Nvidia arbeitet unter Hochdruck an angepassten Chips für China und droht mit dem völligen Rückzug, sollte das Vorhaben scheitern
Wird Nvidia von der eigenen Regierung vom Markt verdrängt?
So sehr es Washington auch missfallen mag: für Nvidia ist China ein wichtiger und ausgesprochen lukrativer Markt. Immer neue Beschränkungen machen es dem Konzern jedoch schwierig, die hohen Marktanteile zu verteidigen. Die Konkurrenz holt in einem rasanten Tempo auf. Insbesondere Huawei meldet immer wieder Fortschritte. Dass Nvidia technologisch weiterhin die Nase vorn hat, ist dabei aufgrund der Beschränkungen nur beiläufig von Interesse.
Natürlich hat Nvidia (US67066G1040) sich aktiv darum bemüht, das Geschäft in China nicht zu verlieren. Seit einer ganzen Weile schon findet ein munteres Katz-und-Maus-Spiel statt. Auf Exportbeschränkungen reagiert Nvidia mit Anpassungen seiner KI-Chips, sodass diese noch eben so unter den Regelungen liegen. Genau das soll auch mit Blackwell-Chips geschehen; die Massenproduktion könnte in den kommenden Wochen beginnen.
Eine Meldung der Nachrichtenagentur „Reuters“ vom Wochenende zufolge scheinen Anpassungen aber kaum möglich zu sein. Genau das deutete Nvidia-Chef Jensen Huang auch schon bei der Computex in Taiwan an. Stattdessen versucht man es nun wohl mit einer günstigeren Variante, die in einem einfacheren Verfahren hergestellt wird und auf langsameren GDDR7-Speicher statt HBM setzt. Die Hoffnung ist, dass die Leistungsfähigkeit von Blackwell-Chips dadurch ausreichend beschnitten werden kann.
Nvidia im Abwärtsstrudel
Erwartet wird, dass Nvidia für einen mutmaßlich auf der RTX Pro 6000D aufbauenden Chip 6.500 bis 8000 US-Dollar in China verlangen wird. Der H20 wurde ursprünglich zwischen 10.000 und 12.000 Dollar feilgeboten. Für die Umsätze würde sich also selbst bei gleichbleibenden Stückzahlen ein heftiger Rückgang andeuten. Das würde die Marktanteile weiter in Richtung Süden bewegen, die jetzt schon weit entfernt von der einstigen totalen Dominanz sind.
Etwa 95 Prozent des chinesischen Marktes beherrschte Nvidia noch bevor im Jahr 2022 die ersten US-Exportbeschränkungen in Kraft traten. Mittlerweile sollen es Medienberichten zufolge nur noch rund 50 Prozent sein, Tendenz fallend. Jensen Huang zweifelt offen an, ob die Maßnahmen ihr Ziel überhaupt erreicht hätten. Er sieht vor allem ein Erstarken der chinesischen Chip-Industrie, was eigentlich nicht im Sinne der USA sein kann. Denn dadurch bedingt verliert man für die Zukunft weitgehend Steuerungsmöglichkeiten, indem jene in den letzten Jahren vielleicht etwas zu arg strapaziert wurden.
Unter dem Strich ist Nvidia nach eigener Einschätzung auf einen neuen Chip für China angewiesen, erscheinen könnte ein solcher vielleicht im Herbst. Ohne ein solches Produkt sei man hingegen faktisch vom Datacenter-Geschäft im Reich der Mitte ausgeschlossen. Noch tiefergehende Handelsrestriktionen aus dem Weißen Haus könnten den Anbieter, der schätzungsweise 13 Prozent seiner Umsätze in China erzielt, vollständig vom dortigen Markt verdrängen.
Wetten, dass…?
Ein hypothetischer Verlust des China-Geschäfts oder weitere Rückgänge bei den Marktanteilen würden Nvidia teuer zu stehen kommen. Schon jetzt rechnet das Unternehmen mit Abschreibungen von 5,5 Milliarden US-Dollar aufgrund der im April in Kraft getretenen Exportbeschränkungen. Verlass ist nur auf wenig, da neue Regelungen zuweilen sehr kurzfristig angekündigt werden. Mit der Entwicklung neuer Varianten für China geht Nvidia daher stets ein Stück weit eine Wette ein.
Die Anleger trösten sich mit neuen Milliardenaufträgen aus Saudi-Arabien und dem US-Heimatmarkt. Entsprechende Meldungen stützten die Nvidia-Aktie in der vergangenen Woche und der Kurs konnte sich wieder bis auf 131,29 US-Dollar zum Wochenende erholen. Weitere Rückschläge in Fernost könnten sich jedoch schnell als Stimmungskiller erweisen, weshalb Anleger die kommenden Monate sehr genau im Auge behalten dürften. In wenigen Tagen stehen aber erst einmal Quartalszahlen an, welche ein etwas besseres Bild von den weiteren Aussichten zeichnen dürften. Langeweile wird bei der Aktie von Nvidia also letztlich so schnell kaum aufkommen.
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26.05.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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