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Brasilianische Notenbank senkt Leitzins

Brasilianische Leitzinsen auf Rekordtief

 

Die brasilianische Zentralbank hat ihren Leitzins um ganze 75 Basispunkte auf ein Allzeittief von 2,25 % gesenkt.

Da nun der Zins auf einem extrem niedrigen Niveau angekommen ist, besteht nur noch wenig Potenzial, mittels einer weiteren Zinssenkung die Kreditvergabe und damit das Wirtschaftswachstum zu stimulieren.

Die Schwere der Coronavirus-Pandemie, bei der sich Brasilien zu einem Infektionszentrum entwickelt hat, lastet allerdings schwer auf der Wirtschaft. Das Land weist in der Coronavirus-Pandemie nach den USA weltweit die meisten Infektionen und Todesfälle auf.

Nach offiziellen Angaben verzeichnete Brasilien in den letzten 24 Stunden 1269 weitere Covid-19 Todesfälle, womit sich die gemeldete Zahl der Todesopfer auf 46.510 erhöht hat.

Innerhalb eines Tages stieg die Zahl der neuen bestätigten Fälle um 32.188 auf insgesamt 955.377, teilte das brasilianische Gesundheitsministerium mit. Der brasilianische Präsident Bolsonaro gehört zu den hartnäckigsten Leugnern der Pandemie und hat den Corona-Virus als ,,kleine Grippe‘‘ abgetan.

In der vergangenen Woche hatte die Weltbank die Prognose für das BIP-Wachstum Brasiliens auf einen Absturz um 8 % nach unten revidiert.

Das Ergebnis: Lateinamerikas größte Volkswirtschaft wird 2020 den stärksten Wachstumseinbruch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900 erleiden.

 

USDBRL

 

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung des brasilianischen Reals gegen den US-Dollar zeigt, dass Letzterer Ende 2019 aus einer langjährigen fraktalen Konsolidierung herausbewegt hat, die insbesondere durch den Rohstoffboom bis zur Finanzkrise 2008/2009 unterstützt wurde. Anfang 2020 folgte dann mit dem Ausbruch aus dem fraktalen Konsolidierungsniveau eine erste scharfe Abwertungswelle.

Vor dem Hintergrund des Wachstumseinbruchs der brasilianischen Wirtschaft ist damit zu rechnen, dass die Notenbank einen auch deutlicheren Anstieg der Inflationsrate höchstens zeitverzögert zum Anlass nehmen wird, die Leitzinsen wieder zu erhöhen und damit die Landeswährung zu stärken. Sollte in dieser Phase bei steigender Inflation das Wachstum schwach bleiben, ist mit einer weiteren Abwertung des Reals zu rechnen.

 

Fazit

 

Brasiliens Notenbank ist nicht zu beneiden. Das geldpolitische Pulver ,,konventioneller‘‘ Geldpolitik ist faktisch verbraucht. Weitere Schocks wie eine zweite Infektionswelle, soziale Unruhen oder einen erneuten Absturz der Rohstoffpreise kann sich Brasiliens Wirtschaft kaum leisten, ohne dass es zu einem deutlichen Vertrauens- und Kursrückgang des Reals kommt. Wir empfehlen deshalb, Positionen im brasilianischen Real nur gedeckt einzugehen oder diese abzusichern.

 

18.06.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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