Nvidia enttäuscht nicht, AMD zieht KI-Auftrag an Land, Alphabet bleibt im Höhenflug und Microsoft trotz Verkäufen von Bill Gates
Noch ist die KI-Blase nicht geplatzt und die Zuversicht kehrt zurück
Wohl kaum ein Thema beschäftigte die Märkte in den letzten Tagen derart stark wie die Spekulation über das Platzen einer (angeblichen?) KI-Blase. Die Nervosität erreichte gestern ihren vorläufigen Höhepunkt; die Börsianer fieberten regelrecht den Zahlen von Nvidia entgegen, welche nach Börsenschluss vorgelegt wurden.
Einmal mehr konnte Nvidia (US67066G1040) dabei abliefern und die Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern deutlich übertreffen. Die Umsätze im dritten Quartal gingen um 62 Prozent auf 57 Milliarden US-Dollar in die Höhe und die zuvor bereits enorm hohe Marge verbesserte sich um ein Prozentpunkt auf 74,8 Prozent. Dadurch blieb ein Gewinn von schwindelerregenden 31,9 Milliarden Dollar hängen.
Nvidia verspricht, dass es genau in diesem Stil weitergehen wird. CEO Jensen Huang berichtete über ausverkaufte Chips und Bestellungen, die „durch die Decke“ gehen würden. Zunehmend zirkuläre Geschäfte im Segment bleiben zwar noch immer ein gewisses Risiko. Für den Moment macht sich aber erst einmal Erleichterung breit und die KI-Blase, so wir es denn tatsächlich mit einer Blase zu tun haben, erweist sich als stabil. Die Nvidia-Aktie reagierte nachbörslich mit Aufschlägen von 5,2 Prozent und kletterte wider in Richtung 200 Dollar.
AMD findet Kundschaft in Europa
Die erstaunlich guten Zahlen von Nvidia hinterließen im gesamten Segment einen nachhaltigen Eindruck. Konkurrent AMD (US0079031078) konnte nach Börsenschluss auf Kursgewinne von gut vier Prozent blicken. Der Chiphersteller gilt in technologischer Hinsicht als erster Verfolger von Nvidia und die KI-Beschleuniger können in Sachen Leistung durchaus mithalten. Woran es bislang noch etwas fehlt, das sind größere Bestellungen, welche die Marktanteile auf ein höheres Niveau treiben könnten.
Immerhin konnte AMD zuletzt durchaus Fortschritte in dieser Hinsicht vermelden. In Europa bekam das Unternehmen den Auftrag, sowohl Epyc-Prozessoren als auch KI-Beschleuniger des Typs Instinct MI430X für den französischen Supercomputer Alice Recoque bereitzustellen. Das Projekt begnügt sich mit einem Budget von über 550 Millionen Euro, was angesichts der Milliardenausgaben im Bereich schon fast überschaubar wirkt. Für die Anleger von AMD ist es dennoch eine willkommene Überraschung, dass der Konzern sich hier durchsetzen konnte und nicht Nvidia den nächsten Auftrag einheimste.
Alphabet ist nicht zu bremsen
Nur wenig zu spüren bekam von den Kurskapriolen der letzten Tage die Aktie der Google-Mutter Alphabet (US02079K3059), welche munter im Aufwärtstrend blieb und in dieser Woche sogar neue Rekorde auf die Beine stellen konnte. Am Mittwoch hielt die gute Stimmung unter den Bullen an. Der Kurs kletterte um 2,8 Prozent auf 292,99 Dollar. Nachbörslich ging es schnellen Fußes in Richtung 300 Dollar. Die Bullen bleiben hier klar am Drücker.
Nach den hervorragenden Ergebnissen von Nvidia können die Anteilseigner sich noch mehr über das kürzlich veröffentlichte KI-Modell Gemini 3 freuen. Zuvor sorgte Warren Buffets Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway für Kaufgrund, welche überraschend eine größere Position bei Alphabet einkaufte. Da nun die Zweifel im Segment in den Hintergrund treten, dürften neue Rekorde noch vor dem Wochenende kein Ding der Unmöglichkeit darstellen, wenngleich es dafür auch keine Garantien geben kann.
Microsoft: Bill Gates in Verkaufslaune
Allen erfreulichen Meldungen zum Trotz: die skeptischen Stimmen rund um KI nehmen zu, und das auch an der Börse. Von Nvidia verabschiedeten sich bereits namhafte Investoren wie die Softbank und Peter Thiel. Bei Microsoft (US5949181045) befindet sich nun kein Geringerer als Firmengründer Bill Gates auf dem Rückzug. Wie bei „Börse am Sonntag“ zu lesen ist, verkaufte Gates über seine Gates Foundation im dritten Quartal fast 65 Prozent seiner Anteile und damit rund 17 Millionen Anteilsscheine. Quartal davor wurden bereits 2,3 Millionen Aktien verkauft.
Über die Gründe für diesen Schritt lässt sich nur spekulieren. Es mag sich um einfache, vielleicht lange geplante Gewinnmitnahmen handeln. Im Raum steht aber zumindest die Vermutung, dass Bill Gates das Potenzial bei der Microsoft-Aktie schlicht als ausgereizt ansieht und sich dementsprechend die bestmöglichen Verkaufspreise zu sichern gedenkt. Die Anleger ließen sich dadurch nur bedingt aus der Ruhe bringen und nach den Zahlen von Nvidia gab es auch hier im nachbörslichen Handel wieder grüne Vorzeichen zu bewundern.
Alles wieder gut?
Für den Moment konnte der befürchtete KI-Crash vereitelt werden. Es darf aber davon ausgegangen werden, dass die Zweifel an hohen Bewertungen und Geschäften der Tech-Giganten untereinander auch in Zukunft für Kritik und Skepsis sorgen werden. Spätestens in drei Monaten wird dann auch die Nervosität in Erwartung neuer Zahlen von Nvidia zulegen. Böse Zungen könnten auch behaupten, dass das Platzen der Blase vielleicht vertagt, nicht aber verhindert werden kann.
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20.11.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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