Nvidia drückt aufs Tempo und baut seine Vormachtstellung im KI-Bereich bewusst aus
Neue Chips und Software-Coups sollen Nvidia unverzichtbar machen
In den letzten Wochen war es schon fast etwas ruhig um Nvidia geworden. Zwar ist der wertvollste Börsenkonzern auf dem Planeten nie richtig aus den Schlagzeilen verschwunden. Echte Neuankündigungen gab es aber seit einem Weilchen nicht mehr zu sehen. Zur CES in Las Vegas dreht man nun umso mehr auf und greift sowohl bei der Hardware als auch bei der Software durch.
Für einige Überraschung sorgte Nvidia (US67066G1040) mit einem Ausblick auf eine neue Chip-Generation, welche unter dem Codenamen „Vera Rubin“ entwickelt wird. Dass diese existiert, ist seit Längerem bekannt. Dass sie ein gutes Stück schneller sein würde als ihre Vorgänger, dürfte ebenfalls niemanden überraschen. Sehr erfreut zeigten sich die Börsianer aber darüber, dass der Marktstart schon im zweiten Halbjahr 2026 und damit früher als gedacht erfolgen soll. Anders als bei Blackwell seinerzeit scheint es bei der Entwicklung und Fertigung keine Probleme zu geben. Laut Nvidia wurde bereits mit der Massenfertigung begonnen.
Neue Chips dürften die Nachfrage bei Nvidia weiter ankurbeln. Tatsächlich hat der Konzern aber noch viele weitere interessante Neuigkeiten zu bieten. Eine Partnerschaft mit Siemens soll KI im industriellen Bereich auf ein neues Niveau heben, indem digitale Zwillinge von ganzen Fabriken erstellt werden können. Beim autonomen Fahren sorgte Nvidia derweil mit dem VLA-Modell Alpamayo für einen Paukenschlag, welches quelloffen zur Verfügung gestellt werden soll.
Nvidias Großangriff auf den Automotive-Sektor
Letzterer Ansatz erinnert fast ein wenig an den durchschlagenden Erfolg von Android bei Smartphones. Das Angebot von Nvidia an Autobauer lautet, dass so ziemlich jeder Hersteller von dem gemeinsam mit Mercedes-Benz entwickelten Modell profitieren und die Entwicklung von autonomen Fahrzeugen beschleunigen kann. Wen Nvidia davon überzeugen kann, der bindet sich freilich langfristig an Nvidia-Hardware, was am Ende des Tages die Absatzzahlen sichert.
Dieser Coup erfolgt in einem vielbeachteten Wachstumsmarkt. Die Fantasien rund um Robotaxis sind derart luftig, dass sie Tesla vor Kurzem trotz rapide fallender Absatzzahlen im Kerngeschäft auf ein neues Allzeit-Hoch hieven konnten. Der überraschende Angriff von Nvidia sorgte nun aber für Skepsis. Nvidia schickt sich an, Elon Musk bei Robotaxi-Träumereien zuvorzukommen, und die Börsianer nehmen das durchaus ernst.
Etwas Gegenwind kommt derzeit in China auf. Von dort kamen kürzlich noch Berichte über eine enorme Nachfrage nach H200-Chips, welche die US-Regierung im Dezember wieder für den Export freigab. Allerdings will die Regierung in Peking noch ein Wörtchen mitreden. Medienberichten zufolge soll derzeit eine entsprechende Prüfung laufen und währenddessen wurden Unternehmen wie die TikTok-Mutter Bytedance wohl aufgerufen, Bestellungen zu pausieren. Dass die chinesische Regierung dem großen Comeback von Nvidia im Reich der Mitte noch einen Riegel vorschieben könnte, davor warnten Skeptiker bereits vor einigen Wochen.
Gut gespielt
Doch selbst ohne China zeichnet Nvidia derzeit eine hochinteressante und von Wachstum geprägte Zukunft. Der Chiphersteller nutzt seine Vormachtstellung geschickt aus und arbeitet nicht einfach nur an neuen Chips. Stattdessen sollen auch Plattformen bereitgestellt werden, welche Partnern das Leben einfacher machen, gleichzeitig aber auch die Chips von Nvidia zu einer Notwendigkeit werden lassen. Gelingt es, damit genügend große Abnehmer zu überzeugen, so könnte Nvidia auch recht entspannt auf die Fortschritte der Konkurrenz bei KI-Chips blicken.
Die Anleger zeigen sich bislang angetan, wenn auch nicht vollkommen euphorisch. Die Nvidia-Aktie konnte am Mittwoch um knapp ein Prozent auf 189,11 US-Dollar zulegen. Langsam scheint es den Titel wieder in Richtung der Allzeit-Höchststände zu treiben. Die eigene Bedeutung im KI-Sektor wird mit den angekündigten Neuerungen regelrecht zementiert. Solange der KI-Boom weitergeht, wird Nvidia an der Börse daher auch weiterhin mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf der Siegerstraße bleiben.
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08.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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