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Russland vergoldet weitere staatliche Reserven

Russland will nationalen Reservefonds vergolden

 

Russland geht einen weiteren Schritt, um sich unabhängiger von westlichen Fiat-Währungen zu machen. Dazu soll der Nationale Vermögensfonds zukünftig auch in Gold investieren. Dadurch will das Land seine Verwundbarkeit durch westliche Sanktionen weiter verringern und seine monetäre Krisen-Fazilität stärken.

Im Januar 2021 hatte die Abwendung von insbesondere auf US-Dollar lautenden Wertpapieren und Devisen das erste Mal seit Beginn der Aufzeichnungen eine wichtige Schwelle erreicht. Denn zum ersten Mal übertraf der Wert der russischen Goldreserven den Anteil des US-Dollars bei den zu diesem Zeitpunkt 583 Mrd. Dollar schweren Devisenreserven Russlands, wobei sich dies auf die aktuellste diesbezügliche Statistik bezog, die zur Jahresmitte 2020 galt. Danach betrug der Gold-Anteil zu diesem Zeitpunkt 23 %, der Anteil von US-Dollar-Anlagen fiel dagegen steil von mehr als 40 % im Jahr 2018 auf 22 % per Ende Juni 2020.

Gold liegt nun an zweiter Stelle nach den Euro-Anlagen, welche rund ein Drittel der internationalen Reserven Russlands ausmachen, während rund 12 % in chinesischen Yuan gehalten werden.

Diese Entwicklung spiegelt die Strategie Russlands, die russische Wirtschaft und die russischen Devisenreserven zu ,,de-dollarisieren‘‘, um die Wirksamkeit US-amerikanischer Sanktionen zu verringern.

Geholfen hat bei der steigenden Bedeutung des Goldes für die Devisenreserven Russlands auch der Anstieg des Goldes im Jahr 2020. Im Vergleich zur Jahresmitte 2019 hatte der Goldpreis bis Mitte Juni 2020 26 % zugelegt. Daneben hat die Zentralbank Russlands auch noch Gold im Wert von 4,3 Mrd. US-Dollar zugekauft.

In den vergangenen Tagen folgte nun der nächste Schritt: Der Nationale Vermögensfonds Russlands (National Wealth Fund = NWF) hat durch eine am vergangenen Freitag durch die russische Regierung erlassene Verordnung die Erlaubnis erhalten, die eigenen Vermögenswerte durch Investitionen in Gold weiter zu diversifizieren.

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Werbebanner Trading SeminarInteressant ist dabei nicht nur die Entscheidung selbst, sondern auch die Begründung. Denn die Diversifizierung in Gold soll nicht nur die Sicherheit der Vermögensanlagen gewährleisten, sondern auch deren Allokationsrendite erhöhen. Damit stützt sich die russische Regierung auf Untersuchungen wie jene des World Gold Councils, nach denen ein Goldanteil nicht nur das Risiko des Portfolios senkt, sondern auch den Ertrag erhöht. Das jahrzehntelang Mantra-artig wiederholte Argument, dass Gold keinen Ertrag abwerfe, wird damit implizit verworfen, zumal es auch explizit keine große Überzeugungskraft mehr hat, seitdem Geld selbst explizit oder implizit einen negativen Zins aufweist. Zudem hat man in Russlands Regierung wohl auch den Unterschied berücksichtigt, dass es nicht nur um den ,,Return on the money‘‘ geht, sondern vorher sichergestellt werden muss, dass der ,,Return of the money‘‘ gewährleistet ist. Der Fall des Goldes Venezuelas bei der Bank von England dürfte in Moskau die diesbezügliche Entscheidung beschleunigt haben.

Der russische nationale Vermögensfonds ist Teil des russischen Bundeshaushalts. Sein Ziel ist es, das nationale Rentensystem zu unterstützen und die Ersparnisse zur Deckung von Haushaltsdefiziten in Krisenzeiten zu nutzen. Der Wert des Fonds betrug zum 01.01.2021 mehr als 13,5 Billionen Rubel bzw. rund 184 Mrd. US-Dollar.

 

Und was ist das Fazit?

 

Der russische Präsident Putin hat früh gezeigt, dass er den strategischen Wert des Goldes zur Sicherung der Unabhängigkeit Russlands zu schätzen weiß. Die Ausdehnung der Goldkäufe auf den Nationalen Vermögensfonds bestätigt diese Vermutung erneut. Er stützt sich dabei nicht nur auf überzeugende Erkenntnisse der Portfolio-Theorie, sondern auch auf den gesunden Menschenverstand in Zeiten, in denen durch exponentielle Geldschöpfung die Fundamente von auf Vertrauen beruhenden Verträgen im internationalen Handel wie auch zwischen den Generationen gefährdet sind.

Dass Russland mit seiner angestrebten De-Dollarisierung auch mit einem Auge nach Peking schaut, wo ebenfalls eine Verringerung des Einflusses des US-Dollars im internationalen Handel angestrebt wird, passt in dieses Bild. Und dass China Ölverkäufern an der Börse Shanghai eine Konversion der Erlöse in physisches Gold anbietet, auch.

 

28.05.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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  • - 29.05.2021 13:41:45 Uhr


 

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