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Fusion PSA / Fiat Chrysler: Bewertung für VW und EXOR

Fusion PSA/Fiat Chrysler: Neuordnung von Automobil-Aktien?

NTG24 - Fusion PSA / Fiat Chrysler: Bewertung für VW und EXOR

 

Bereits in unserer heutigen Ausgabe des Tagesberichts „Börse to Go“ beleuchteten wir die heute definitiv bekannt gegebene Großfusion zwischen PSA (wichtigste Automarken: Peugeot, Citroën und Opel) uns Fiat Chrysler (im Folgenden abgekürzt: FC). Mit diesem Zusammenschluss entsteht der viertgrößte Automobilkonzern der Welt (hinter VW, Toyota und dem Joint Venture Renault - Nissan - Mitsubishi), der aktuell einen Jahresumsatz von rd. 170 Mrd. Euro, knapp 9 Mio. verkaufte Fahrzeuge jährlich und eine kombinierte Aktienmarkt-Kapitalisierung von rd. 50 Mrd. Euro auf sich vereinigt.

Insbesondere die Frage nach den Implikationen dieser Fusion für VOLKSWAGEN, die in 2018 mit 10,8 Mio. verkauften Fahrzeugen nur sehr knapper Weltmarktführer vor Toyota (inkl. Daihatsu und Hino) und Renault / Nissan / Mitsubishi waren, stellt sich daher sofort, nimmt der neue PSA / FC-Konzern künftig doch eine relativ ähnliche Regional- wie auch Kfz-Größenklassenstruktur wie auch VW ein.

Und es gibt, anders als sicher VW, natürlich auch dem gegenüber einen weiteren „lachenden Dritten“ dieser Fusion, nämlich die Fiat-Gründerfamilie AGNELLI höchstpersönlich, deren finanzielle Beteiligungsholding EXOR NV (NL0012059018) ja ebenfalls börsennotiert ist. Sowohl die neu vorzunehmenden Einschätzungen für diese Aktie, wie auch VOLKSWAGEN VZ. (DE0007664039), die Bestandteil unseres Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV ist, sind daher Gegenstand unserer ergänzenden Analyse zum heutigen BÖRSE TO GO-Tagesbericht.

 

Chart: PEUGEOT / FIAT CHRYSLER / VOLKSWAGEN VZ / EXOR gegen DAX 30-Index

 

Chart: VW, FiatChrysler, Peugeot und Peugeot im Vergleich

 

PSA / FC und VOLKSWAGEN:  Profilunterschiede und – Gemeinsamkeiten

 

Beginnend mit den regionalen Absatzprofilen von PSA / FC und VOLKSWAGEN liegt deren bedeutendster Unterschied fraglos in ihrer bisherigen Asien- und gerade China-Präsenz: Hier bringt es VW dank eines dort anhaltend zügigen Marktausbaus mittlerweile bereits auf einen Konzernumsatzanteil von knapp 19 %, woran jedoch alleine China einen Anteil von über 90 % hat. Inklusive lokaler chinesischer Produktionspartner nimmt VW daher mit über 18 % Absatz-Marktanteil in China die dortige unangefochtene Führungsposition aller ausländischen KfZ-Zulassungen ein, und dies selbst noch z.B. auch vor der gesamten Riege japanischer Automobilproduzenten. Basierend auf dem zum 1. Halbjahr verzeichneten Absatzrückgang von knapp 5 % in China dürfte infolge weiterer, konjunktur- und zollbedingter Absatzeinbußen im 2. Halbjahr sich im Gesamtjahr 2019 sogar möglicherweise ein Absatzrückgang im asiatisch-pazifischen Raum um rd. 6 % einstellen und damit stärker ausfallen, als in allen anderen Kernregionen von VW (Umsatzanteile Europa incl. Deutschland: 60 % / Nordamerika: 16 % / Südamerika: 4 %). Allerdings baut der gesamte VW-Konzern (inkl. wesentlicher Töchter wie Audi, Seat und Skoda) seine Marktanteile selbst im jetzigen Konjunkturumfeld eines weltweit sehr lethargischen Automobilabsatzes gegenüber der internationalen Konkurrenz weiterhin sehr zügig aus, was neben Asien nicht nur Europa, sondern selbst auch die USA einschließt (wo zuletzt sogar gegen den allgemeinen Markttrend sowie trotz leichter Zollanhebungen monatsweise Absatzanstiege im zweistelligen Prozentbereich verzeichnet werden konnten).

Dagegen rangieren die Absatzerfolge und Umsätze Fiat Chryslers wie auch die PSA-Gruppe innerhalb Asiens mit einem Konzernumsatzanteil von nur rd. 5 % (FC) bzw. 7 % (PSA) bisher unter ferner liefen und verfügen dort über keine nennenswerte Reputation. Dies mag im gegenwärtigen Konjunkturumfeld, geprägt durch den US-chinesischen Handelskrieg (der z.B. in Indien und Japan gar prozentual zweistellige Absatzeinbrüche für VW auslöste) kurzfristig zwar ein Vorteil sein. Längerfristig wird sich die wachsende Asien-Präsenz von VW, gerade nach voraussichtlicher Verabschiedung eines finalen Handels-Gesamtabkommens zwischen USA und China noch in 2020, jedoch ohne jede Frage als ein zunehmender Vorteil des VW-Konzerns herauskristallisieren, berücksichtigt man, dass nach Expertenschätzungen mit ca. + 10 % p.a. der asiatische Markt bis 2030 auch weiterhin in jedem Fall die weltweit am stärksten wachsende Region für Kfz-Neuzulassungen sein wird (erst Recht im gerade in Asien überproportional wachsenden, staatlich massiv geförderten Segment der Neuzulassungen umweltfreundlicher Hybrid- und Elektrofahrzeuge), und VW bereits jetzt hier glänzende Beziehungen zu diversen lokalen Produzenten unterhält. Wir sehen VW daher auf bestem Wege, vor allem seine Absatzbastion Asien als dortiger Auslands-Automobilkonzern Nr. 1 auch weiter zügig auszubauen, und vor allem durch diesen regionalen Asien-Vorsprung auch konzernweit die neue FC – PSA – Gruppe in der gesamten Umsatzentwicklung zunehmend weit hinter sich zu lassen.

 

Kfz-Palette VW-Konzern versus neuer PSA / FC- Konzern

 

Eine hervorragende Ausgangsposition nimmt VW gegenüber dem neuen PSA / FC-Konzern unseres Erachtens außerdem auch weiterhin durch seine wesentlich ausgewogenere und vielfältigere Modellpalette ein.

Zum einen ist festzuhalten, dass - anders als PSA / FC – der VW-Konzern (VW-Kernmodelle : Polo, Golf, Passat, in USA zusätzlich Jetta) dank seiner zusätzlichen breiten Tochterstruktur mittlerweile jegliches nur denkbares Automobil-Segment abdeckt, angefangen vom reinen Kleinwagen (VW Polo) über die Kompakt- / Mittelklasse (Golf, Passat, Jetta, Kernmodelle von Skoda und Seat) bis hin zu Großraum-, High End Sport- und Luxusfahrzeugen (Audi, Porsche, Bentley, Lamborghini, Bugatti).
Nicht zu vergessen ist auch, dass die - bei PSA / FC nicht vorhandene – Nutzfahrzeugsparte von VW (5 % Konzernumsatzanteil) ebenfalls seit Jahren international hoch gefragt ist und ein wesentliches Element von VWs zuletzt rasant wachsenden Absatz- und Marktanteilserfolgen in den USA ebenfalls auch auf die zunehmende Akzeptanz gerade seiner SUV-Modelle Touran und Touareg zurückzuführen war.

Dem gegenüber ist PSA in seiner Automobilproduktion noch zu rd. 80 % auf das tendenziell wettbewerbsintensivste und margenschwächste Segment der Klein- und Kompaktfahrzeuge beschränkt (Kern-Modelle: Opel Astra, Opel Corsa, Peugeot 208 und 308, Citroën C1 + C3), was innerhalb des FC-Konzerns zumindest auch für Fiat gilt (Kern-Modelle: Fiat 500, Panda und Tipo).

Einzige Modelle des neuen PSA / FC-Konzerns, die im Segment der bei VW weltweit zunehmend gefragten Mittel-, Großraum-, und SUV-Klasse derzeit das Wasser reichen können, sind der Opel Insignia (obere Mittelklasse), Opel Grandland X (SUV), Chrysler 300 (Großraum), Chrysler Grand Voyager (Van), sowie die ebenfalls zu Chrysler gehörigen, gerade in den USA „legendären“ Geländewagen Dodge und Jeep.

Insgesamt dürfte also auch die modellseitig gerade im Mittel-, Großraum- und SUV-Segment derzeit rasant steigende internationale Akzeptanz des VW-Konzerns weiterhin dafür sorgen, dass die weltweiten Absatzzahlen und Marktanteilszuwächse diejenigen von PSA / FC weiterhin deutlich überflügeln dürften.      

Hierfür wird langfristig auch ohne Frage außerdem die aktuelle VW-Initiative zur Herstellung von Elektrofahrzeugen sorgen, die in dieser Dimensionierung im internationalen Vergleich derzeit ebenfalls ihresgleichen sucht. So plant VW derzeit bis 2025 rd. 33 Mrd. Euro (= rd. 13 % des aktuellen Jahresumsatzes 2019) in die Forschung und Entwicklung von Elektrofahrzeugen zu investieren, bis zu diesem Zeitpunkt weltweit rd. 1 Million rein elektrobetriebene Automobile abzusetzen (= rd. 9 % der aktuellen Jahresauslieferung) und bis 2029 bereits 75 unterschiedliche Modelltypen von Elektrofahrzeugen aller Größen- und Anwendungsklassen anzubieten. In diesem Punkt strebt VW – ebenfalls mit wesentlicher Blickrichtung nach Asien – somit offenbar stark an, auch hier eine langfristig zunehmende Vormachtstellung gegenüber den (in diesem Segment ebenfalls sehr expansiven) Weltmarktführern TOYOTA und RENAULT-NISSAN zu gewinnen, vom wohl weiter deutlich geringeren Anteil des PSA / FC- Konzerns im Bereich der Elektrofahrzeuge ganz zu schweigen.

 

Bild: Fusion PSA / FC

Bildnachweis: © Flughafen Zürich AG

 

EXOR NV – Familie Agnelli als lachender Dritter der heutigen Fusion

 

Kaum ein Zweiter dürfte die bereits im Oktober in Grundzügen beschlossene Fusion zwischen Fiat Chrysler und der PSA-Gruppe wohl so bejubelt haben, wie die italienische Familie AGNELLI, die den  Fiat-Konzern in seinen Grundzügen bereit 1899 errichtete. Denn auch bis heute noch hält die durch die Familie Agnelli 1927 gegründete Finanzholding EXOR NV 29 % der Anteile am Fiat Chrysler-Konzern, deren aktueller Vorstandschef John Elkann Enkel des 2003 verstorbenen CEO-Vorgängers Gianni Agnelli und Ururenkel des eigentlichen Fiat-Gründers Gianni Agnelli Sen. ist.

Und da das Übernahmeangebot des PSA-Konzerns für Fiat Chrysler am 29.10. um gut 40 % über dem damaligen Kurs des operativ noch immer auf recht wackligen Füßen stehenden Unternehmens lag, reagierte natürlich hierauf auch die Aktie von EXOR NV mit einem Freudensprung um rd. 15 %.

Weitere Beteiligungen der ebenfalls sehr dynamisch expandierenden Finanzholding EXOR NV des „Agnelli – Clans“ bestehen z.B. an FERRARI (23 %), dem führenden irischen Baukonzern CNH (27 %), der Zeitschrift ECONOMIST (43 %), der Rückversicherungs-Gruppe PARTNER RE (100 %) und dem italienischen Fußballklub JUVENTUS TURIN (67 %).

 

VOLKSWAGEN VZ. und EXOR NV: Bewertung nach heutiger Fusion PSA / Fiat Chrysler

 

Wie oben ausgeführt, dürfte die weltführende und gar von weiteren Anteilszuwächsen gekennzeichnete Marktstellung von Volkswagen durch die heute beschlossene Fusion PSA / FC trotz einiger Profilüberlappungen (geographisch: USA und Europa / modellseitig: Klein- und Mitteklassefahrzeuge) kaum nennenswert tangiert werden. Zu klar sind hierfür gerade die zuletzt auch weltweiten wachsenden Akzeptanz- und Absatzgewinne von VW in den Segmenten von Großraum-, SUV-, Sport-, Luxus-, sowie Nutzfahrzeugen, deren Besetzung bei der neuen Gruppe PSA / Fiat Chrysler relativ zu VW insgesamt deutlich unterrepräsentiert ist, und wo eine wachsende Ausgewogenheit der Modellpalette daher auch weiterhin einen zunehmenden Ausschlag zugunsten von VW geben dürfte.

Auch der absehbar massive Ausbau des Elektrofahrzeug-Segments von VW, der dabei auch vor allem den hierin absehbar größten Wachstumsmarkt Asien ins Visier nimmt, sind regionale / produktspezifische Positionen, die bei PSA / FC bislang in einer kaum wettbewerbsfähigen Größenordnung ausgebaut sind, und auch in dieser Hinsicht den Konzern nach wie vor ins Hintertreffen gegenüber VW bringen dürften.

Unsere anlagestrategische Haltung gegenüber der Aktie VOLKSWAGEN VZ. (DE0007664039) verändert sich daher auch weiterhin nicht. Der aktuell mit einem KGV (2020e) von nur 6,2 sowie einer Dividendenrendite (2020e) von 4,0 % sehr moderat bewertete Titel bleibt daher auch weiterhin Bestandteil unseres Strategiedepots AKTIEN KONSERVATIV. Jedoch nehmen wir die zuletzt leicht abgeschwächten Geschäftsprognosen des VW-Vorstands für das kommende Jahr 2020 zum Anlass, unsere Stop Loss-Marke für die Aktie nunmehr auf 170,00 Euro anzuheben.

Eine nunmehr neue interessante Betrachtung ist hingegen jetzt die Aktie der Agnelli-Finanzholding EXOR NV (NL0012059018) wert. Zwar erscheint uns die Aktie des neuen PSA / FC-Konzerns in der derzeitigen Verfassung auch weiter keine Anlage wert (siehe „BÖRSE TO GO“ von heute). Allerdings hat die bisher bei EXOR NV isoliert vertretene (und von operativen Problemen beherrschte) Fiat Chrysler-Aktie durch das künftige Hinzutreten von PSA fraglos eine qualitative Aufwertung erfahren, was sich ja auch im Kurssprung bei EXOR NV entsprechend ausdrückte. Gerade auch die weiteren Beteiligungen FERRARI, PARTNER RE und JUVENTUS TURIN schätzen wir außerdem ebenso als perspektivisch sehr berechenbare Wachstumspfeiler ein.

Mit einem aktuellen KGV (2020e) von rd. 8 kann die Aktie daher zumindest ab einem von uns als fair angesehenen Kurs von ca. 68 EUR ein interessantes Investment für unser Strategiedepot AKTIEN SPEKULATIV werden. Wir nehmen den Titel daher somit nun in unsere Beobachtungsliste auf.

 

 

18.12.2019 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

   

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