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SMA Solar ist wieder mehr als nur eine Solarwette

Der Wechselrichter-Spezialist bekommt Rückenwind aus Nachfrageerholung, Speicherprojekten und der politischen Debatte über chinesische Technik im Stromnetz

NTG24 - SMA Solar ist wieder mehr als nur eine Solarwette

 

Manchmal verschiebt sich eine Börsengeschichte nicht durch eine einzelne Zahl, sondern durch den Rahmen, in dem Anleger sie lesen. SMA Solar kämpfte lange mit Preisdruck, schwacher Nachfrage im Heim- und Gewerbebereich und einem harten Restrukturierungsprogramm. Inzwischen kommt aber ein neuer Faktor hinzu: Wechselrichter werden nicht mehr nur als Solarkomponenten betrachtet, sondern als Teil kritischer Energieinfrastruktur. Genau das verändert die Wahrnehmung der Aktie.

SMA Solar Technology (DE000A0DJ6J9) steht damit an einer interessanten Schnittstelle. Das Unternehmen muss operativ erst noch beweisen, dass der Umbau wirklich trägt. Gleichzeitig spielt dem Konzern eine politische Entwicklung in die Karten, die noch vor wenigen Jahren kaum als Kurstreiber galt. Wenn Europa und die USA stärker über Cybersicherheit, Netzsteuerung und Abhängigkeit von chinesischen Wechselrichtern sprechen, bekommt ein deutscher Anbieter plötzlich eine andere strategische Farbe.

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Das erklärt, warum die Aktie trotz aller Altlasten zuletzt wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit bekam. Am Freitag, dem 3. Juli, schloss der Titel auf Xetra im Bereich von 60 Euro und lag damit klar über den Niveaus des vergangenen Herbstes. Einzelne Kursdaten sollten wegen Handelsplatz und Zeitpunkt nicht überinterpretiert werden, doch die Richtung ist eindeutig: Der Markt handelt bei SMA Solar nicht mehr nur die Erinnerung an die Krise, sondern die Möglichkeit einer echten Neubewertung.

 

Die neue Fantasie kommt nicht aus dem Solarmodul

 

SMA Solar baut keine Module, sondern liefert Wechselrichter, Systemtechnik und Lösungen für Photovoltaik- und Speicheranlagen. Genau diese Position wird derzeit wichtiger. Wechselrichter verbinden Solar- und Batteriesysteme mit dem Stromnetz, steuern Leistung, Kommunikation und Stabilität. Aus Sicht von Netzbetreibern und Politik sind sie damit nicht irgendein austauschbares Bauteil, sondern ein digitaler Zugangspunkt zur Energieinfrastruktur.

Die Debatte über chinesische Wechselrichter in Europa hat diese Dimension zuletzt deutlich gemacht. Nach Reuters-Angaben betreffen EU-Beschränkungen bei öffentlich geförderten Projekten chinesische Anbieter, während zugleich über Kosten, Versorgung und Umsetzungsgeschwindigkeit gestritten wird. Für SMA ist das kein automatischer Auftragseingang. Es ist aber ein politischer Rückenwind, der europäische Lieferfähigkeit, Softwarekontrolle und Netzsicherheit stärker in den Vordergrund rückt.

Gerade darin liegt die Besonderheit des aktuellen Moments. SMA Solar profitiert nicht nur von der Frage, ob mehr Dächer mit Photovoltaik belegt werden. Der Konzern profitiert von der Frage, wer die Schaltstellen einer stärker elektrifizierten Energieversorgung kontrolliert. Das ist eine andere, größere Erzählung als die klassische Solarzyklik.

Für Anleger entsteht daraus allerdings auch ein Risiko. Politische Schutzräume können Margen stützen, sie können aber ebenso schnell Erwartungen überhöhen. Europäische Produkte sind nicht automatisch billiger, schneller verfügbar oder für jedes Projekt die wirtschaftlich beste Lösung. Der Markt bezahlt derzeit ein Stück strategischer Souveränität mit. SMA muss daraus reale Auslastung, Preissetzung und Ergebnisqualität machen.

 

Das erste Quartal war besser, aber noch kein Befreiungsschlag

 

Die Zahlen zum Jahresauftakt lieferten eine solide Grundlage für die neue Aufmerksamkeit. Im ersten Quartal 2026 steigerte SMA Solar den Umsatz um 4,0 % auf 340,9 Mio. Euro. Das operative EBITDA vor Sondereffekten verbesserte sich auf 24,6 Mio. Euro nach 14,7 Mio. Euro im Vorjahr. Einschließlich Einmaleffekten lag das EBITDA bei 26,1 Mio. Euro.

Der Blick in die Q1-Mitteilung von SMA Solar zeigt aber auch, warum die Aktie nicht nur als simple Turnaround-Wette gelesen werden sollte. Der Großteil des Geschäfts kam weiterhin aus Large Scale & Project Solutions. Dort lagen die Erlöse mit 279,5 Mio. Euro auf Vorjahresniveau. Die deutliche Verbesserung kam vor allem aus Home & Business Solutions, wo Umsatz und Ergebnis nach dem schwachen Vorjahr wieder anzogen.

Das ist wichtig, aber noch nicht endgültig. Eine Erholung im Heim- und Gewerbegeschäft kann schnell an Lagerbeständen, Förderbedingungen, Installationskosten und Endkundennachfrage hängen. SMA spricht selbst von einer Stabilisierung seit März und sieht Umsatz sowie operatives EBITDA 2026 inzwischen im oberen Drittel der eigenen Prognosespannen. Diese Spannen bleiben breit: 1,475 Mrd. bis 1,675 Mrd. Euro Umsatz und 50 Mio. bis 180 Mio. Euro EBITDA.

Die Börse hört bei solchen Formulierungen vor allem den optimistischeren Ton. Redaktionell sollte man aber den Abstand zwischen oberem Drittel und belastbarer Ergebnisnormalisierung nicht übersehen. Nach einem schwierigen Jahr 2025 mit hohen Sonderbelastungen ist ein besserer Start wertvoll. Er ist aber noch kein Beweis, dass SMA dauerhaft wieder auf ein attraktives Margenniveau zurückkehrt.

 

Der Auftragspuffer gibt Ruhe, die Restrukturierung bleibt unbequem

 

Ein starker Punkt ist der Auftragsbestand. Zum 31. März 2026 meldete SMA Solar einen Order Backlog von 1,41 Mrd. Euro nach 1,35 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Das verschafft Sichtbarkeit, gerade in einem Markt, der in den vergangenen Jahren von abrupten Nachfrageschwankungen geprägt war.

Dennoch ist der Auftragsbestand kein Freifahrtschein. SMA hat 2025 nicht zufällig ein umfangreiches Restrukturierungs- und Transformationsprogramm verschärft. Der Konzern will bis Ende 2026 insgesamt bis zu 200 Mio. Euro einsparen. Ein wesentlicher Teil soll über Personalmaßnahmen kommen. Solche Programme verbessern mittelfristig die Kostenbasis, zeigen aber kurzfristig auch, wie stark der Druck auf das alte Geschäftsmodell war.

Die Jahreszahlen 2025 erinnern daran, dass der Turnaround aus einer echten Schwächephase kommt. Der Umsatz sank 2025 leicht auf 1,516 Mrd. Euro, das berichtete EBITDA war mit minus 65,4 Mio. Euro klar negativ und wurde durch Wertminderungen, Rückstellungen sowie Restrukturierungsaufwand belastet. Anleger kaufen also nicht nur Wachstum, sondern auch die Hoffnung, dass die Aufräumarbeiten nun genug Wirkung entfalten.

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Der Speicherteil passt besser zur neuen Börsenerzählung

 

Neben klassischen PV-Wechselrichtern rückt das Speicher- und Netzstabilisierungsgeschäft stärker in den Vordergrund. Das ist für SMA strategisch fast wichtiger als die kurzfristige Erholung im Heimsegment. Denn Batteriespeicher, Großanlagen und Netzdienstleistungen passen genau zu jener Infrastrukturdebatte, die der Aktie derzeit zusätzliche Fantasie gibt.

SMA Altenso meldete im Mai die Inbetriebnahme eines selbst entwickelten Großspeichers für MEAG in Metelen. Die Anlage kommt auf 92,5 MW und 231 MWh und soll Regelenergie für Frequenzhaltung und Netzstabilisierung bereitstellen. Zugleich verweist SMA Altenso auf mehr als 2 GW installierte Batteriespeicherkapazität und eine Projektpipeline von über 4,5 GW.

Die Speichermeldung zu Metelen ist deshalb mehr als ein Projektbaustein. Sie zeigt, dass SMA dort sichtbar ist, wo Solar, Speicher und Netzführung zusammenlaufen. In einem Energiesystem mit mehr volatiler Einspeisung werden solche Lösungen wichtiger. Für die Aktie ist das attraktiver als die reine Frage, ob im nächsten Quartal mehr private Wechselrichter verkauft werden.

Gleichzeitig bleibt auch hier die Beweislast konkret. Projektgeschäft kann groß sein, aber es ist nicht automatisch margenstark. Lieferketten, Garantien, Software, Service und Projektabwicklung entscheiden darüber, ob aus einer guten Marktposition auch ein gutes Ergebnisprofil wird.

 

 

 

Der Kurs handelt schon viel Vertrauen

 

Die Aktie hat sich seit den Tiefpunkten des Vorjahres eindrucksvoll erholt. Am Freitag wurde SMA Solar auf Xetra bei rund 60 Euro gesehen, während das im Mai erreichte 52-Wochen-Hoch je nach Quelle im Bereich von gut 70 Euro lag. Damit ist der Titel nicht mehr billig im Sinne einer unentdeckten Krisenaktie. Er handelt bereits eine Mischung aus Turnaround, politischer Unterstützung und Speicherfantasie.

Das macht die Lage anspruchsvoller. Wer SMA Solar jetzt kauft, setzt nicht nur auf bessere Q2- oder Halbjahreszahlen. Er setzt darauf, dass die politische Diskussion über sichere Energieinfrastruktur länger anhält, dass europäische Wechselrichteranbieter daraus tatsächliche Marktanteile gewinnen und dass die Restrukturierung genug Kosten aus dem System nimmt.

Die Gefahr liegt gerade in dieser Verdichtung. Eine gute Geschichte aus Sicherheit, Speicher und Solar kann eine Aktie schnell nach oben tragen. Danach fragt der Markt aber sehr nüchtern nach Bruttomargen, Garantieaufwendungen, Projektprofitabilität, Working Capital und verlässlichen Auftragseingängen. Bei SMA Solar wird der nächste Bewertungsabschnitt deshalb weniger über Schlagworte entschieden als über die Qualität der Ergebnisverbesserung.

 

Aus der Krisenaktie wird ein Infrastrukturtest

 

SMA Solar hat einen Teil der alten Skepsis abgeschüttelt. Die Nachfrage im Heim- und Gewerbebereich stabilisiert sich, der Großanlagenbereich bleibt groß, der Speicherteil liefert sichtbare Projekte und die Politik entdeckt Wechselrichter als sicherheitsrelevante Infrastruktur. Das ist deutlich mehr Stoff, als die Aktie vor einem Jahr hatte.

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Werbebanner EMH PM TradeTrotzdem bleibt der Titel kein Selbstläufer. Die Restrukturierung muss spürbar durch die Gewinn- und Verlustrechnung laufen, die breite Prognosespanne muss mit echten Ergebnissen gefüllt werden und die neue Sicherheitsfantasie darf nicht nur in Überschriften stecken bleiben. Genau deshalb ist SMA Solar derzeit interessant, aber auch empfindlich: Die Aktie hat wieder eine große Geschichte. Nun muss das Unternehmen zeigen, dass sie operativ kleiner, härter und profitabler durchgerechnet werden kann.

 

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04.07.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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