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Wie geht es mit dem Yuan gegen den US-Dollar weiter?

Chinesischer Yuan steigt auf höchsten Stand seit Juni 2018

 

China kämpft an vielen Fronten um Dominanz. Eine davon ist die Währungsfront. Die Phase der Integration in das internationale Währungssystem ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber auf gutem Weg. Vor allem auf einem Weg, den die kommunistische Partei Chinas quasi selbst entscheidet und die im Grundsatz kaum noch von Entscheidungen in den USA abhängig sind. Dies lässt sich innerhalb Chinas bereits besichtigen. Denn die Einführung des digitalen Yuan als Parallelwährung ist bereits weit vorangekommen. Mit der offiziellen Einführung der chinesischen Digitalwährung dürfte nach den Winterspielen 2022 zu rechnen sein.

Dass dieser Digital-Yuan ganz nebenbei auch den US-Dollar aus den Transaktionen verdrängen dürfte, welche im Rahmen der chinesischen Initiative der ,,Neuen Seidenstraße‘‘ abgewickelt werden, versteht sich wohl von selbst. Denn dafür hat man diese Initiative unter anderem schließlich aufgelegt. Es geht also mitnichten nur um den Bezug von Rohstoffen und den Export eigener Waren.

Dass der US-Dollar als weltweite Leitwährung geschwächt werden dürfte, ist auch ohne genaue Zahlen bei einem Blick auf das jahrzehntealte Leistungsbilanzdefizit, welches nach der Aufhebung der Goldbindung des US-Dollars chronisch wurde, klar und verdeutlicht das Problem, was auch China haben dürfte. Solange man für die in der Handelsbilanz erwirtschafteten Dollarguthaben noch Reisen kann und Öl und Gold kauft, lohnt sich die Geduld. Wertet aber der US-Dollar ab und man hat nur Fiatgeld-Forderungen aus US-Staatsanleihen, wo ist für China dann der ,,Deal‘‘?

Der Handelskonflikt zwischen USA und China ist unter der US-Drohung, China sei ein Währungsmanipulator, auch ein Währungskonflikt. Was die neue US-Administration mit den von Präsident Trump angestrengten und derzeit mehr oder weniger festgefahrenen Verhandlungen anfängt, ist derzeit zwar offen. An den grundlegenden Trends dürfte sich aber nichts ändern, und an der Rivalität zwischen beiden wohl auch nicht.

 

Was aber macht der Yuan derzeit gegen den US-Dollar?

 

Wir hatten im Jahresverlauf mehrfach darauf hingewiesen, dass der chinesische Yuan gegen den US-Dollar zur Schwäche neigen könnte. Insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie, deren Ausmaß und Bewältigung völlig offen war und der massive Lockdown in den Millionenstädten Chinas einen massiven Einbruch der Wirtschaftsleistung wahrscheinlich machten.

Es kam aber zumindest offiziell anders. Inzwischen hat die chinesische Wirtschaft sich wieder deutlich aus der Corona-Talsohle herausgearbeitet. Parallel dazu rutschen die USA und Europa in eine zweite Welle und einen zweiten Lockdown.

Diese relative Entwicklung hat auch der chinesische Yuan gegen den US-Dollar gespiegelt, wie ein Blick auf die Charts 1 und 2 zeigt.

 

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeNachdem der Yuan bis März 2020 noch schwächer tendierte, wurde er danach umso stärker, je besser China sich von der Pandemie erholte und die Wirtschaft wieder zu laufen begann.

Dabei war die relative Stärke so groß, dass frühere technische Widerstände (blaue Horizontalen) inzwischen unterschritten wurden. Nun steht der Dollar gegen den Yuan vor 2 Unterstützungszonen, bei denen die tiefere eine Kreuzunterstützung mit dem seit 2014 laufenden Aufwärtstrend des Dollars ist.

Ein Unterschreiten dieser Marke macht einen Test des Dollartiefs aus dem Jahr 2014 sehr wahrscheinlich und dürfte den Yuan unter die Marke von 6,1 : 1 führen.

 

 

Ein Blick auf den langfristigen Trend des Yuan gegen den US-Dollar zeigt, dass kurz unter diesem Tief des Jahres 2014 das ,,Gap‘‘ der Neubewertung des Yuan gegen den US-Dollar aus dem Jahr 1994 liegt. Ein Unterschreiten dieser Marke wäre deshalb aus wirtschaftsgeschichtlicher Perspektive ein Meilenstein der Integration des Yuan in das Weltwährungssystem. Konsequenzen und Ende offen.

 

Fazit

 

Der chinesische Yuan neigt seit der nach außen kommunizierten Bewältigung der Corona-Pandemie und im Zuge der darauf folgenden Erholung der chinesischen Wirtschaft zu einer anhaltenden Stärke. Im Zuge dessen hat der Yuan gegen den US-Dollar den höchsten Stand seit Juni 2018 erreicht.

Die relative Entwicklung aber nur der Stärke Chinas zuzuschreiben wäre zu kurz gedacht. Der US-Dollar hat durch sein strukturelles Leistungsbilanzdefizit einen schleichenden Vertrauensschwund zu erleiden, den sich China und seine Dominanzstrategie zunutze machen dürften. Der stärker werdende Yuan reflektiert so auch langsame Musterverschiebungen in den langfristigen Kapitalströmen. Ein digitaler Yuan dürfte die Nutzung des Yuan außerhalb Chinas perspektivisch weiter erhöhen, nicht nur im Rahmen der Seidenstraßen-Initiative Chinas.

Charttechnisch sind schließlich die genannten Signalschwellen zu beobachten, deren Durchbrechen eine qualitative Neubewertung der Yuan-Dollar-Relation erforderlich machen würde.

 

17.11.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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