Intel unter Nvidias Gnaden, AMD und Broadcom sind die Leidtragenden an der Börse
Nvidia sortiert die Tech-Welt mit einem milliardenschweren Einstieg bei Intel neu
Vor ein paar Jahren noch wäre es undenkbar gewesen, dass Intel sich vom damals sehr viel kleineren Nvidia irgendetwas hätte diktieren lassen. Doch der einst größte Chipkonzern der Welt hat so ziemlich alle wichtigen Trends verschlafen, vom Smartphone über KI bis hin zu neuen Ansätzen bei klassischen Prozessoren. Das Unternehmen verlor an Bedeutung und katastrophale Entwicklungen bei der Fertigung sorgten für Verluste im zweistelligen Milliardenbereich.
In dieser Ausgangslage wird der gestern verkündete Einstieg von Nvidia bei Intel an den Märkten als eine Art Rettungsanker angesehen. Vier Prozent der Unternehmensanteile wandern ins grüne Lager. Intel (US4581401001) erhält im Gegenzug rund fünf Milliarden US-Dollar, was dem Unternehmen vor allem Zeit verschafft. Doch bei den Bedingungen scheint Intel nicht viel Mitspracherecht gehabt zu haben. Liefern soll man vor allem technologische Unterstützung, maßgeschneiderte Prozessoren für den neuen Großaktionär und SoCs, welche die eigene Technologie mit Nvidia-GPUs kombinieren.
Einen neuen Großkunden für seine heftig angeschlagene Foundry-Sparte findet Intel jedoch (noch?) nicht. Die Anleger stört es nur unwesentlich. Die Intel-Aktie schoss am Donnerstag um 22,8 Prozent bis auf 30,57 Dollar in die Höhe. Das ist ein neues Jahreshoch. Zuvor beteiligten sich bereits die US-Regierung und die japanische Softbank. Intel stärkt damit seine kurzfristige Liquidität, doch die großen Probleme auf operativer Seite bleiben unverändert bestehen.
Nvidia bedient sich nach Belieben
Auch die Aktie von Nvidia (US67066G1040) reagierte positiv und stieg am Donnerstag um 3,5 Prozent bis auf 176,24 Dollar. Zu schätzen wissen die Anleger, dass der Einstieg bei Intel nach den eigenen Bedingungen geschieht. Die Fertigung wird erst einmal links liegen gelassen. KI-Chips entstehen weiterhin bei TSMC. Ob sich das eines Tages ändern wird, steht in den Sternen. Intel müsste dafür erst einmal die geforderte Qualität liefern können, läuft bisher aber der Konkurrenz aus Asien nur hinterher.
Vermutet wird, dass der Deal auch eine politische Dimension hat und Washington an der Sache nicht unbeteiligt sein könnte. Für Nvidia scheint das Ganze tatsächlich nur bedingt attraktiv zu sein, würde man Hersteller für maßgeschneiderte Prozessoren doch auch spielend anderswo finden. Erlauben kann der mittlerweile wertvollste Konzern der Welt sich das Ganze aber allemal. Noch dazu profitiert Nvidia kurzfristig bereits, da die Anteilsscheine noch deutlich unter dem letzten Schlusskurs erworben wurden. Der gestrige Kurssprung von Intel steigert den Wert entsprechend.
AMD unter Druck
Nur wenig erfreut über den Schulterschluss von Nvidia und Intel zeigten sich die Anteilseigner von AMD (US0079031078). Schließlich handelt es sich um die zwei größten Konkurrenten des Unternehmens, welches mit seinen Ryzen-Prozessoren in den letzten Jahren massive Erfolge feiern und munter Marktanteile erobern konnte. Der Druck scheint nun noch einmal zu steigen, wenngleich der Nvidia-Intel-Deal diesbezüglich erstmal nur eine symbolische Wirkung hat.
Am technologischen Vorsprung von AMD bei x86-Chips ändert sich erstmal nichts, woran die Anleger sich auch erinnert zu haben scheinen. Nachdem der Aktienkurs zunächst am Donnerstagmorgen um rund fünf Prozent einbrach, konnte die Lage sich im weiteren Lauf beruhigen und der Kurs pendelte sich zu Handelsschluss bei 157,92 Dollar ein. Dort angekommen konnte der Tagesverlust auf erträgliche 0,8 Prozent beschränkt werden.
Broadcom hält sich wacker
Bei Broadcom (US11135F1012) hingegen setzten sich in einem überschaubaren Tempo Gewinnmitnahmen fort. Um 0,2 Prozent verlor die Aktie des Unternehmens an Wert, welches immer mehr als ein möglicher Mitbewerber von Nvidia in Sachen KI-Chips gehandelt wird. Insbesondere ein milliardenschwerer Auftrag aus diesem Bereich sorgte vor Kurzem für Aufmerksamkeit. Gerüchteweise soll es sich beim Kunden um den ChatGPT-Entwickler OpenAI handeln.
Auch hier ändert sich am weiteren Ausblick nichts, doch angesichts des beherzten Vorgehens von Nvidia begeben die Bullen sich erst einmal in Deckung. Der Staub dürfte sich vermutlich recht schnell wieder legen, allzu viel am Hut hat Broadcom mit dem vielbeachteten Deal der Konkurrenten nicht. Doch sollte Nvidia eines Tages auf die Fertigung von Intel zurückgreifen, könnte sich das noch ändern.
Neusortierung
Nvidia sorgt mit seinem Investment in Intel für einen wahren Paukenschlag in der Branche. Ob nun politisch motiviert oder nicht: das kriselnde Intel sichert sich zumindest die Aussicht auf einen namhaften künftigen Kunden für seine Fertigung. Wichtig wird es nun sein, die eigenen Versprechen auch einzulösen und mit neuen Fertigungsschritten zur Konkurrenz aufzuholen. Gelingt dieses Kunststück, könnte glatt ein ernsthafter Konkurrenzkampf mit TSMC und Konsorten entstehen. Allerdings ist ein derartiges Szenario momentan noch recht weit entfernt und Garantien für Erfolg gibt es auch mit frischen Milliarden in der Kasse nicht.
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19.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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