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Gold findet an der 4.000er-Marke noch keinen Befreiungsschlag

Schwächere US-Frühindikatoren stabilisieren den Preis nur begrenzt, weil höhere Ölpreise, ein fester Dollar und wachsende Zinserhöhungswetten den sicheren Hafen ausbremsen

NTG24 - Gold findet an der 4.000er-Marke noch keinen Befreiungsschlag

 

Die psychologisch wichtige Schwelle hielt am Montag zwar stand, doch daraus entstand keine überzeugende Gegenbewegung. Neue Angriffe im Nahen Osten erhöhten das Bedürfnis nach Absicherung, trieben zugleich aber die Energiepreise und damit die Inflationsrisiken nach oben. Der klassische Krisenreflex wurde erneut von der Furcht vor einer strafferen US-Geldpolitik neutralisiert.

Diese widersprüchliche Preisbildung ließ Gold (TVC:GOLD) während des europäischen Abendhandels eng um die Marke von 4.000 US-Dollar pendeln. Das Metall wurde als Schutz vor geopolitischer Unsicherheit gesucht, erhielt aber keinen freien Aufwärtsimpuls, weil steigende Renditen und ein festerer Dollar die Kosten des Haltens erhöhten.

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Werbebanner EMH PM TradeDie jüngsten Nachrichten aus dem Nahen Osten verschärften genau dieses Spannungsfeld. Nach weiteren US-Angriffen auf iranische Städte meldeten die iranischen Revolutionsgarden Gegenschläge gegen amerikanische Militärziele. Gleichzeitig kündigten die mit Teheran verbündeten Huthi eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien an. Damit rückten mögliche Störungen der regionalen Energie- und Transportwege erneut in den Vordergrund.

Brent-Öl erreichte zeitweise den höchsten Stand seit mehr als einem Monat. Für Gold ist das nicht automatisch positiv. Steigende Energiepreise erhöhen zwar das Absicherungsinteresse, können aber zugleich die Inflation verlängern und eine Zinssenkung der Federal Reserve erschweren. In der gegenwärtigen Marktphase wird dieser zweite Effekt besonders hoch gewichtet.

 

Der sichere Hafen trifft auf steigende Finanzierungskosten

 

Gegen 17:47 Uhr MESZ notierte der Spotpreis laut Reuters bei 4.014,39 US-Dollar je Feinunze und damit 0,1 Prozent unter dem Vergleichswert des vorherigen Handelstages. Der August-Gold-Future wurde zur selben Marktphase bei 4.019,00 US-Dollar nahezu unverändert gehandelt. Beide Preise lagen damit oberhalb der runden Marke, blieben jedoch deutlich unter den Niveaus, von denen aus der Markt in der vergangenen Woche abgerutscht war.

Spotpreis und Future zeigen hier dieselbe Grundrichtung, sind aber nicht identisch. Der Spotwert beschreibt den außerbörslichen Kassamarkt, während der August-Kontrakt an der COMEX zusätzlich Finanzierungskosten, Laufzeit und Erwartungen bis zur Fälligkeit abbildet. Ein offizielles Settlement des laufenden Handelstages lag am frühen europäischen Abend noch nicht vor.

 

 

 

Gegen eine stärkere Erholung arbeitete vor allem der Zinsmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zog an, während der Dollar gegenüber einem Währungskorb um rund 0,3 Prozent zulegte. Ein höherer Dollar verteuert Gold für Käufer, die in Euro, Yen oder anderen Währungen rechnen. Gleichzeitig bieten steigende Anleiherenditen eine laufende Verzinsung, die das unverzinste Edelmetall nicht leisten kann.

Hinzu kam eine weitere Verschiebung der Zinserwartungen. Am Terminmarkt wurde die Wahrscheinlichkeit einer US-Zinserhöhung im Dezember mit rund 83 Prozent bewertet, nach etwa 73 Prozent in der Vorwoche. Cleveland-Fed-Präsidentin Beth Hammack hatte zuvor die Möglichkeit höherer Zinsen betont, falls die Inflation nicht ausreichend nachlasse. Die nächste reguläre Sitzung der US-Notenbank Ende Juli erhält dadurch eine ungewöhnlich konfliktreiche Ausgangslage.

 

Schwächere Konjunktursignale reichen nicht als Gegengewicht

 

Ein am Montag veröffentlichter Frühindikator lieferte grundsätzlich ein Argument gegen eine weitere Straffung. Der Leading Economic Index des Conference Board sank im Juni um 0,2 Prozent auf 99,1 Punkte, nachdem er im Mai um 0,1 Prozent gestiegen war. Über das gesamte erste Halbjahr fiel der Index allerdings nur um 0,3 Prozent und damit deutlich langsamer als in den sechs Monaten zuvor.

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Das Signal ist deshalb zu schwach, um die Inflationsdebatte allein zu drehen. Die US-Wirtschaft zeigt zwar einzelne Bremsspuren, doch der Ölpreisanstieg droht einen Teil der zuletzt niedrigeren Teuerungsraten wieder aufzubrauchen. Für den Goldmarkt entsteht daraus keine klare geldpolitische Richtung: Schwächere Aktivität spricht gegen höhere Zinsen, teurere Energie und die Kommentare mehrerer Notenbanker sprechen dafür.

Technisch bleibt die Zone um 4.000 US-Dollar damit mehr Prüfstein als bestätigte Unterstützung. Der Spotpreis hatte am Freitag zeitweise ein Zweiwochentief erreicht und die Woche trotz der anschließenden Erholung mit einem Verlust von rund 2,5 Prozent beendet. Dass die runde Marke am Montag nicht nachhaltig unterschritten wurde, zeigt vorhandene Nachfrage. Dass der Preis trotz der militärischen Eskalation kaum steigt, offenbart jedoch ebenso deutlich den fehlenden Spielraum der Käufer.

 

Eine Krisenprämie ohne Aufwärtsdynamik

 

Der Montag liefert damit ein ungewöhnliches Bild: Die geopolitischen Risiken reichen aus, um einen erneuten Rutsch klar unter 4.000 US-Dollar zunächst zu verhindern. Sie reichen aber nicht aus, um Dollarstärke, steigende Renditen und die zunehmenden Zinserhöhungswetten zu überstimmen. Gold trägt weiterhin eine Sicherheitsprämie, doch diese Prämie wird derzeit fast vollständig von der geldpolitischen Belastung aufgezehrt.

Eine belastbarere Erholung würde voraussetzen, dass entweder die Energiepreise zurückfallen, die Renditen nachgeben oder die Federal Reserve den Erwartungen an eine weitere Straffung widerspricht. Ohne eine solche Veränderung bleibt die 4.000er-Region ein umkämpfter Preisbereich, in dem strategische Käufer und kurzfristig orientierte Zinshändler unmittelbar aufeinandertreffen.

Stand: Montagabend, 20.07.2026, gegen 18:05 Uhr MESZ während des laufenden US-Handels. Der US-Terminhandel war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger COMEX-Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des August-Gold-Futures lag noch nicht vor.

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20.07.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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