als .pdf Datei herunterladen

Chinesischer Yuan vor Ende der Zwischenerholung?

Neue Abwertungswelle beim chinesischen Yuan?

 

Gemessen an dem realökonomischen Schock, den China seit Januar 2020 erlitten hat, erscheint die Entwicklung des chinesischen Yuans wie ein Hort der Währungsstabilität.

Aber anders als reale Wirtschaftsprozesse auf individueller Ebene lässt sich der Wechselkurs zentral an den für das relevante Fixing vorgesehenen wenigen Börsen manipulieren. In der Metamorphose von ,,Managed Floating‘‘ des chinesischen Yuan spielt nun aber der Handelskonflikt mit den USA eine bedeutende Rolle. Und das Gerangel um die Umsetzung des ,,Phase-1-Deals‘‘, den US-Präsident Trump für seine Wiederwahl gut gebrauchen kann, knirscht gewaltig.

Denn der Wachstumsschock sitzt China tief im Nacken. Man kann zwar auch für die USA und damit für den US-Dollar annehmen, dass die Erosion der Kreditwürdigkeit der USA tendenziell den Dollar schwächt. Der große Unterschied aber ist, dass der US-Dollar die Weltreservewährung ist, tiefe und liquide Kapitalmärkte bei freiem Kapitalfluss existieren und der Dollar als Handelswährung permanent in Gebrauch ist. Dagegen ist der chinesische Yuan nicht frei handelbar und auf globaler Ebene (noch) keine bedeutende Handelswährung. Die nicht volle Konvertierbarkeit lässt dabei administrativen Spielraum für eine (politisch gewünschte) Über- oder Unterbewertung des Yuan.

 

Yuan in Dollar

 

Beim Blick auf den Kursverlauf des Yuan gegen den Dollar zeigt sich, dass das Zwischentief zum Jahreswechsel 2019/2020 auf dem Niveau des Wechselkurs-Plateaus liegt, welches zwischen Mitte 2008 und 2010 bestand (kleine gelbe Rechtecke). Zudem liegen die seit 2014 entstandenen Tiefs und Hochs jeweils über dem vorangegangenen. Technisch handelt es sich deshalb um einen Aufwärtstrend des Dollars gegen den Yuan.

 

Was aber ist der freie Wechselkurs des chinesischen Yuan?

 

Kritiker verweisen auf die geschönten Wachstumszahlen, die nicht nachhaltigen und teilweise wertlosen Anlageinvestitionen des öffentlichen Sektors und sehen massiven Abschreibungsbedarf. Die daraus folgende niedrigere Geldmenge würde dann eine Abwertung des chinesischen Yuan um rund 30 % auf dann 9 Yuan je US-Dollar als stabilisierend erscheinen lassen.

Da dieser Abwertungsschock am Erfolgsimage kratzen würde, welches die Regierung in den letzten Jahren aufgebaut hat, ist offen, wie man diese wohl zumindest teilweise notwendig erscheinende Abwertung umsetzen will. Eine massive Dollarschwäche würde diese reale Abwertung erleichtern, zumal dann auch der Vorwurf des Währungsmanipulators seitens der USA weniger stark wäre.

Aus dieser Perspektive ist die aktuelle Coronavirus-Pandemie eine Möglichkeit, auch eine Abwertung des Yuan innenpolitisch gut zu verkaufen, ohne die eigenen Machtanspruch zu gefährden. Dieser hat beim Management der Pandemie ohnehin schon gelitten und soll wohl nicht weiter strapaziert werden.

 

Yuan langfristig

 

Der bereits genannte Aufwärtstrend des Dollars gegen den Yuan in der langfristigen Perspektive zeigt auch, dass die Aufwertungsphase ab 2006 damit auch sein Ende gefunden haben könnte. Diese Aufwertung hat technisch nur die Kurslücke geschlossen, die 1994/1995 entstanden war.

 

Fazit

 

Der derzeitige reale Wachstumsschock bietet sich als politisch gute zu verkaufende Begründung an, den chinesischen Yuan abzuwerten. Sollte der Konflikt mit den USA anhalten, könnte man in Peking zu der Auffassung kommen, dass man lieber ein Währungsmanipulator in den Augen der USA ist, als die Option einer Währungsabwertung als Konjunkturspritze aufzugeben. Es bleibt mithin genau zu beobachten, wie der politisch brisante Vorwurf der Wechselkursmanipulation in China behandelt wird. Sollten sich wichtige Stimmen in China mehren, die eine Akzeptanz einer deutlichen Abwertung das Wort reden, sollte man den Yuan lieber einmal mehr absichern als einmal zu wenig.

 

24.03.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur