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Schweizer Franken – Ruhe vor dem nächsten Sturm?

Der Schweizer Franken hat noch lange nicht fertig

NTG24 - Schweizer Franken – Ruhe vor dem nächsten Sturm?

 

Der Schweizer Franken entwickelt sich in den letzten Monaten eher mit niedriger Volatilität. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass dies nicht der zu erwartende Durchschnittszustand ist. Außerhalb der ,,Interventionsphase‘‘ zwischen der Eurokrise 2011 und dem Scheitern des Euro-Mindestkurses von 1,20 Franken zeigt sich eine wesentlich höhere ,,Windstärke‘‘ sowohl gegen den Euro als auch gegen den US-Dollar. Es könnte sich lohnen, dies in seine strategischen Anlageüberlegungen einzubeziehen.

Die derzeitige Seitwärtsbewegung des Schweizer Franken gegen den Euro könnte einige Investoren zur Annahme verführen, dass es auf dem Meer der Weltwährungen ruhig ist. Je nachdem, wohin man das Fernrohr hält, sieht man relative Windstille. Passend dazu steigen die Aktien weiter und der VIX, der Volatilitätsindex auf den S&P 500, lag in der vergangenen Woche im Tief wieder bei 15.

Aber die Windstille ist keine hinreichende Bedingung für ruhige Gewässer. Zudem sagt eine ruhige Oberfläche noch wenig darüber aus, welche Tiefenströmungen, sprich ,,Money Flows‘‘, mit welcher Dynamik vonstattengehen.

Seit dem Schwindsuchtsanfall des Euro im Jahr 2011, welcher zur Verabreichung der kognitiven Vertrauens-Reserve-Antibiotikums ,,Whatever it takes‘‘ durch den damaligen EZB-Chef und heutigen Ministerpräsidenten Italiens Draghi führte, liegt der Euro gegen den Schweizer Franken ,,netto‘‘‘ also nach den Effekten der massiven Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der EZB auf dem etwa gleichen Niveau, aber weiterhin unterhalb des Verteidigungswalls von 1,20 Franken je Euro, den die SNB bis zum denkwürdigen 15.01.2015 gehalten hatte.

Der Bruch dieser Marke zeigte, dass man mit Interventionen in freie Märkte mittelfristig gegen Windmühlen kämpft. Die folgende Zwischenerholung endete im April 2018 an eben diesem ehemaligen Verteidigungswall.

 

 

Inzwischen zeigt die Charttechnik eine fortgeschrittene Konsolidierung, deren geringe Schwankungsintensität ebenso wie der VIX nicht über die ,,Bruttobewegungen‘‘ hinwegtäuschen sollte, die unter der Oberfläche des ,,Nettosaldos‘‘ ablaufen.

Chart 2 zeigt, dass der Euro zu Beginn der Corona-Krise Anfang 2020 mit extrem hohen Umsätzen verkauft wurde. Dass die Preisbewegung nicht stärker ausfiel, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit an den erneuten Interventionen der Zentralbanken zugunsten des Euros und gegen den Schweizer Franken gelegen haben.

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Werbebanner Trading SeminarDiese kritische Phase, eine Krisensituation, lässt aber auch die wahren Präferenzen der Investoren erkennen. Damit lautet die bestehende und mehrfach bestätigte Vermutung, dass der Franken eine klassische Fluchtwährung ist.

Der Franken hat gegen den Euro nach oben in dieser Darstellung einen Spielraum bis zu der mentalen Handlungsschwelle 1,20 Franken je Euro. Darüber könnte es zu einem plötzlichen Anstieg in eine Aufwertung des Euros kommen.

Nach unten besteht bis 1,05 Franken je Euro ebenfalls Spielraum. Dieser sollte aber als ,,Netto-Spielraum‘‘ betrachtet werden, denn das Scheitern von notenbankseitig verkündeten Mindestpreisen ist schließlich auch ,,netto‘‘.

 

 

Ein vergleichender Blick auf die Entwicklung des Franken gegen die Weltreservewährung US-Dollar zeigt zudem, dass die eigentliche Reserve-Währung zumindest aus Sicht der Wertstabilität der Schweizer Franken ist.

Die Probleme des Euros führten auch in der Cross-Rate USDCHF zu einem Aufwertungsimpuls für den Franken. Gegen den US-Dollar läuft der Franken nun seit den Turbulenzen im Jahr 2011 auch in einer Seitwärtsbewegung.

 

 

Aber auch hier sollte man sich von der scheinbaren Ruhe an der Oberfläche des Währungs-Paares nicht dazu verführen lassen, diese zu lange in die Zukunft zu verlängern. Denn wie Benoir Mandelbrot, einer der großen Pioniere der Kapitalmarktforschung, in seinem Buch ,,The Misbehaviour of Markets‘‘ schon nachgewiesen hat, ist die Volatilität von Währungen bei einem Blick in die Währungsgeschichte viel größer als dies die Standardmodelle suggerieren.

Dies weist also auch darauf hin, dass zumindest bei freier Preisbildung, die Volatilitäts-Ausbrüche nicht nur viel häufiger sind als angenommen, sondern auch das generalisierte Vertrauen in die Marktmacht der intervenierenden Notenbanken größer ist als historisch gerechtfertigt!

 

Und was ist das Fazit?

 

Der Schweizer Franken besitzt hohes Fluchtpotenzial, da das ihm zugeschriebene generalisierte Vertrauen vor allem bei krisenhaften Zuspitzungen an den Kapitalmärkten zum Tragen kommt. Die derzeitige relativ ruhige Seitwärtsbewegung sollte dabei nicht über die Dynamisierungs-Risiken von Kapitalflüssen und dem daraus folgenden Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken hinwegtäuschen.

 

14.06.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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