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OPEC+ erhöht Förderung, Saudi-Arabien macht divergente Preispolitik

OPEC + und Saudi-Arabien im Fokus

 

Eigentlich waren für das Zusammenkommen der OPEC+ in der vergangenen Woche keine großen Überraschungen vorgesehen. Die Organisation hatte ihre Prognose der Ölnachfrage gesenkt. Und Saudi-Arabien betonte die Risiken einer zu frühen Erhöhung des Angebots, sollte sich die Nachfrage als zu schwach erweisen. Im Ergebnis wurde mit einer Fortführung der bisherigen Produktionskürzungen und der freiwilligen Zurückhaltung Saudi-Arabiens gerechnet.

Entsprechend groß war dann aber das Erstaunen, nachdem die OPEC+ eine signifikante und sukzessive Erhöhung der Produktion in den kommenden drei Monaten beschloss.

Im Mai 2021 soll danach das Angebot der OPEC+ Staaten um 350.000 Barrel am Tag erhöht werden. Eine weitere Erhöhung um 350.000 Barrel soll es im Juni geben, und im Juli sollen es dann sogar 450.000 Barrel sein.

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DAX Future SignaleParallel dazu wird Saudi-Arabien seine freiwillige Produktionskürzung von 1 Mio. Barrel täglich aufheben und die Förderung im Mai um 250.000 Barrel, im Juni um 350.000 Barrel und im Juli nochmals um 400.000 Barrel anheben. Im Ergebnis dürfte sich das Ölangebot der OPEC+ bis Juli um 2,15 Mio. Barrel täglich erhöhen.

Noch ist nicht klar, was der Auslöser für diese Entscheidung war, die zu einem Angebotsüberschuss auf dem Ölmarkt führen dürfte. Erstaunlich ist nun aber, dass Saudi-Arabien nicht wie zuvor erwartet, die Preisaufschläge für Mai-Lieferungen an asiatische und europäische Kunden gesenkt hat.

Stattdessen hat das Königreich den Preis für asiatische Käufer um 0,4 Dollar je Barrel angehoben, für solche aus Europa und den USA aber um 0,2 Dollar respektive 0,1 Dollar gesenkt.

Darunter dürften vor allem China und Indien leiden. Insbesondere Indien hatte gegen die Bestrebungen der OPEC+, den Ölpreis weiter nach oben zu manövrieren, protestiert. Diese Spannungen haben unter anderem dazu geführt, dass Indien sich nach alternativen Öl-Lieferanten im Nahen Osten umschaut.

 

Was ist das Fazit?

 

Die Fördererhöhung der OPEC+ Staaten könnte zwar als Basis die Erwartung einer Belebung der Weltwirtschaft habe. Die aktuell laufende dritte Corona-Welle deutet aber darauf hin, dass dies zumindest kein glückliches Timing wäre. Die Preisspreizung zwischen asiatischen Kunden einerseits und Europa und den USA andererseits deutet stattdessen darauf hin, dass der Ölpreis wieder stärker politisiert werden könnte. Der jüngst abgeschlossene Vertrag zwischen China und dem Iran zeigt, dass sich China strategisch nicht in die Ecke drängen lassen will. Die zu erwartenden Ausweichstrategien beim Ölbezug durch Indien werden die innere Disziplin der OPEC+ Staaten ebenfalls nicht erhöhen. Man darf also gespannt sein, wie sich die Erhöhung der OPEC+ Fördermenge auf den Marktpreis auswirken wird. Eine schnellere Erholung der Nachfrage durch ein Abklingen der Pandemie wäre dann aber wohl ein möglicher Auslöser für einen Anstieg des Ölpreises über seinen seit der Krim-Ukraine-Krise 2014 laufenden Abwärtstrends beim Ölpreis.

 

06.04.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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