Frankfurt lässt die RWE Aktien weiter abkühlen
RWE liefert zweistelliges Wachstum und hebt die Prognosen an
RWE hat starke vorläufige Zahlen für das 1. Halbjahr vorgelegt und die Prognosen für 2026 und 2027 angehoben. Die Börse hatte im Vorfeld viel erwartet. Die Aktien liegen seit Jahresbeginn mehr als ein Viertel höher im Wert und standen zeitweise noch deutlich höher. Doch der Anstieg der Bewertung hat sich als völlig gerechtfertigt herausgestellt.
Das „bereinigte" EBITDA erreichte im 1. Halbjahr 3,0 Mrd. Euro - ein Sprung von 43 % gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet RWE (DE0007037129) nun ein „bereinigtes" EBITDA von 5,75 Mrd. Euro bis 6,35 Mrd. Euro, deutlich mehr als die im März veranschlagte Spanne von 5,2 Mrd. Euro bis 5,8 Mrd. Euro. Gleichzeitig hatte Elliott Management im 1. Quartal eine Position von knapp 5 % aufgebaut. Und der Hedgefonds investiert nie, ohne umfassende Forderungen zu stellen. Im Fall von RWE lauten diese: eine deutliche Ausweitung des laufenden 1,5 Mrd. Euro Aktienrückkaufprogramms.
Die Zahlen zum ersten Halbjahr bestätigen den operativen Turnaround, den ich im März 2026 in den Raum gestellt hatte. Damals schrieb ich Ihnen, ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich sei im Spiel - jetzt ist es eingetreten. Die neue Prognose liegt im Rahmen der Spanne bei 6,05 Mrd. Euro und damit 18 % über dem Vorjahreswert von 5,11 Mrd. Euro und 10 % über meiner März-Erwartung. Die Segmente Offshore Wind und Onshore Wind und Solar entwickeln sich wie avisiert stark. Offshore Wind erreichte beispielsweise im ersten Halbjahr 810 Mio. Euro „bereinigtes" EBITDA, hochgerechnet 1,62 Mrd. Euro für das Jahr - am Rande der neuen Prognose von 1,65 bis 2,15 Mrd. Euro.
Frankfurt lässt die RWE Aktien weiter abkühlen
Doch die operative Erholung allein erklärt die Kursgewinne nicht. Elliott Management hat eine Schwachstelle erkannt, die ich im November 2025 bereits benannt hatte: sinkende Profitabilität bei gleichzeitig steigender Nettoverschuldung. Der Abwärtstrend von 7,75 Mrd. Euro „bereinigtem" EBITDA 2023 über 5,68 Mrd. Euro 2024 auf 4,6 Mrd. Euro 2025 war brutal. RWE hatte im November 2025 erstmals signalisiert, seine Investitionspläne anzupassen, und im März 2026 konkretisiert, dass 10 Mrd. Euro von den ursprünglich geplanten 55 Mrd. Euro für den Zeitraum 2024 bis 2030 gestrichen werden. Das ist fast ein Fünftel des langfristigen Investitionsbudgets.
Elliott fordert, dass diese Einsparungen an die Aktionäre zurückfliessen - entweder über höhere Dividenden oder über aufgestockte Rückkäufe. Der Vorstandsvorsitzende Markus Krebber argumentiert, dass in diesem Jahr wenig Spielraum besteht, weil die Investitionen bereits festgelegt sind. Doch ab 2027 wäre mehr möglich. Und das wird RWE auch umsetzen, denn Elliott hat der Börse diesen Floh ins Ohr gesetzt und den Anlegern gefällt die Idee, weswegen sie nicht locker lassen werden, sondern auf grössere Auskehrungen in Form von Dividenden und Aktienrückkaufprogrammen beharren werden. Es überrascht daher nicht, dass der Vorstand an der sukzessiven Erhöhung der Dividende festhält. Man bestätigte, dass das Ziel bleibt, für das Geschäftsjahr 2026 eine Dividende von 1,32 Euro je Aktie auszuschütten, was einer Dividendenerhöhung von 10 % entsprechen würde.
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30.07.2026 - Mikey Fritz

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