Continental wirbt um Zustimmung der Anleger für einen Vergleich im Zusammenhang mit dem Dieselskandal, mit dem das Thema dann auch weitgehend abgehakt sein soll
Letztlich wird Continental wohl mit Verlusten aus dem Dieselskandal gehen
Es ist schon mehr als zehn Jahre her, dass Abgasmanipulationen bei Volkswagen aufgeflogen waren und damit einer der größten Skandale der Branche seinen Lauf nahm. Der Zulieferer Continental schien zu Beginn nicht betroffen zu sein, was sogar mit einem Gutachten belegt wurde. Der Aufsichtsrat meldete später jedoch Mängel an eben jenem Gutachten an und entließ den damaligen Finanzvorstand Wolfgang Schäfer.
Mit Schäfer sowie weiteren ehemaligen Vorstandsmitgliedern stritt sich Continental (DE0005439004) dann jahrelang vor Gericht. Untersuchungen einer externen Anwaltskanzlei kamen zu dem Schluss, dass die damaligen Führungskräfte ihre Aufsichtspflicht fahrlässig verletzt hätten. Verantwortlich war das Unternehmen unter anderem für Motorsteuergeräte und Software, die beim Skandalmotor EA189 zum Einsatz kamen. Letzterer kam bei Volkswagen zum Einsatz und stand im Zentrum des Dieselskandals. Die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer, Elmar Degenhart und Thomas Neumann wehrten sich gegen solche Vorwürfe ebenso wie die damaligen Finanzchefs Alan Hippe und Wolfgang Schäfer.
Wie unter anderem die „FAZ“ berichtet, konnte Continental nun aber einen Vergleich in der Sache erwirken. Das persönliche Vermögen der Beschuldigten bleibt zwar unangetastet. Deren Manager-Haftpflichtversicherungen sollen aber wohl rund 44 Millionen Euro zahlen und damit wenigstens einen Teil der entstandenen Schäden abdecken. Geworben wird für die Zustimmung der Aktionäre bei der Hauptversammlung für eben jenen Vergleich. Dabei gesteht Continental ein, dass zwar nicht alle Verluste im Zusammenhang mit dem Dieselskandal abgedeckt werden können. Es handele sich aber um die bestmögliche Lösung.
Continental muss wohl einiges abschreiben
Angefallen sind bei Continental im Zusammenhang mit dem Dieselskandal einige Kosten. Mit der Staatsanwaltschaft Hannover einigte sich der Konzern vor rund zwei Jahren auf ein Bußgeld in Höhe von 100 Millionen Euro. Dazu kommen Kosten für Gutachter und Rechtsberater. Insgesamt beläuft sich der Schaden laut Unternehmensangaben auf etwa 300 Millionen Euro. 125 Millionen Euro konnte man sich von der früheren Antriebssparte zurückholen, die mittlerweile zum Schaeffler-Konzern gehört.
Aufgrund dieses Konstrukts muss sich Continental allerdings auch die in Aussicht gestellten 44 Millionen Euro mit Schaeffler teilen. Selbst mit viel Wohlwollen bleibt es unter dem Strich also bei nicht eben unerheblichen Abschreibungen. Der Konzern wirbt dennoch für die Lösung und hofft, damit das Thema Dieselskandal weitgehend abhaken zu können. Konzentrieren möchte man sich dann voll und ganz auf eine Zukunft als reiner Reifenhersteller. In den Bilanzen hat die Neuausrichtung durchaus schon positive Spuren hinterlassen.
Richtig begeistert scheinen die Aktionäre über den angepeilten Vergleich allerdings nicht zu sein. Darauf deutet der Aktienkurs hin, mit dem es am Dienstag um 0,4 Prozent bis auf 59,48 Euro zurückging. Zwar dürfte bereits seit Langem eingepreist sein, dass Continental nicht schadlos aus der Sache herausgehen würde. Für Enttäuschung sorgt aber hier und dort vor allem, dass ehemalige Manager weitgehend unbeschadet davonkommen.
Risikominimierung
Dass das aktuelle Management sich dennoch auf den Vergleich einzulassen gedenkt, dürfte insbesondere mit der Minimierung von Risiken zu tun haben. Eine Fortsetzung des Rechtsstreits hätte für weitere Kosten gesorgt und auch noch das Risiko einer Verjährung mit sich gebracht. Außerdem wären dahingehend immer wieder Anstrengungen der Vorstände gebunden, welche vielleicht andernorts besser gebraucht werden könnten.
Auch wenn sich manch einer vielleicht einen anderen Ausgang gewünscht hätte, so ist der Vergleich für Continental als Unternehmen nicht die schlechteste Lösung. Auch für die Aktie hat das Ganze seine Vorzüge, denn es verschwindet ein Stück Unsicherheit aus dem Kurs. Im besten Fall gelingt es, sich endgültig von Altlasten zu lösen und auch die Blicke der Börsianer noch stärker in Richtung Zukunft zu lenken.
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25.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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