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Wachstum trifft auf Kostendruck, Margenstärke und hohe Erwartungen

Lufthansa verkauft mehr und verdient weniger, Heidelberg Materials verteidigt seine Ertragskraft, Netflix kämpft mit hohen Erwartungen und Lanxess mit der Frage, ob aus einem besseren Quartal schon eine Erholung wird

NTG24 - Wachstum trifft auf Kostendruck, Margenstärke und hohe Erwartungen

 

Umsatzwachstum klingt an der Börse zunächst nach einer guten Nachricht. Im Sommer 2026 reicht diese einfache Logik jedoch bei vielen Unternehmen nicht mehr. Anleger unterscheiden zunehmend zwischen Wachstum, das tatsächlich höhere Erträge bringt, und Wachstum, das von steigenden Kosten, schwächeren Margen oder bereits hohen Erwartungen aufgezehrt wird. Deutsche Lufthansa, Heidelberg Materials, Netflix und Lanxess liefern dafür vier sehr unterschiedliche Beispiele.

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Gemeinsam ist den Unternehmen weniger, als es auf den ersten Blick scheint. Deutsche Lufthansa (DE0008232125) kämpft trotz starker Nachfrage mit Treibstoffkosten. Heidelberg Materials profitiert von einer Nachfrageerholung und Effizienzmaßnahmen. Netflix verdient auf einem ganz anderen Niveau, muss nach Jahren der Neubewertung aber beweisen, dass zweistelliges Wachstum nicht weiter an Tempo verliert. Lanxess wiederum wäre schon mit einer nachhaltigen Normalisierung des Chemiezyklus geholfen. Für Anleger bedeutet das: Nicht die Wachstumsrate entscheidet allein, sondern ihre Qualität.

 

Lufthansa hat kein Nachfrageproblem

 

Das zweite Quartal macht den Widerspruch bei Lufthansa besonders sichtbar. Der Konzern steigerte seinen Umsatz um 8 % auf 11,1 Mrd. Euro. Die Nachfrage nach Flugreisen blieb robust, die Auslastung der Netzwerk-Airlines verbesserte sich leicht und gerade im Premiumgeschäft sowie auf Asienverbindungen konnte Lufthansa höhere Erlöse durchsetzen.

Nur kam davon erstaunlich wenig im Ergebnis an. Das bereinigte EBIT sackte von 870 Mio. Euro im Vorjahresquartal auf 383 Mio. Euro ab. Die operative Marge fiel von 8,4 auf 3,4 %. Nach Angaben des Konzerns entstanden allein durch höhere Treibstoffpreise rund 750 Mio. Euro zusätzliche Kosten, Streiks belasteten mit mindestens weiteren 150 Mio. Euro. Der Q2-Bericht der Lufthansa Group zeigt deshalb eine Airline, deren Kunden durchaus bereit sind zu fliegen und mehr zu bezahlen – deren Kostenbasis diesen Vorteil momentan aber weitgehend auffrisst.

Genau das erklärt auch die schwache Börsenreaktion nach den Zahlen. Lufthansa musste die frühere Ergebniserwartung in eine deutlich breitere Spanne überführen. Für 2026 werden nun 1,7 bis 2,2 Mrd. Euro bereinigtes EBIT erwartet. Der bereinigte Free Cashflow soll weiterhin ungefähr 0,9 Mrd. Euro erreichen.

Für die Aktie ist damit Treibstoff wieder wichtiger geworden als Passagierwachstum. Eine bessere Auslastung und höhere Ticketpreise helfen nur begrenzt, wenn Kerosin, Personal und operative Störungen schneller verteuern. Hinzu kommen kurzfristigere Buchungszyklen, welche die Ergebnisplanung erschweren.

Interessant ist allerdings, dass nicht alle Teile des Konzerns unter demselben Druck stehen. Lufthansa Cargo erhöhte sein bereinigtes EBIT im Quartal von 73 auf 116 Mio. Euro, Lufthansa Technik erreichte 157 Mio. Euro. Gerade diese Geschäfte geben dem Konzern Stabilität, die eine reine Passagier-Airline nicht hätte. Sie können die Schwäche der Netzwerk-Airlines aber nicht vollständig kompensieren.

Die Lufthansa-Wette läuft deshalb derzeit nicht auf mehr Nachfrage. Sie läuft darauf, dass der Konzern seine Kosten wieder stärker unter Kontrolle bekommt und den Umbau der Flotte sowie der Kernmarke schnell genug vorantreibt. Erst wenn steigende Erlöse wieder deutlicher auf der Ergebnisseite ankommen, wird aus der Nachfragequalität auch Ergebnisqualität.

 

Heidelberg Materials wächst wieder – doch die Marge mahnt zur Nüchternheit

 

Ganz anders sieht die Ausgangslage bei Heidelberg Materials (DE0006047004) aus. Nach einem schwierigen Jahresstart hat sich das Geschäft im zweiten Quartal sichtbar belebt. Der Umsatz stieg um 6 % auf 6,044 Mrd. Euro, das Ergebnis aus laufender Geschäftstätigkeit RCO um 4 % auf 1,086 Mrd. Euro.

Das ist solide, aber nicht makellos. Die RCOBD-Marge lag bei 23,4 % nach 24,2 % im Vorjahr. Das bedeutet: Volumen und Umsatz kommen zurück, die Profitabilität steigt aber nicht automatisch im selben Tempo. Für einen Baustoffkonzern, dessen Neubewertung in den vergangenen Jahren wesentlich aus besserem Preismanagement, Kostenkontrolle und höheren Margen entstand, ist genau dieser Unterschied relevant.

Die Halbjahresmeldung von Heidelberg Materials enthält trotzdem mehrere starke Punkte. Die Transformation-Accelerator-Initiative hat inzwischen kumulierte Einsparungen von 440 Mio. Euro erbracht. Das ursprüngliche Ziel von 500 Mio. Euro bis Ende 2026 soll übertroffen werden. Gleichzeitig baut der Konzern sein Geschäft unter anderem in Nordamerika und durch die Mehrheitsübernahme bei Akçansa in der Türkei aus.

Damit entsteht ein interessanter Mix. Heidelberg Materials muss nicht auf einen explosiven europäischen Bauaufschwung warten. Der Konzern kann Ergebniswachstum zusätzlich über Portfolio, Preise und Produktivität erzeugen. Das macht das Geschäftsmodell widerstandsfähiger gegenüber einer nur langsamen Erholung am Bau.

Ganz ohne Warnsignal kamen die Zahlen dennoch nicht. Das Management hat die obere Grenze seiner RCO-Prognose gesenkt und erwartet für 2026 nun 3,40 bis 3,65 Mrd. Euro statt zuvor bis zu 3,75 Mrd. Euro. Formal ist das nur eine Präzisierung. Für die Börse bedeutet es aber, dass der besonders optimistische Rand der bisherigen Erwartungen verschwunden ist.

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Nach dem starken langfristigen Kurslauf und der deutlichen Korrektur der vergangenen Monate wird Heidelberg Materials deshalb wieder stärker als klassischer Zykliker bewertet. Rund um die jüngsten Tiefstände steht weniger die Frage im Vordergrund, ob der Konzern gut geführt wird. Entscheidend ist, wann die konjunkturelle Nachfrage genügend Rückenwind entwickelt, damit aus Effizienz und Preissetzung wieder echte Margenausweitung wird.

 

Netflix hat das entgegengesetzte Problem: Gut reicht nicht mehr

 

Für Netflix (US64110L1061) gelten andere Maßstäbe. Der Streamingkonzern erzielte im zweiten Quartal 12,56 Mrd. US-Dollar Umsatz und damit 13,4 % mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis erreichte rund 4,19 Mrd. US-Dollar. Eine operative Marge von 33,4 % wäre für fast jedes Medienunternehmen außergewöhnlich stark.

Und trotzdem reagierte die Börse nach den Zahlen deutlich negativ. Der Grund liegt nicht in einem Einbruch, sondern in der Geschwindigkeit. Netflix stellte für das dritte Quartal rund 12,86 Mrd. US-Dollar Umsatz beziehungsweise ein Wachstum von 11,7 % in Aussicht. Damit verlangsamt sich die Dynamik weiter.

Der beim US-Börsenaufsichtsportal veröffentlichte Netflix-Aktionärsbrief zum zweiten Quartal zeigt, wie hoch das Niveau inzwischen liegt. Für das Gesamtjahr erwartet Netflix 51,0 bis 51,4 Mrd. US-Dollar Umsatz und weiterhin eine operative Marge von 31,5 %. Der operative Gewinn soll damit 2026 um mehr als 20 % zulegen.

Das Werbegeschäft wird immer wichtiger. Netflix erwartet für 2026 ungefähr 3 Mrd. US-Dollar Werbeerlöse und damit grob eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Zusammen mit Preiserhöhungen und weiter steigenden Mitgliedszahlen ist Werbung einer der zentralen Hebel, um Wachstum zu erzeugen, ohne dass dafür jedes Jahr ein ähnlich großer Sprung bei der Abonnentenzahl notwendig wäre.

Genau hier liegt allerdings der Bewertungsstreit. Die angesehenen Stunden stiegen im ersten Halbjahr lediglich um 2 %. Netflix argumentiert, dass reine Sehdauer kein vollständiges Maß für den Wert eines Angebots ist. Aus Unternehmenssicht ist das nachvollziehbar. Anleger werden trotzdem genau beobachten, ob Preise und Werbung weiterhin wachsen können, wenn das Engagement nicht ähnlich dynamisch zunimmt.

Nach der deutlichen Korrektur der Aktie ist die Ausgangslage inzwischen weniger extrem als noch auf den früheren Höchstständen. Der Markt behandelt Netflix nicht mehr einfach als unangefochtenen Streaminggewinner, sondern fordert neue Wachstumsquellen. Werbung, Live-Formate, Games und technologische Personalisierung können diese liefern. Gleichzeitig dürfen sie den Fokus auf das Kerngeschäft nicht verwässern.

Netflix ist deshalb aus den vier Aktien vermutlich diejenige, bei der operative Qualität und Börsenstimmung am weitesten auseinanderliegen. Das Unternehmen verdient hervorragend. Die Aktie leidet, weil Anleger nicht wissen wollen, ob Netflix heute stark ist, sondern wie schnell ein bereits sehr großer Konzern morgen noch wachsen kann.

 

Lanxess braucht keine Wachstumsstory, sondern Normalität

 

Bei Lanxess (DE0005470405) liegt die Messlatte erheblich niedriger. Nach jahrelanger Schwäche im Chemiezyklus und einer tief gefallenen Aktie wäre bereits eine dauerhaft bessere Auslastung ein wichtiger Fortschritt.

Das zweite Quartal brachte zumindest einen Ansatz davon. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 6,5 % auf 1,561 Mrd. Euro. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich leicht auf 152 Mio. Euro. Gegenüber dem ausgesprochen schwachen ersten Quartal war der Fortschritt erheblich deutlicher: Das bereinigte EBITDA legte sequenziell um 61,7 % zu.

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Noch interessanter ist der Cashflow. Nach minus 29 Mio. Euro im ersten Quartal erreichte der Free Cashflow im zweiten Quartal positive 56 Mio. Euro. Für einen Chemiewert in einer schwierigen Nachfragephase ist das wichtiger als ein einzelner Umsatzanstieg, weil es zeigt, dass die operative Stabilisierung zumindest wieder Liquidität produziert.

Die Q2-Zahlen von Lanxess liefern jedoch gleichzeitig die wichtigste Warnung. Konzernchef Matthias Zachert sieht weiterhin keinen nachhaltigen Nachfrageaufschwung in den Kernmärkten und erwartet bis zum Jahresende keine zusätzliche konjunkturelle Dynamik.

Deshalb sollte das Quartal nicht mit einem Turnaround verwechselt werden. Besonders Specialty Additives entwickelte sich gut: Der Segmentumsatz stieg um 11,4 % und das bereinigte EBITDA um 32,8 % auf 77 Mio. Euro. Advanced Intermediates zeigte dagegen weiterhin Druck, dort ging das EBITDA trotz leicht höherer Umsätze um gut ein Fünftel zurück.

Der Konzern hält dennoch an der Jahresprognose von 450 bis 550 Mio. Euro bereinigtem EBITDA fest. Das ist erreichbar, setzt aber voraus, dass Kostensenkungen im zweiten Halbjahr stärker greifen und die Nachfrage nicht erneut deutlich schwächer wird.

 

 

 

Vier unterschiedliche Börsenprobleme

 

Im direkten Vergleich ist gerade die unterschiedliche Ausgangslage interessant. Lufthansa hat Kunden, aber zu hohe Kosten. Heidelberg Materials verfügt über erhebliche Preissetzungs- und Effizienzstärke, braucht jedoch mehr Unterstützung durch den Bauzyklus. Netflix wächst zweistellig und verdient hervorragend, kämpft aber gegen eine Börse, die noch höhere Wachstumsraten gewohnt war. Lanxess wiederum versucht erst, aus einem schwachen Zyklus wieder auf ein normales Ertragsniveau zurückzukehren.

Damit ergibt sich auch eine unterschiedliche Risikostruktur. Bei Lufthansa kann eine Entspannung der Energiepreise die Ergebniserwartung vergleichsweise schnell verändern. Heidelberg Materials hängt stärker von Baukonjunktur, Preisen und der erfolgreichen Integration seiner jüngsten Portfolioerweiterungen ab. Netflix benötigt keine Konjunkturerholung, sondern anhaltende Monetarisierung und neues Engagement. Lanxess braucht von allem etwas: Nachfrage, Auslastung, Kostenkontrolle und Cashflow.

Aus analytischer Sicht besitzt Heidelberg Materials derzeit das ausgeglichenste Profil. Das Unternehmen kombiniert hohe operative Ertragskraft mit laufenden Effizienzgewinnen und Kapitalrückführung, auch wenn die gesenkte Obergrenze des Ausblicks und der schwächere Kurs zeigen, dass die Baukonjunktur wieder stärker in den Vordergrund rückt.

Netflix bleibt qualitativ außergewöhnlich, aber die Aktie ist eine Erwartungswette. Nach der Korrektur wird die Bewertung interessanter, doch erst eine Stabilisierung der Wachstumsrate und der weitere Aufbau des Werbegeschäfts dürften zeigen, ob der jüngste Bewertungsabschlag zu weit gegangen ist.

Lufthansa und Lanxess sind dagegen stärker zyklische Wetten. Bei Lufthansa ist der operative Hebel enorm, sobald Treibstoffkosten und Störungen nachlassen. Das macht die Aktie interessant, gleichzeitig aber geopolitisch und kostenseitig schwer kalkulierbar. Lanxess ist noch spekulativer: Das zweite Quartal war besser, aber selbst das Management spricht nicht von einer nachhaltigen Nachfrageerholung.

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Werbebanner EMH PM Trade Genau darin liegt die wichtigste Gemeinsamkeit der vier Aktien. Der Markt bezahlt derzeit nicht einfach steigenden Umsatz. Er bezahlt die Fähigkeit, Wachstum in Marge, Cashflow und verlässliche Prognosen zu übersetzen. Heidelberg Materials ist diesem Zustand am nächsten, Netflix verfügt über die höchste strukturelle Profitabilität, Lufthansa über den größten kurzfristigen Kostenhebel und Lanxess über das größte Erholungspotenzial – allerdings auch über den weitesten Weg zurück zur Normalität.

 

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19.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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