klassische Bärenfalle handeln könnte.
Was für ein wilder Wochenausklang! Auch Silber (TVC:SILVER) bekam sein Fett weg und verlor allein am Freitag 8,31 %! Im Wochenverlauf fiel das weiße Edelmetall von 75,29 USD auf 67,75 USD, was einem Wochenverlust von 10 % entspricht.
Auslöser des Ausverkaufs am Freitag war der überraschend starke US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Er zeigte, dass in den USA außerhalb der Landwirtschaft im Mai 172.000 neue Stellen geschaffen wurden. Damit übertraf der Bericht die Markterwartungen um das Doppelte, denn diese lagen nur bei 85.000 neugeschaffenen Stellen. Für den Vormonat wurden die neugeschaffenen Stellen zudem noch auf 179.000 nach oben revidiert. Damit ist der Mai der dritte Monat in Folge mit einem soliden Beschäftigungszuwachs von über 100.000 und passt in das Gesamtbild sich verbessernder US-Arbeitsmarktdaten bis 2026. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 4,3 %.
Diese positive Überraschung sandte einen Repricing-Impuls an die Märkte. Der US-Dollar legte innerhalb kurzer Zeit von 1,164 USD je Euro auf 1,1521 USD je Euro und damit um mehr als 1 % zu. Und auch die US-Renditen sprangen nach oben, denn die Märkte erwarten nun mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als zuvor noch in diesem Jahr Zinserhöhungen durch die US-Notenbank. In der Folge gaben die meisten in US-Dollar gehandelten Rohstoffe nach. Wie schnell es mit der bis dahin gesehenen relativen Ruhe auch bei den Edelmetallen vorbei war, zeigt Chart 1.
Im Wochenvergleich hat sich Gold erneut am besten geschlagen, während der Wochenverlust bei Palladium praktisch ebenso groß war wie jener von Silber. Etwas weniger aber immer noch deutlich weniger als Palladium und Silber verlor zudem Platin.
Silber mit Abwärts-Momentum
Ein Blick auf den Chandlestick-Tageschart von Silber zeigt nun die aktuelle Entwicklung bei Silber. Der seit Herbst letzten Jahres laufende mittelfristige Aufwärtstrend wurde am Freitag mit deutlich höheren Umsätzen gebrochen, was jenen Beobachtern Rückenwind verleiht, die mindestens einen Test des langfristigen Ausbruchsniveaus bei rund 50 USD erwarten.
Jedoch sei darauf hingewiesen, dass auch unsere Mustervermutung einer umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation als Konsolidierungsformation erfordert, dass der Silberpreis die genannte Aufwärtstrend-Linie nochmals unterschreitet. Wie sonst kann Silber signifikant seine rechte Schulter ausbilden?
Was bei dieser Interpretation stört ist, dass der Wochencandle für die abgelaufene Handelswoche nun eine lange dunkle Kerze und keinen langen unteren Docht anzeigt, der wie schon bei der linken Schulter Anfang Februar 2026 und auch bei der Bildung des umgekehrten Kopfes Ende März 2026 hinreichenden Aufwärtsdruck signalisierte. Diese Indikatorenlage ist ambivalent und rät zur Vorsicht.
Gleichwohl wird bei der heutigen Interpretation die Tatsache höher bewertet, dass Silber seine Korrekturkurse aktuell noch nicht erreicht hat. Diese liegen für die linke Schulter bei 64,06 USD (06.02.2026) und für den umgekehrten Kopf bei 61 USD (23.03.2026).
Was könnte in der nächsten Woche passieren?
Da das Abwärts-Momentum, wie die deutlich gestiegenen Umsätze zeigen, einigen Schwung entwickelt hat, sollte zu Beginn der nächsten Handelswoche eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung nicht überraschen. Dabei könnten die genannten Tiefstmarken getestet werden, insbesondere dann, wenn der US-Dollar weiter an Kraft gewinnt und dadurch der Druck auf den Rohstoffsektor anhält.
Im Wochenverlauf ist aber aus Muster-Sicht damit zu rechnen, dass ein charttechnischer ,,weißer Ritter‘‘ um die Ecke reitet, der die Kurse auffängt und der damit ein Stopp des kurzfristigen Abwärtstrends auslöst. Ob dies in dramatischer Form mit einem Intraday-Reversal geschieht oder nicht dürfte mehrheitlich vom Auslöser abhängen, denn die politisch-militärische Eskalation am Persischen Golf ist für eine Menge Turbulenzen ,,gut‘‘, ebenso wie die aktuelle Entwicklung in der Ukraine. Im Wochenrückblick Silber hatten wir dieses Reversal als ,,Slingshot-Move‘‘ beschrieben. Dieses Verhalten hatte Silber bereits im Corona-Crash im März 2020 gezeigt.
Was wird aus dem Hypothesen-Test von letztem Samstag?
Wie passt die aktuelle Entwicklung nun aber zu den Ergebnissen der Korrelationsanalysen von vergangener Woche?
Die dabei ermittelte stark schwankende Korrelation, die aber nicht längerfristig stabil ist, ist auch mit der Entwicklung in dieser Handelswoche vereinbar. Die Marktteilnehmer haben dabei kurzfristig Anpassungsdruck in ihren Portfolien und sind in der Folge gezwungen, auf den starken US-Dollar zu reagieren. Dies löst, nicht nur bei Silber, marginalen Verkaufsdruck aus. Gleiches gilt für eine mögliche negative Korrelation zu den aktuell wieder steigenden US-Anleiherenditen.
Aber im Verlaufe dieses Anpassungsprozesses steigt dann bei einer Gesamtwürdigung wieder die Bedeutung jener Gründe, die für einen Kauf von Silber sprechen. Diese führen dann dazu, dass die kurzfristig gesehene negative Korrelation eben mittelfristig nicht aufrechterhalten werden kann!
Aus dieser Perspektive sollte also weder der aktuell steigende US-Dollar noch die steigenden US-Anleiherenditen von einem Exposure bei Silber abhalten. Die Risiko-Budgets mancher Investoren sind jedoch knapp bemessen, gerade, wenn die Korrelationen nicht stabil sind und es bei der absoluten Wertentwicklung in gemischten Portfolien zu negativen Überraschungen kommt.
Denn wie die Vergangenheit nur zu oft gezeigt hat, steigt die Korrelation gerade in turbulenten Marktphasen dramatisch an, was einem exponentiell zunehmenden Verkaufsdruck in einem oft mit Kredit gehebelten Wertpapiermarkt entspricht. Das darin liegende Moral-Hazard-Problem ist bis heute nicht gelöst und stellt eine ,,Wild Card‘‘ in der Reaktionsfunktion der Märkte auf Schocks dar.
Im Ergebnis zeigt sich einmal mehr der hochvolatile Charakter von Silber, gerade im Vergleich zu Gold. Die ambivalente charttechnische Indikatorenlage lässt nun eine sehr spannende nächste Handelswoche erwarten, bei der insbesondere jene Entwicklung beobachtenswert erscheint, in der sich Silber von seiner negativen Korrelation zum US-Dollar löst, am besten in dramatischer Weise mit einem Intraday-Reversal wieder nach oben dreht um dann im Wochenvergleich mit einem langen hängenden Docht seine Bodenbildung abzuschließen!
Silber - kaufen oder verkaufen?
Die neuesten Entwicklungen bei Silber sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Anleger. Lohnt sich aktuell ein Einstieg bei Silber oder sollten Sie lieber verkaufen?
Konkrete Analysen und Empfehlungen zu Silber - hier den Zürcher Goldbrief kostenlos downloaden...
06.06.2026 - Arndt Kümpel

Auf Twitter teilen Auf Facebook teilen
Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.
Folgende Artikel könnten Sie auch interessieren
Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur
Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)









18.07.2026
16.07.2026
15.07.2026
13.07.2026