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BÖRSE TO GO - mit SAP, Heidelberger Druck und Ebay

Durchwachsene Bilanzen

 

Guten Morgen,

das Bild, welches die Berichtssaison zeichnet, bleibt gemischt. Nach den unverändert guten Zahlen der Banken kommen nun die ersten Enttäuschungen an die Oberfläche.

Der Auftakt der FAANG-Berichtssaison beginnt mit einer Enttäuschung bei NETFLIX. Entgegen den Erwartungen musste der Streamingdienst zum ersten Mal seit 2011 sinkende Abonnentenzahlen für den Heimatmarkt USA verkünden und statt der selbst prognostizierten fünf Millionen Neukunden wurden nur 2,7 Millionen neue Abonnenten gewonnen. Die Quittung der Börse: zeitweise -14%! Ein Grund für die ausbleibenden neuen Abonnenten: Jüngst erhöhte NETFLIX die Preise, um die Kosten für Eigenproduktionen von Shows und Serien zu finanzieren. Und da neue Konkurrenten in dieses Segment vorpreschen, wird der Druck nicht weniger. Im Laufe der kommenden zwölf Monate werden z.B. DISNEY, APPLE, WARNER MEDIA und NBCU zusätzlich zu den bestehenden Anbietern HULU, AMAZON, BBC, HOTSTAR und YOUTUBE auf den Markt kommen, um Streaming-Unterhaltung anzubieten.

Auch IBM hat mit seinen Zahlen enttäuscht: IBM vermeldete einen Umsatzrückgang, die Aktie fiel nachbörslich um 1,3 %. Heute ist, wie gestern schon erwähnt, MICROSOFT mit Zahlen dran – ein weiterer Belastungstest für die Tech-Aktien, zumal der Konzern an der Börse mit mehr als einer Billion Dollar bewertet wird.

 

Libra unter Beschuss

 

Viel Wirbel gibt es um FACEBOOK und der geplanten Kryptowährung Libra. Finanzminister, Notenbanken, Regierungen und Politiker sehen sich gezwungen, an allen Stellen ihr Unbehagen zum Ausdruck zu bringen. Kein Wunder: Viele Bürger haben angesichts niedriger Verzinsung oder gar Negativverzinsung ihr Vertrauen in die etablierten Finanzsysteme und Bankenlandschaft verloren. Die Gefahr, dass sich Verbraucher trotz vieler ungeklärter Fragen deshalb einer solchen Kryptowährung zuwenden, ist gross. FACEBOOK bleibt damit eine der wichtigsten Aktien in diesem Jahr!

Inwieweit Enttäuschungskurse zu ersten Käufen zu nutzen sind, bleibt indes noch abzuwarten. Ein Vorgreifen ist von dem Hintergrund der empfindlichen Stimmungslage wenig sinnvoll, klüger ist es wenn wir den gesamten Verlauf der Berichterstattung abwarten.

 

SAP enttäuscht

 

Das gilt leider auch für SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern hat heute Morgen seine Quartalszahlen präsentiert und dabei eine saftige Enttäuschung geliefert. Zwar konnte SAP sowohl beim Umsatz als auch beim Betriebsergebnis um jeweils knapp 11 % zulegen, was noch im Rahmen der Erwartungen lag. Allerdings blieb die operative Marge auf dem Vorjahresniveau von 27,3 % und zeigte damit schwarz auf weiss, dass SAP bei der angestrebten Margenverbesserung nicht vom Fleck kommt. Hinzu kommt, dass die Analysten hier mit einer Steigerung auf 27,7 % gerechnet hatten.

Kleines Trostpflaster: Das inzwischen so wichtige Cloud-Geschäft konnte seine Umsätze um weitere 40 % auf 1,717 Milliarden Euro verbessern. Allerdings grätschten dann wieder die beiden anderen Bereiche Lizenzgeschäft und Support mit Umsatzrückgängen von 5 % bzw. nur minimaler Steigerung um 2 % dazwischen. Das Ergebnis dessen war, dass SAP heute die rote Laterne im DAX hält. Per Redaktionsschluss sind rund 6,4 % Kursverlust aufgelaufen, heute Morgen waren es auch schon mal 10 %. Hier sollte vor einer neuen Disposition erst einmal abgewartet werden, bis die Verkäufe abgeebbt sind.

 

Noch eine Gewinnwarnung

 

Das gilt auch für einen der wohl umstrittensten Nebenwerte im deutschen Markt: Heidelberger Druck. Die Story ist bekannt. Das Unternehmen versucht, aus der notorischen Schwäche bei Druckmaschinen ein neues Geschäftsmodell auf eine Abonnementbasis zu stricken und das verläuft aber alles andere als reibungslos. Im zurückliegenden Quartal musste Heidelberger Druck ein Umsatzminus von 7,2 % und einen Rückgang beim Auftragseingang um 7,5 % hinnehmen. Das bereinigte EBITDA büsste fast ein Drittel auf 14 Millionen Euro ein.

Richtig haarig wurde es allerdings, nachdem Heidelberger Druck für das Gesamtjahr eine Gewinnwarnung aussprach. Denn statt der bisherigen Zielmarge im EBITDA von 7,5 - 8 % rechnet man nun noch mit 6,5 - 7 %. Mit dem heutigen Ergebnis, dass die Aktie fast 15 % verliert. Auch hier muss vor einer neuen Beurteilung erst einmal der Verkaufsdruck wieder vorbei sein.

Allerdings gibt es auch noch Lichtblicke. Solch einen lieferte schon gestern Abend die Online-Handelsplattform eBay. Zwar verzeichnete der Konzern einen Gewinneinbruch um 37 % auf 403 Millionen Dollar. Dies allerdings auf Basis von verschiedenen Sonderfaktoren. Beim Umsatz konnte eBay mit einem Plus von 2 % auf 2,7 Milliarden Dollar überraschend besser abschneiden als erwartet. Und das sorgte nachbörslich für kräftige Kursgewinne. Mal schauen, ob sich das auch im regulären Handel fortführen lässt. Hierbei ist besonders interessant, da damit die Chance bestünde, dass die Aktie ihr bisheriges Jahreshoch von 40,27 Dollar überwinden könnte.

 

18.07.2019 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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