Rheinmetall wieder fester, auch Renk erholt sich etwas, BMW verschärft den Sparkurs und TUI taumelt schon wieder
Auch am Wochenende dürften viele Anleger kaum zur Ruhe kommen
Die am Mittwoch unterzeichnete Rahmenvereinbarung für ein Ende des Irankriegs erweist sich bisher als äußerst brüchig. Der Iran kündigte am Samstag aufgrund anhaltender Angriffe Israels im Libanon eine abermalige Schließung der Straße von Hormus an. In der Nacht zu Sonntag meldete sodann ein Sprecher der israelischen Armee, dass Kämpfe im Südlibanon eingestellt werden sollten. Heute könnten nun Gespräche in der Schweiz stattfinden, doch die Stimmung ist angespannt.
Schon vor dem Wochenende kamen erste leise Zweifel am Abkommen auf, was die Märkte insgesamt unter Druck setzte. In den grünen Bereich trieb es hingegen die Aktie von Rheinmetall (DE0007030009). Ende vergangener Woche ging es mit dem Kurs noch bis auf 1.150 Euro abwärts; nun konnten die Bullen immerhin die Marke von 1.200 Euro zurückerobern. Das ist zwar noch kein glorreiches Comeback, aber eine kleine Stabilisierung.
Die Analysten bleiben ohnehin ausgesprochen optimistisch gegenüber Rheinmetall und begründen dies mit prall gefüllten Auftragsbüchern sowie des Aufrüstungszyklus in Europa, welcher in Zukunft für noch mehr Auftragseingänge sorgen dürfte. Die Privatbank Berenberg verteilte am Freitag erneut eine Kaufempfehlung und sieht als Kursziel 1.750 Euro. So die Waffenruhe im Nahen Osten weiterhin wackelig bleibt, könnte dies die Anleger vermehrt anlocken.
Renk schreibt Rekorde
Selbiges gilt für die Aktie von Renk (DE000RENK730), die sich am Freitag wieder um ein Prozent auf 48,02 Euro erholen konnte. Verglichen mit dem Zwischentief vom Montag ging es um etwas mehr als sechs Prozent aufwärts. Genügend Grund zur Vorfreude scheint vorhanden zu sein, auch ganz unabhängig vom Geschehen in aktuellen Konflikten. Im ersten Quartal stieg der Auftragseingang auf 582 Millionen Euro an. Nie zuvor konnte Renk in einem ersten Quartal mehr verzeichnen.
Der Auftragsbestand landete damit bei 6,9 Milliarden Euro, und das bei einer Marktkapitalisierung von zuletzt 4,8 Milliarden Euro. Der Verdacht einer dezenten Unterbewertung drängt sich auf. Allerdings spielen an der Börse nicht nur fundamentale Überlegungen eine Rolle. Das Sentiment wird weiterhin Einfluss nehmen. Daher richten die Blicke sich auch hier in den nächsten Tagen auf die Schweiz und die Verhandlungen zwischen den USA und Iran, ob nun berechtigt oder nicht.
BMW auf Sparkurs
Für die Aktie von BMW (DE0005190003) wäre ein Scheitern von Waffenruhe und Friedensprozess wohl noch eine zusätzliche Belastung. Die Aktie erlebte in dieser Woche erst einen historischen Ausverkauf, nachdem eine Gewinnwarnung die Bullen in die Flucht schickte. Es deutete sich dabei zuletzt auch keine Erholung an. Bis auf 59,98 Euro ging es abwärts; die Verluste auf Wochensicht belaufen sich auf satte 13,2 Prozent.
Problematisch für viele Anleger dürfte wohl sein, dass BMW auf die Krise keine zufriedenstellenden Antworten zu finden scheint. Die „neue Klasse“ lief zwar recht erfolgreich an, kann aber den Gegenwind aus China und anderswo nicht vollständig abfedern. Das Unternehmen reagiert nun wohl mit weiteren Sparmaßnahmen. Darüber soll in Kürze mit dem Betriebsrat gesprochen werden, berichtet das „Handelsblatt“. Wachstumssignale sendet BMW mit derartigen Meldungen freilich nicht aus, auch wenn Sparmaßnahmen notwendig und nachvollziehbar sein mögen.
TUI: Zu früh gefreut?
Besonders groß ist die Enttäuschung über die wackelige Waffenruhe bei den Anlegern von TUI (DE000TUAG505). Zu Beginn dieser Woche atmete man im Sektor ob sinkender Ölpreise noch kollektiv auf. Nun stellt sich die Frage, ob die Vorfreude nicht doch etwas zu früh gekommen war. Durchgespielt werden nun auch Szenarien, in denen sich bei den neuerlichen Verhandlungen keine dauerhafte Lösung finden lässt. Die Furcht vor wieder höheren Ölpreisen bescherte der TUI-Aktie am Freitag Verluste von 2,7 Prozent.
Damit ging es auf 7,16 Euro zurück und der Titel bleibt weit entfernt von Regionen, die im Februar vor dem Ausbruch des Irankriegs erreicht werden konnten. Wie auch in der Geopolitik ist weiterhin Zurückhaltung und Skepsis zu bemerken. Mehr noch als bei vielen Aktien hängt im Falle von TUI viel daran, wie friedlich es in Zukunft im Nahen Osten sein mag. Nur im Falle eines dauerhaften und stabilen Friedens wäre die Rückkehr mit Kreuzfahrtschiffen in die Region denkbar.
Die quälende Ungewissheit
Die Hoffnung auf Frieden bestimmt an den Börsen derzeit das Geschehen. Was zunächst einen kleinen Freudensprung auslöste, mündete schon nach wenigen Tagen in Skepsis. Sollten Angriffe und gegenseitige Schuldzuweisungen nicht alsbald zu einem Ende finden, so dürfte es sich mit der Erholungsrallye recht schnell erledigt haben. Doch bekanntlich stirbt die Hoffnung stets zuletzt.
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21.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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