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Russland, das Öl und Corona

Russischer Rubel leidet unter schwachem Ölpreis

 

In unserem letzten Beitrag zum russischen Rubel am 13.12.2019 war von Coronavirus-Pandemie noch nichts zu spüren. Und von dem im Zuge des davon ausgelösten Ölpreiskampes zwischen Russland und Saudi-Arabien auch nicht. Nun ist aber beides in vollem Gange und einer der Leidtragenden ist der russische Rubel.

Zum einen steht das russischer Wirtschaftsmodell mit seiner Fixierung auf die Ausbeutung von Rohstoffen wieder einmal und mit Ansage unter Druck. Zum anderen hat das weltweit deutlich risikoscheuere Anlegersentiment die ,,Sexiness‘‘ der Emerging Markets fürs Erste deutlich verringert. Dies bekommt auch Russland zu spüren. Hinzu kommt, dass derweil noch unklar ist, wie viele Corona-Infizierte Russland wirklich hat.

Haupttreiber des Rubelkurses ist aber der Ölpreis, was ein Ergebnis russischer Wirtschaftspolitik ist und weniger davon, dass man umfangreiche Rohstoffvorkommen besitzt.

Hinzu kommt, dass die im Zuge der Ukrainekrise eingeführten Sanktionen weiter auf der russischen Wirtschaft lasten und damit auch den Handel und die Investitionen zwischen der EU und Russland behindern.

Was nun der Coronaschock für die russische Wirtschaft bedeutet, ist zwar noch nicht genau abzuschätzen. Gleichwohl ist die Initiative von Präsident Putin, die Banken sollten den Kleinunternehmen eine Stundung ihrer Zins- und Tilgungszahlungen gewähren. Die damit verbundene Senkung der Gewinnschätzungen dürfte für die Bonität der Banken jedoch noch nicht eingepreist sein und so auf den Aktienkurs drücken.

 

Druck auf die Bonität Russlands

 

Was dies für die Bonität Russlands bedeutet, hat die Ratingagentur Standard& Poor’s schon mal angekündigt. Das russische BBB- ist das niedrigste Investmentgrade-Rating und eine Abstufung dürfte zu einer spürbaren Erhöhung des vom Markt geforderten Zinses bei Neuemissionen führen.

Aktuell wird ein Rückgang des russischen BIP für 2020 von 0,8 % erwartet. Sollte sich das Coronavirus auch in Russland ausbreiten, dürfte dies zusammen mit dem deutlich tieferen Ölpreis schnell eine große Bandbreite von Unternehmen, Konsumenten und Banken unter Druck bringen, welche dann ein Eingreifen des Staates fordern werden. Wie dies aussieht lässt sich in Westeuropa gerade beobachten.

 

Rubel

 

Der Rubel ist bereits Ende Februar 2020 aus seinem Konsolidierungskeil nach oben ausgebrochen, in den er nach seiner massiven Abwertung im Zuge der US-Sanktionen eingetreten war. Neben dieser Konsolidierungsformation hat der Rubel-Wechselkurs gegen den US-Dollar auf Monatscandle-Basis noch einen Widerstand vor sich, der dem Monatsschluss von 76,18 Rubel je US-Dollar vom Januar 2016 entspricht (gestrichelte Horizontale). Ein Monatsschlusskurs über dieser Marke am kommenden Dienstagabend wäre ein bedeutendes Verkaufssignal für den Rubel und dürfte mittelfristig Kurse über 100 Rubel je Dollar nach sich ziehen.

 

Fazit

 

Der russische Rubel befindet sich in einer charttechnisch schwierigen Lage, die allerdings in beachtlichem Umfang fundamentale Ursachen haben. Das derzeit risikoaverse Sentiment erschwert die Lage zusätzlich. Ein charttechnischer Bruch der Marke von 76,18 Rubel je Dollar dürfte mittelfristig Kurse von über 100 Rubel je Dollar zur Folge haben.

 

27.03.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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