Allem Anschein nach verhandelt Samsung mit seinen Kunden schon über den nächsten saftigen Preissprung bei Speicherchips
Die Anleger werden dennoch vorsichtiger
Schon jetzt haben die Speicherpreise ein Niveau erreicht, bei dem die Schmerzgrenze vieler Endverbraucher längst überschritten wurde. Doch der schier unstillbare Hunger der Rechenzentren nach entsprechenden Chips heizt die Entwicklung weiter an. Eine Entspannung ist weiterhin nicht in Sicht. Stattdessen gibt es Anzeichen dafür, dass die Preise wohl noch weiter anziehen könnten.
Laut einem Artikel von „ZDNet Korea“ befindet sich Samsung (US7960502018) mit seinen Kunden wohl bereits in Verhandlungen für die nächste Preiserhöhung. Dem Bericht zufolge tritt der südkoreanischen Elektronikgigant dabei wohl recht selbstbewusst, sogar regelrecht aggressiv auf. Gefordert werden bei klassischem DRAM wohl deutliche Aufschläge. Beim gerne in Smartphones genutzten LPDDR könnte es sogar Aufschläge von mehr als 20 Prozent geben. Dabei sind die Preise in den letzten Quartalen bereits rasant gestiegen.
Im ersten Quartal erhöhten sich die Preise laut ZDNet um mehr als 90 Prozent; im zweiten Quartal ging es dann noch einmal um 50 bis 60 Prozent aufwärts. Optimisten erkennen immerhin, dass die Preissteigerungen sich etwas verlangsamen. Allerdings passiert das auf einem Niveau, welches manchen Kunden schon jetzt dezent überfordern dürfte. Daher ist auch fraglich, inwieweit das Ganze noch mitgetragen wird. Bisher handelt es sich noch um laufende Verhandlungen und in Stein gemeißelt ist die nächste Preiserhöhung noch nicht.
Samsung mit Gewinnsprung
Wie sehr sich die höheren Speicherpreise für Samsung auszahlen, das ließ sich nun in einem frischen Geschäftsbericht nachlesen. Für das zweite Quartal sagt Samsung einen Betriebsgewinn von umgerechnet etwas mehr als 51 Milliarden Euro voraus. Das wäre mehr als doppelt so viel als der gesamte Gewinn aus dem vorherigen Jahr (nicht Quartal!). Was das für den Nettogewinn bedeuten mag, wird erst Ende Juli mit der Vorlage der vollständigen Quartalszahlen geklärt werden.
In jedem Fall verdient Samsung schon jetzt prächtig und eine weitere Preiserhöhung würde die Margen in der Theorie weiter steigen lassen. Die Anleger wollen das aber nicht mehr einfach abfeiern, vielleicht auch aufgrund einer Klage in den USA gegen die Speicherhersteller. Vorgeworfen wird Samsung, SK Hynix und Micron, das Angebot künstlich verknappt zu haben, um auf diesem Wege höhere Preise verlangen zu können. Die Unternehmen sehen das Ganze natürlich etwas anders.
Die brachialen Steigerungen beim Gewinn führt Samsung, wenig überraschend, auf das lukrative Geschäft mit Speicherchips für Kunden aus dem KI-Bereich zurück. An den Märkten stellt sich allerdings immer mehr die Frage, wie nachhaltig dies sein mag. Der Blick richtet sich vermehrt in eine Zukunft, in der die Kapazitäten steigen und die Nachfrage vielleicht wieder etwas nachlassen könnte. Neue Rekordzahlen wurden da nicht als Kaufargument verstanden. Vielmehr nahmen die Anteilseigner am Dienstag Gewinne mit und ließen die Aktie bis zum Nachmittag in Korea um knapp zehn Prozent auf 287.000 Won purzeln.
Der Preis ist heiß
Viel schiefgehen kann für Samsung eigentlich nicht, solange Speicherchips weiterhin derart stark gefragt sind und die Hyperscaler scheinbar überhaupt nicht auf die Preise schauen. Gleichwohl beschleicht die Börsianer das ungute Gefühl, dass die Entwicklung der vergangenen Monate nicht ewig so weitergehen kann. Manch einer bereitet sich schon frühzeitig auf ein Ende bzw. ein Abschwächen der enormen Preissteigerungen vor. Damit verbunden ist auch die Frage, ob die Bewertungen im Segment nicht schon längst zu weit getrieben wurden.
Mit Sicherheit feststellen lässt sich das weiterhin nicht. Die Vergangenheit mahnt zur Vorsicht, da das Speichergeschäft stets eine extrem zyklische Angelegenheit war. Allerdings schließen die Hersteller heute auch vermehrt langfristige Verträge, was teils über Jahre hinweg hohe Verkaufspreise und damit mehr Planungssicherheit mit sich bringt. Aller Voraussicht nach werden die Gewinne im Segment im laufenden und vermutlich auch im nächsten Jahr noch sprudeln. Die Börse beschäftigt sich aber schon längst damit, wie es ab 2028 weitergehen mag.
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07.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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