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China treibt die weltweiten Agrarrohstoffpreise in die Höhe

China, seine Agrarrohstroffproduktion und die internationalen Rohstoffpreise

 

Eigentlich ist es ein Deja vu an den Rohstoffmärkten. Seit Längerem berichten wir davon, dass die Preise für Agrarrohstoffe einen bedeutenden charttechnischen Boden gebildet haben und nun immer neue und höhere Widerstandszonen überwinden.

Doch ist es nur der eine Monsun, der hier ausbleibt, oder der Regenmangel dort, der die Ernte dezimiert? Oder fehlen höhere Subventionen?

Eine kleine gedankliche ABC-Analyse zeigt sofort, dass ungeachtet irgendwelcher handelspolitischer ,,Import Targets‘‘ der Elefant im Laden China heißt!

Denn die steigenden Preise für Weizen, Mais, Zucker, Soja etc. haben eine Breite erreicht, welche sich mit kleineren Wetterschwankungen nicht mehr überzeugend erklären lassen.

Denn seit vergangenem Jahr gab es einen weiteren Schock auf die globale Nahrungsmittelproduktion – Corona. Seitdem ist es keine einfache Möglichkeit mehr, dass globale Lieferketten für Lebensmittel unterbrochen werden. Es ist eine Möglichkeit, die sich zu einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit verdichtet hat.

Und ganz offensichtlich hat China nicht vor zu warten, bis sich diese hohe Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit verdichtet.

Interessiert ist nun, dass China am gleichen Tag, an dem ein über den Markterwartungen liegendes BIP-Wachstum veröffentlicht wurde, auch die Weizenimporte ein neues Allzeithoch erreichten, da niedrigere Weizenproduktion innerhalb Chinas und in ihrer Folge höhere Inlandspreise zu einer rekordhohen Einfuhrmenge führte.

China als weltgrößter Markt für Agrarprodukte kaufte nach Angaben der chinesischen Zollbehörde im Jahr 2020 11,3 Mio. Tonnen Mais und überschritt dabei seine Importquote von 7,2 Mio. Tonnen überhaupt das erste Mal. Dies entspricht einer Steigerung der Importe gegenüber 2019 um 135,7 %.

Außerdem importierte China 8,38 Mio. Tonnen Weizen. Hier lag die Importquote bei 9,64 Mio. Tonnen. Dieser Wert lag 140,2 % über dem Wert von 2019.

Hintergrund für diese Zahlen ist nicht zuletzt die Schweineseuche, bei der China Hunderte von Millionen Schweine verlor.

Und auch weitere wichtige Nahrungsmittelimporte weisen steil nach oben. So importierte China 2020 4,81 Mio. Tonnen Hirse, was 478,6 % des Wertes von 2019 entspricht.

Und dass die Dynamik der Jahreszahl die Monatszahl verzerren kann, zeigt Zucker. Zwar stieg der Zuckerimport Chinas im Gesamtjahr 2020 mit 5,27 Mio. Tonnen ,,nur‘‘ um 55 % gegenüber 2019.

Die Dezemberimporte von 910.000 Tonnen lagen aber um 324,7 % über dem Wert vom Dezember 2019!

 

Fazit

 

Ein Blick auf einen repräsentativen Preisindex für Agrarrohstoffe wie der Wisdomtree Commodity Agriculture zeigt, dass sich einer Bodenbildung an den ersten Corona-Lockdown-Schock im 2. Halbjahr 2020 eine explosive Phase anschloss, die bis heute anhält.

 

 

Sollte der Preisanstieg anhalten, so dürften die ,,verwundbaren‘‘ Konsumenten weltweit zunehmend Schwierigkeiten haben, ausreichend Kilokalorien für sich und ihre Familie auf den Tisch zu stellen, so denn ein Tisch vorhanden ist.

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeGrundsätzlich sollte man in dieser Lage dem Verhältnis von Preiselastizitäten der Konsumentennachfrage und der Produzenten von Nahrungsmittel viel Aufmerksamkeit schenken. Denn diese Produkte sind ab einem bestimmten Punkt nur noch schwer substituierbar. Solle eine neue Lockdown-Welle um den Globus gehen und im Zuge dessen sowohl Einkommen von Konsumenten wegfallen als auch die Kosten von Nahrungsmittelproduzenten nicht gedeckt werden können, dürfte der explodierende Preis vieler Nahrungsmittel weniger eine steigende Nachfrage als ein sinkendes Angebot widerspiegeln. Dies hätte gewaltige soziale und politische Konsequenzen, auch für den Preismechanismus der Märkte. Es ist deshalb im Interesse der großen Mehrheit weltweit, dass die Produktion und die Versorgungsketten der Nahrungsmittelproduktion nicht zusammenbrechen bzw. nicht irreparabel gestört werden. Und angesichts der hohen Bedeutung Chinas als weltgrößter Nachfrager von Agrarrohstoffen bleibt nur zu hoffen, dass das Land binnenwirtschaftlich nicht gezwungen wird, diese Preise noch weiter durch steigende Importe in die Höhe zu treiben.

 

19.01.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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