Ben Cohen kämpft weiter darum, Ben & Jerry’s aus der Magnum Ice Cream Company herauszukaufen und sieht mittlerweile bessere Chancen
Magnum rührt sich bisher nicht
Schon seit über einem Jahr kämpft Ben & Jerry’s-Gründer Ben Cohen darum, die Marke zurückzukaufen und damit wieder ihre einstige Eigenständigkeit wiederherzustellen. Ursprünglich gehörte das Unternehmen da noch zu Unilever. Mittlerweile ist es Teil der ausgegliederten Magnum Ice Cream Company, wo man an einem Verkauf allerdings ebenfalls wenig Interesse hat.
Das ist auch nachvollziehbar, steuert Ben & Jerry’s doch Schätzungen zufolge etwa eine Milliarde US-Dollar zu den jährlichen Umsätzen bei. Konkret aufgeschlüsselt werden die Beiträge der einzelnen Sparten allerdings nicht. Ein möglicher Verkauf der Marke ist zwischenzeitlich an der Nachrichtenfront wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Doch Ben Cohen hat seine Ambitionen gegenüber Magnum (NL0015002MS2) offenbar nie fallengelassen. In den USA geht er für sein Vorhaben sogar auf die Straße.
Dabei wird er begleitet von zwei Schauspielern in Kostümen. Ein Ben & Jerry’s-Eisbecher wird dabei immer wieder von einem Magnum-Eis mit unfreundlichem Gesichtsausdruck schikaniert. Damit soll wohl visualisiert werden, wie der Mutterkonzern immer wieder Druck ausübe und der Tochtermarke Vorschriften mache. Die „FAZ“ nutzte die Gelegenheit für ein Interview mit Cohen.
Steigen die Chancen für Ben & Jerry’s?
Darin ließ Cohen wissen, dass seiner Ansicht nach die Chancen für einen Erfolg durchaus zugelegt hätten. Zu Beginn schätzte er die Wahrscheinlichkeit für einen Verkauf von Ben & Jerry’s auf zehn Prozent. Mittlerweile spricht er von 60 Prozent und ließ wissen, bereits eine Gruppe von Investoren für das Ganze gefunden zu haben. Um wen es sich dabei handeln mag, das wollte Cohen allerdings bisher nicht verraten.
Ben & Jerry’s tritt seit jeher politisch in Erscheinung und ist um klare Bekenntnisse nicht verlegen. Schon im Slogan „Peace, Love & Ice Cream“ ist eine politische Grundhaltung erkennbar. Im Jahre 2018 positionierte die Marke sich klar gegen Donald Trump und widmete dem sogar eine eigene Eissorte namens „Pecan Resist“. Obschon das Unternehmen im Jahr 2000 an Unilever verkauft wurde, blieben große Freiheiten erhalten, darunter ein eigener Aufsichtsrat. Mehr als 20 Jahre lang ging diese Verbindung gut.
Zum Bruch kam es im Jahr 2021, als Ben & Jerry’s sein Eis nicht mehr in von Israel besetzten palästinensichen Gebieten anbieten wolle. Nach einem veritablen Shitstorm verkaufte Unilever das dortige Geschäft an den bisherigen Lizenznehmer, sodass Ben & Jerry’s in den betroffenen Regionen wieder verfügbar war – gegen den Willen der beiden namensgebenden Gründer. Darauf folgte die eine oder andere juristische Auseinandersetzung und nun eben das Aufbegehren von Ben Cohen, während Jerry Greenfield bereits aus Protest seine Stelle im Unternehmen kündigte. Ein wenig scheint Cohen wohl auch darauf zu setzen, dass Magnum schlicht das Interesse verliert und sein Image vielleicht etwas schützen möchte.
Magnum will nicht verkaufen
Bisher bleibt es aber noch dabei, dass Magnum an einen Verkauf zumindest offiziell nicht einmal ansatzweise denkt. Ben & Jerry’s bleibt eine zentrale Säule im Konzern. Allerdings scheint es nicht unmöglich, dass sich daran nicht noch etwas ändern könnte. Schließlich gerät die Aktie derzeit sichtlich unter Druck, und auch hier kamen die entscheidenden Impulse aus dem Nahen Osten. Nach Beginn des Irankriegs fiel die Magnum-Aktie heftig in die Tiefe und gab schlagartig sämtliche Zugewinne aus dem Februar wieder aus der Hand.
Die Anleger fürchten nicht nur um Umsätze in der Region. Steigende Kosten für Energie und Rohstoffe sowie inflationäre Effekte und mögliche Auswirkungen auf die Konsumstimmung belasten den Aktienkurs ebenfalls. Sollte der Konflikt länger andauern, wonach es momentan leider aussieht, könnte der Druck steigen, den Anteilseignern wieder angenehme Neuigkeiten zu präsentieren. Der Verkauf einer Sparte zu einem guten Preis könnte ein solcher Impuls sein. Doch natürlich lässt sich nur darüber spekulieren, wie es in der Angelegenheit weitergehen mag.
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18.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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