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Britisches Pfund setzt seinen Aufwertungstrend fort

Britisches Pfund nach BoE-Entscheid nur kurz schwächer

 

Eigentlich war die Entscheidung erwartet worden, denn zu dick ist der Prognosenebel über London. Auf ihrer vorgestrigen Sitzung beschloss die Bank von England (BoE) einstimmig, dass man den Leitzins unverändert bei 0,1 % halten wird und das QE-Programm mit einem Volumen von 875 Mrd. Pfund unverändert fortgeführt wird.

Einige Beobachter hatten vorher darauf verwiesen, dass die Fortschritte bei den Corona-Impfungen einen restriktiveren geldpolitischen Kurs hätten begründen können. Nun aber erklärte das MPC (Monetary Policy Committee), dass man keine Intention habe, die Geldpolitik zu verschärfen, zumindest solange nicht, solange es keine signifikanten Fortschritte gibt, die Überkapazitäten abzubauen und das Inflationsziel von 2 % nachhaltig zu erreichen.

Diese Position spricht dafür, dass die BoE sich einen weiten Handlungsspielraum vorbehalten will, um auf allfällige Schocks zu reagieren. Diese können sowohl bei unerwarteten Turbulenzen bei der Corona-Strategie erwachsen, aber auch aus weiteren ,,Kollateralschäden‘‘ im Zuge des Brexits.

Chart 1 zeigt nun, dass das britische Pfund gegen den Euro weiter an einer Impulsstruktur arbeitet, welche sowohl in Richtung Aufwertung als auch Abwertung laufen kann. Je nachdem, ob sich in den kommenden Wochen eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter-Formation bildet oder eine ausgedehnte Doppeltop-Formation vollendet wird, könnte ein sehr starker Impuls auf das Pfund ausgelöst werden.

 

 

Chart 2 zeigt die mittelfristige Entwicklung aus der Nähe und dabei die relevanten Unterstützungs- und Widerstandslinien des Pfundes, an denen sich bestimmte Muster vorläufig bestätigen oder falsifizieren.

Man sollte dabei auch im Blick behalten, dass das Tolerieren einer höheren Inflation durch die BoE den Bias weiter von Negativzinsen entfernt. Was dies per saldo gegen den Euro bedeutet, erfordert die Ermittlung der Erwartungsdifferenz des geldpolitischen Kurses zwischen Euro und Pfund unter Berücksichtigung der weiterhin extrem expansiven Geldpolitik der EZB.

Diese Differenz scheint derzeit für das Pfund zu laufen. Denn das Pfund hat in den vergangenen Tagen seinen seit 2016 laufenden Abwertungstrend wieder unterschritten.

 

 

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Werbebanner Krypto TradingEbenfalls interessant ist die Entwicklung des Pfundes gegen den US-Dollar. Auch hier gilt es, die Entwicklung der relativen geldpolitischen Differenz zwischen FED und BoE zu bewerten. Der Devisenmarkt preist zumindest seit Anfang des Jahres eine positivere Differenz für das Pfund ein, welches sich bei seiner Aufwertung gegen den US-Dollar in der Nähe des Niveaus befindet, auf welchem es kurz vor der Volksabstimmung zum Brexit am 23.06.2016 lag. Damit steht auch gegen den US-Dollar bald eine Richtungsentscheidung an.

 

 

Fazit

 

Ungeachtet der laufenden Querelen des Vereinigten Königreiches mit der Europäischen Union und dem noch ausstehenden Handelsabkommen mit den USA, welches zwar im Mai 2020 begonnen wurde zu verhandeln, aber dessen Ende noch nicht abzusehen ist, neigt das britische Pfund sowohl gegen den Euro als auch gegen den US-Dollar weiter zur Stärke. Dabei dürfte die anhaltend extrem expansive Geldpolitik der EZB wie auch der FED eine wesentliche Ursache für die positive Zinserwartungsdifferenz zugunsten des Pfundes sein.

Eine mögliche Interpretation der Entwicklung des Pfundes gegen den Euro könnte zudem sein, dass die antizipierten mittelfristigen Unterstützungs-Effekte des Brexits auf das Pfund die kurzfristigen Negativeffekte beginnen zu überkompensieren. Solange aber die noch immer laufende Plateau-Phase des Pfundes gegen den Euro nicht beendet ist, bleibt der Prognose-Nebel nicht nur in London weiter dick.

 

19.03.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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