Angenehmes Überraschung für Nvidia, AMD scharrt mit den Hufen, Vorfreude bei Intel und TSMC darf munter weitermachen
Die Chiphersteller faszinieren die Börsen auch weiterhin
Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, doch schon jetzt zeichnet sich sehr klar ab, dass Chips mal wieder eines der beherrschenden Themen an der Börse bleiben dürften. Die Speicherkrise sorgt täglich für Schlagzeilen und gleichzeitig richten die Blicke sich auf die CES in der nächsten Woche, wo es wieder allerlei Neuheiten aus der Branche zu sehen geben wird.
Bei den Anlegern von Nvidia (US67066G1040) steht momentan vor allem China im Fokus. Kürzlich machten Berichte die Runde, laut denen dortige Unternehmen ein enormes Interesse am KI-Chip H200 haben. Im Dezember entschied die US-Regierung, Exporte davon wieder zuzulassen. Die Hardware gilt als deutlich leistungsfähiger als der H20 und so ziemlich alles, was chinesische Chiphersteller momentan zu bieten haben. Außerdem verfügt Nvidia über Vorteile auf der Softwareseite. Über zwei Millionen Chips sollen bereits in China geordert worden sein.
Davon scheint selbst Nvidia überrascht zu sein, wie „golem.de“ berichtet. Unter Hochdruck wird nun wohl versucht, die Produktion schnellstmöglich hochzufahren. Darin sehen Experten allerdings auch ein Risiko, da die Regierung in Peking Nvidia noch den einen oder anderen Stein in den Weg legen könnte. Die Aktionäre störten sich daran am Freitag aber noch nicht weiter. Die Nvidia-Aktie kletterte um 1,3 Prozent auf 188,85 US-Dollar.
AMD auf dem Vormarsch?
Zur selben Zeit konnte die Aktie des Konkurrenten AMD (US0079031078) um 4,4 Prozent bis auf 223,47 Dollar steigen und damit einen beeindruckenden Jahresstart aufs Parkett legen. Als Grundlage dafür lässt sich kein spezifischer Grund ausmachen. Es dürfte aber eine Mischung aus Vorfreude auf die CES in der kommenden Woche und anhaltende Berichte über eine weiterhin steigende Nachfrage im Bereich von KI-Chips gewesen sein, was die Fantasie der Anteilseigner wieder antreibt.
2026 wird für AMD besonders spannend werden. Denn im vergangenen Jahr stellte das Unternehmen bedeutende Fortschritte für seine MI400-Serie in Aussicht. Mit dem MI450 will man auch im High-End-Segment auf Angriffskurs gegen Nvidia gehen. Außerdem starten in diesem Jahr voraussichtlich die ersten eigenen KI-Racks. Die Märkte erwarten nicht, dass AMD damit direkt zum Marktführer aufsteigen wird. Doch selbst wenn der Konzern nur ein bisschen an den Marktanteilen von Nvidia nagt, würde dies frische Milliardenumsätze bedeuten.
Kann Intel endlich punkten?
Im KI-Bereich bleibt Intel (US4581401001) weiterhin weit abgeschlagen. Auch die Fertigung scheint noch ihre Probleme zu haben. Gerüchten zufolge hat Nvidia Pläne für eine Fertigung von Chips bei Intel verworfen, da der US-Konzern mit TSMC schlicht nicht mithalten kann. Durchbrüche sind allzu bald eher nicht zu erwarten, doch vielleicht gelingt Intel wenigstens bei klassischen Consumer-CPUs wieder ein Ausrufezechen.
Am morgigen Montag soll die neue Core Ultra Series 3 vorgestellt werden, welche unter dem Codenamen „Panther Lake“ entwickelt wurde. Punkten will Intel voraussichtlich mit höherer KI-Leistung im mobilen Segment und vielleicht auch wieder mit einer etwas höheren Energieeffizienz. Beobachter vermuten insbesondere einen Angriff auf den Snapdragon X2 Elite, mit dem Qualcomm im Notebook-Markt Fuß fassen möchte. Die ARM-Chips punkten mit langen Akkulaufzeiten bei dennoch überzeugender Leistung. Unter den Anlegern scheint sich durchaus Vorfreude breitzumachen. Die Intel-Aktie kletterte am Freitag um 6,7 Prozent auf 39,38 Dollar.
TSMC bleibt ausgelastet
Es bleibt spannend, wie die Karten im Chipsegment in Zukunft verteilt werden könnten. Noch dominiert Nvidia, doch die Konkurrenz schläft nicht und greift an allen Fronten an. Klar ist schon jetzt, dass TSMC (US8740391003) als Sieger vom Platz gehen dürfte. Denn dort werden so ziemlich alle Highend-Chips gefertigt und die Meldungen der letzten Tage und Wochen sprechen für eine weiterhin ausgelastete Produktion bei vermutlich fürstlichen Margen.
Der Ausweitung der Produktion steht im Jahr 2026 auch erstmal nichts im Wege. Denn kürzlich erteilte die US-Regierung TSMC eine Jahreslizenz, um Anlagen zur Chipproduktion aus den USA in Richtung China zu befördern. Der Hersteller ließ am Donnerstag wissen, dass damit ein ununterbrochener Fabrikbetrieb in Nanjing gewährleistet sei. Es geht also munter weiter und die Laune der Bullen steigt. Die TSMC-Aktie kletterte zum Jahresbeginn um 5,2 Prozent auf 319,61 Dollar.
Der nächste KI-Boom?
Im vergangenen Jahr wurde des Öfteren darüber diskutiert, ob der KI-Hype nicht langsam seine Grenzen erreicht haben könnte und womöglich das Platzen einer Blase bevorstehen könnte. Vollständig getilgt ist dieses Risiko noch immer nicht. Doch die Anleger scheinen auf eine Fortsetzung des Booms zu setzen und im Chipsegment herrscht schon wieder beste Stimmung. Die CES in der kommenden Woche könnte dieses Sentiment noch weiter anheizen.
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04.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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