Rheinmetall macht sich Sorgen, Vonovia gibt sich hingegen leichtfüßiger, Nvidia sammelt mühelos Milliarden ein und Siemens Energy drängt zu mehr Rechenzentren
An der Börse weht plötzlich ein anderer Wind
Auch wenn es sich noch nicht um einen echten und nachhaltigen Frieden handelt, so hat sich mit der Absichtserklärung von den USA und Iran doch vieles geändert. Rapide fallende Ölpreise bestimmten zu Beginn der neuen Woche das Bild und die Kauflaune bei Aktien setzte sich am Montag munter fort. Sorgen scheinen sich die Anleger momentan nur am Rande zu machen.
Wenig überraschend kamen Titel aus dem Rüstungssegment nicht allzu gut weg. Im Falle von Rheinmetall (DE0007030009) war es allerdings nicht nur die Aussicht auf Frieden, welche die Anleger zu anderen Titeln blicken ließ. Für Aufsehen sorgte auch ein Bericht der „Welt am Sonntag“, laut dem sich der Konzern Sorgen um die Zukunft des Panzerprojekts MGCS macht.
Der Kampfjet FCAS ist bereits gescheitert und nun scheint es die Befürchtung zu geben, dass Frankreich sich auch bei MGCS zurückziehen könnte. Offiziell ist allerdings bisher noch nichts. Es reichte dennoch, um die Rheinmetall-Aktie sichtlich unter Druck zu setzen. Mit dem Kurs ging es um 4,6 Prozent auf nur noch 1.150,20 Euro abwärts. Die bereits zu Jahresbeginn begonnene Korrektur scheint sich hartnäckig zu halten.
Vonovia atmet auf
Mehr Wirkung hinterließ das geopolitische Geschehen bei der Aktie von Vonovia (DE000A1ML7J1). Zinssorgen lasteten zuvor schwer auf dem Gemüt der Bullen. Denn höhere Zinsen könnten die ohnehin nur zarte Erholung in der Immobilienbranche schnell wieder abwürgen, so die Überlegung von nicht wenigen Marktakteuren. Das Kriegsende im Iran mitsamt deutlichen Rückgängen bei den Ölpreisen bietet nun die Hoffnung darauf, dass eine nachlassende Inflation der Zinsspirale Einhalt gebieten könnte.
Für einen sensationellen Satz nach oben reichte das bei Vonovia zwar noch nicht. Immerhin konnte der Kurs sich aber um 1,8 Prozent auf 20,76 Euro steigern und damit die psychologisch wichtige 20-Euro-Marke weiter festigen. Auffällig ist allerdings, dass es im frühen Handel sogar noch bis auf über 21 Euro aufwärts ging, bevor der Kurs kontinuierlich nachgab. Das dürfte Ausdruck davon sein, dass es bei den Verhandlungen im Nahen Osten noch viele offene Fragen gibt.
Großer Andrang bei Nvidia
Nvidia (US67066G1040) muss Investoren gar nicht mehr von sich überzeugen. Am Montag gab der Chiphersteller zum ersten Mal seit 2021 wieder eine neue Anleihe aus. Im Vorfeld rührte man dafür nicht weiter die Werbetrommel. Die ansonsten üblichen Investorengespräche haben nicht stattgefunden, berichtet das „Handelsblatt“. An Nachfrage mangelte es trotzdem nicht. Das Orderbuch füllte sich mit bis zu 85 Milliarden US-Dollar. Angepeilt wurden „nur“ 25 Milliarden Dollar.
Letztere will Nvidia nun nutzen, um bestehende Verbindlichkeiten zu refinanzieren. Investiert wird viel in diverse Vorhaben. Allein 30 Milliarden Dollar nahm Nvidia in die Hand, um sich an einer Finanzierungsrunde für OpenAI zu beteiligen. Weitere zehn Milliarden flossen in den Mitbewerber Anthropic. Ganz nebenbei steigen auch die Ausschüttungen an die Aktionäre. Bei der ausgegebenen Anleihe hatte Nvidia freilich auch ein traumhaftes Timing, da durch das Kriegsende auch an den Anleihemärkten die Stimmung steigt. Allerdings wäre auch das wohl nicht nötig gewesen, um die Marktakteure auf die eigene Seite ziehen zu können.
Siemens Energy mahnt zu Zukunftsinvestitionen
Sehr viel mehr Überzeugungsarbeit muss Siemens Energy (DE000ENER6Y0) leisten und versucht sich auch an genau jenem Vorhaben. Im „Manager Magazin“ fordert Konzernchef Christian Bruch implizit, mehr Rechenzentren in Deutschland zu errichten. Denn sollte Deutschland sich solche und die dazugehörige Wertschöpfung nicht ins Land holen, so werde dies Konsequenzen für den Wohlstand haben. Bürgerinitiativen gegen neue Rechenzentren machen Bruch nach eigenem Bekunden „ratlos“.
Mehr Rechenzentren wären freilich für Siemens Energy eine angenehme Angelegenheit. Selbst baut der Konzern solche zwar nicht, profitiert aber schwer in der Rolle als Zulieferer. Zudem sorgt schon allein der Energiehunger solcher Standorte dafür, dass die Kompetenzen von Siemens Energy gefragt sind. Daher steigt die Aktie auch recht zuverlässig, wann immer die Stimmung im KI-Segment mal wieder gut ausfällt. So war es auch am gestrigen Montag, als es für Siemens Energy um 1,7 Prozent auf 156,20 Euro in Richtung Norden ging.
Alles bestens?
Für den Moment macht sich ausgelassene Stimmung an den Börsen bemerkbar. Doch ob es in diesem Stil auch weitergehen mag, steht in den Sternen. An den asiatischen Börsen herrschte am Dienstag schon wieder etwas mehr Vorsicht; in Hongkong gab es rote Vorzeichen auf breiter Front zu sehen. Das Kriegsende im Iran fußt aktuell lediglich auf einer Absichtserklärung. Zweifel daran, ob daraus auch ein dauerhafter Frieden wird, werden die Börsen in den nächsten Tagen kaum in Ruhe lassen.
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16.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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