Kurz vor einem geplanten Streik bei Samsung soll es noch einmal neue Verhandlungen geben
Kann der Streik bei Samsung noch verhindert werden?
Dank des Chip-Booms konnte Samsung seinen Gewinn im ersten Quartal um den Faktor 8 steigern und ein Ende scheint nicht in Sicht zu sein. Die Betreiber von KI-Zentren bekommen einfach nicht genug und kaufen munter alles auf, was bei den Südkoreanern und der Konkurrent vom Band läuft. Dafür werden dann auch noch üppige Margen gezahlt. Samsung hat das Luxusproblem, mit der Produktion gar nicht hinterherzukommen.
Das weckt allerdings auch Begehrlichkeiten. Die eigenen Mitarbeiter tragen einen enormen Anteil zum Erfolg des Unternehmens bei. Nun würden sie daran auch gerne mehr beteiligt werden. Gefordert wird eine Erhöhung der Grundgehälter um sieben Prozent und darüber hinauf die Verteilung von 15 Prozent des jährlichen operativen Gewinns als Boni für die Beschäftigten. Das jedoch lehnt Samsung (US7960502018) ab und verweist darauf, dass dadurch künftige Investitionen und Ausschüttungen an die Aktionäre gefährdet seien.
Besonders letzteres Argument verfängt auf Seiten der Arbeitnehmer nicht allzu sehr. Eine Einigung im Konflikt war bis zuletzt nicht absehbar. Daher sollte in dieser Woche ein dreiwöchiger Streik stattfinden, und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sollte die Belegschaft bei Samsung tatsächlich ihre Arbeit niederlegen, würde es die ohnehin schon bestehende Chipkrise noch weiter verschärfen.
Samsung will zurück zum Verhandlungstisch
Als größter Chipproduzent auf dem Planeten hat Samsung eine überragende Bedeutung für die südkoreanische Wirtschaft. Daher hat auch die Regierung bei dem Tarifkonflikt ihre Finger im Spiel. Mit deren Unterstützung in Form eines Vermittlers sollen Medienberichten zufolge am heutigen Montag die Verhandlungen wohl erneut aufgenommen werden. Außerdem kam Samsung dem Wunsch der Gewerkschaft nach, den Verhandlungsführer auszutauschen.
Kleinere Anzeichen der Annäherung scheint es also zu geben und das führt natürlich zur Hoffnung, dass der Streik von schätzungsweise 45.000 Angestellten sich vielleicht noch verhindern lässt. Allerdings hat sich bei den hauptsächlichen Streikpunkten nur wenig getan. Noch dazu sitzen die Arbeitnehmer klar am längeren Hebel. Analysten schätzen, dass ein Ausstand bei Samsung den operativen Gewinn um über 20 Milliarden US-Dollar drücken könnte.
Allzu üppige Geschenke könnten aber auch die Aktionäre vergraulen, welche es vor dem Wochenende ohnehin schon ein wenig mit der Angst zu tun bekamen. Die fulminante Rallye der letzten Wochen und Monate erlebte aufgrund von Inflations- und Zinssorgen einen kleinen Knick. Die Börsianer nahmen im Chipsegment fleißig Gewinne mit. Im Fall von Samsung drückte dies den Kurs an den hiesigen Märkten um 6,3 Prozent auf 2.605 Euro. Das war der höchste Tagesverlust seit Wochen.
Der Druck ist groß
Eingewirkt wird auf das Management von Samsung mittlerweile aus mehreren Richtungen. Nicht umsonst äußerte sich sogar der Vorsitzenden Jay Y. Lee und entschuldigte sich öffentlich bei der eigenen Kundschaft für die Probleme im eigenen Unternehmen. Unzufrieden könnten große Kunden wie Nvidia und Google sein. Mehrere Vertreter der Regierung ließen derweil wissen, dass ein Streik unter allen Umständen verhindert werden müsse. Dementsprechend darf damit gerechnet werden, dass es zu Beginn der neuen Woche noch einmal heiß hergehen wird.
Geplant ist der Beginn des Streiks für den 21. Mai, also den kommenden Donnerstag. Bis dahin bleibt also noch Zeit, um sich irgendwie einig zu werden. Aus Anlegersicht ist es wahrscheinlich vernünftig, zumindest mit einigen Zugeständnissen an die Arbeitnehmerseite zu rechnen. Das wäre auch nicht das Ende der Welt. Beim Konkurrenten SK Hynix werdend die Arbeitnehmer an den astronomischen Gewinnen ebenfalls beteiligt und am Hungertuch nagen dort weder Vorstände noch Aktionäre. Dennoch wird Samsung freilich feilschen. Zu hoffen ist, dass man irgendwie zueinanderfindet, bevor die Situation letztlich eskaliert. Das wäre für alle Seiten das denkbar schlechteste Szenario.
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18.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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