BP erhöht seinen Einsatz bei der Rückbesinnung auf das Öl- und Gasgeschäft, will dort noch mehr investieren und streicht dafür Aktienrückkäufe
Begeistert sind die Aktionäre von den Plänen von BP offenbar nicht
Die Maxime „Beyond Petroleum“ dürfte bei BP wohl spätestens jetzt als vollständig erledigt angesehen werden. Unter eben diesem Motto trieb der Öl- und Gaskonzern bis vor wenigen Jahren noch die eigene Transformation voran, durch die nachhaltige Energiequellen eine immer größere Rolle spielen sollten. In heutigen Tagen ist das britische Unternehmen nun hauptsächlich damit beschäftigt, wieder eine 180-Grad-Wende hinzulegen.
Bei der Vorstellung der jüngsten Jahreszahlen kündigte BP (GB0007980591) weitere Abschreibungen bei seinen Bemühungen um regenerative Energien an. Unter anderem sind die Bereiche Solar und Biogas von Wertminderungen betroffen, die auf rund drei Milliarden Euro beziffert wurden. Der Kurs soll in Zukunft nicht nur weitergefahren, sondern wohl och verstärkt werden. In das Öl- und Gasgeschäft sollen noch mehr Investitionen fließen und dort wird sich der Fokus des Konzerns finden lassen.
Die neuerlichen Einschnitte geschehen nur kurz, bevor im April mit Meg O’Neill erstmals eine Frau im Chefsessel von BP Platz nehmen wird. Interimschefin Carol Howe sprach davon, dass im Vorfeld Fortschritte beim Aufbau eines „einfacheren, stärkeren und wertvolleren BP“ beschleunigt werden sollten. All das geschieht ungeachtet der Tatsache, dass der Ölpreis sich im letzten Jahr recht schwach entwickelte und der Nettogewinn von BP auch dadurch bedingt um 15 Prozent auf 7,5 Milliarden US-Dollar zurückfiel.
BP schnallt den Gürtel noch enger
Im Zuge der Neuausrichtung will BP letztlich die Kosten noch weiter senken und setzt dafür auch bei den Ausschüttungen an. Aktienrückkäufe sollen ersatzlose gestrichen werden. Das kommt aus Sicht einiger Analysten angesichts des hohen Schuldenstandes nicht vollkommen überraschend. Unter den Anlegern gab es dennoch Hoffnung darauf, dass der Konzern dem Vorbild von Shell folgen könnte und weiterhin eigene Aktien einsammelt. Doch der Fokus bei BP scheint auf anderen Faktoren zu liegen.
Das wollte den Anteilseignern nicht recht schmecken. Mit der BP-Aktie ging es am Dienstag deutlich in die Tiefe. In Stuttgart verlor der Titel um 5,5 Prozent bis auf 5,18 Euro an Wert. An der Heimatbörse in London ging es gar um 6,1 Prozent auf 4,48 Pfund in die Tiefe. Verglichen mit US-Ölkonzernen entwickelte die Aktie sich zuletzt deutlich schwächer. Dadurch bedingt machen sich auch Spekulationen breit, dass die neue CEO die Hauptnotierung nach New York umziehen lassen könnte, berichtet das „Handelsblatt“.
Gerade aufgrund der Neuorientierung rückt der Ölpreis bei BP noch mehr als ohnehin schon in den Mittelpunkt. Im laufenden Jahr ging es dort wieder etwas aufwärts, hauptsächlich aufgrund der zunehmenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Zuletzt aufgetretene Anzeichen von Verhandlungsbereitschaft nahmen wieder etwas Druck vom Kessel. Am gestrigen Dienstag pendelte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sich bei knapp unter 69 US-Dollar ein. Das ist deutlich mehr als zu den Tiefständen im Dezember, aber noch immer nicht wirklich viel.
Lohnt sich das?
Die Ansichten über die Kehrtwende bei BP gehen auseinander. Viele Analysten sehen darin recht nüchtern eine Verbesserung der Bilanz, da im fossilen Bereich in der Regel höhere Margen als bei Projekten aus den Bereichen Solar und Wind ausfallen. Zudem zeigte sich bereits, dass die Nachfrage nach Öl sehr viel langsamer zurückgeht, als es vor einigen Jahren noch prognostiziert wurde.
Kritiker mahnen allerdings, dass sich BP auf lange Sicht keinen Gefallen tun könnte. Erkannt wird die Gefahr, dass der Konzern heute in Infrastruktur investiert, die in zehn bis 15 Jahren aufgrund der zunehmenden Bedeutung von E-Autos und Wärmepumpen nahezu wertlos sein könnte. Wieder andere sehen das größte Problem bei BP nicht in der Strategie an sich, sondern im Zick-Zack-Kurs, durch den auf Seiten der Investoren viel Vertrauen zerstört werde. Letztlich kann wohl nur die Zeit zeigen, ob das Unternehmen momentan den richtigen Riecher haben mag.
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11.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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