Trotz Wirtschaftsflaute und niedrigem Aktienkurs gibt sich Fielmann kämpferisch und setzt auf Expansion
Bis zu 100 weitere Filialen könnten laut Fielmann noch entstehen
Auch wenn die jüngsten Konjunkturdaten aus Europa etwas besser als befürchtet ausfielen, so bleibt die allgemeine Stimmung unter Unternehmen und Kundschaft doch eher angeschlagen. Noch immer bemerkbar macht sich eine allgemeine Konsumflaute, welche durch die wieder höhere Inflation weiter begünstigt wird. In diesem Umfeld ist immer wieder von Sparplänen bei Unternehmen zu hören.
Kürzlich kündigte beispielsweise Telefónica an, Dutzende seiner O2-Shops in Deutschland zu schließen. Die Sparpläne von Volkswagen sind ein Dauerthema, am liebsten würde das Management wohl gleich vier Standorte schließen, stößt aber auf Widerstand von Betriebsrat und Politik. Derartige Sparpläne kommen der Optiker-Kette Fielmann (DE0005772206) nicht in den Sinn. Im Gegenteil: Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sprach Konzernchef Marc Fielmann an, dass es noch weiteres Wachstumspotenzial gebe.
Im DACH-Raum betreibt Fielmann aktuell über 700 Ladengeschäfte und es sollen in Zukunft wohl noch mehr werden. Für die nächsten fünf Jahre peilt das Unternehmen bis zu 100 weitere Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Zumindest nach eigener Ansicht setzt Fielmann damit einen Wachstumstrend fort, der sich wohl schon seit einiger Zeit hinzieht. Das gilt auch für den deutschen Heimatmarkt, der als besonders schwierig gilt. Denn hierzulande ist die Kundschaft ganz besonders auf möglichst günstige Preise bedacht.
Fielmann will wachsen
Das ist in Zeiten einer hohen Inflation freilich nicht unbedingt vorteilhaft. Die Menschen haben in diesen Tagen schlicht weniger Kaufkraft. In den Supermärkten lässt sich bereits seit den Corona-Jahren beobachten, dass deshalb häufiger zu günstigen Eigenmarken gegriffen wird. Größere Anschaffungen hingegen werden gerne mal nach hinten verschoben. Es ist nicht auszuschließen, dass der eine oder andere auch den Ersatz seiner oder ihrer Brille vielleicht etwas nach hinten verschiebt.
Gleichwohl könnte diese Ausgangslage für Fielmann auch einen Vorteil darstellen. Schließlich wirbt die Augenoptiker-Kette zuweilen recht aggressiv mit günstigen Preisen und diese Strategie schlägt sich auch in den Zahlen nieder. In Deutschland erreichte das Unternehmen laut eigenen Zahlen im letzten Jahr nach Umsatz einen Marktanteil von lediglich 25 Prozent erzielt, mit 6,7 Millionen verkauften Brillen beim Absatz jedoch 57 Prozent erreicht. Das ist ein klares Signal dafür, dass Brillen hier tendenziell günstiger als bei der Konkurrenz angeboten werden.
Probleme mit den Kartellwächtern erkennt Fielmann bei seinen Expansionsplänen nicht. Die Behörden würden vor allem sicherstellen wollen, dass die Kundschaft weiterhin eine Auswahl hat. Gebe es in einer Stadt mehrere Optiker und Fielmann sei einer davon, wie es laut CEO Fielmann schon jetzt häufig der Fall ist, so gebe es auch keine Probleme. Größere Übernahmen sind aktuell nicht geplant. Die kommenden Jahre sollen also vor allem von organischem Wachstum geprägt sein.
Die Zweifel bleiben
Es sind ungewohnt mutige Worte, welche der Fielmann-Chef aktuell verbreitet. Ein wenig konnte die Fielmann-Aktie sich Ende Juli auch wieder in Richtung Norden schwingen, dabei die 40-Euro-Marke passieren und den Abstand zum 52-Wochen-Tief bei 38,75 Euro ausweiten. Doch von guter Stimmung unter den Aktionären kann noch keine Rede sein. Bei einem Schlusskurs von 40,65 Euro am Freitag bleibt es bei Kursverlusten von 27 Prozent im Jahresvergleich.
Expansionspläne sind gut und schön. Fielmann wird allerdings noch unter Beweis stellen müssen, diese auch tatsächlich erfüllen zu können. Ferner plagen die Anleger vermutlich Sorgen darum, ob die Marge in Zukunft stimmen mag. Denn Wachstum zur falschen Zeit kann einem Unternehmen im Zweifel auch schaden, was aktuell bei BayWa hervorragend zu sehen ist. Auch wenn Fielmann sich nicht in die Schulden stürzt, um immer neue Bereiche ins Unternehmen zu integrieren und daher ein direkter Vergleich ins Leere führt, so zweifeln die Märkte offenbar dennoch daran, ob momentan der richtige Zeitpunkt für den nächsten Expansionsschub gekommen sein mag.
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03.08.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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