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Siemens Energy hebt erneut die Prognose an

Rekordaufträge, starker Cashflow und ein beschleunigter Aktienrückkauf reichen den Anlegern nicht für neue Euphorie<

NTG24 - Siemens Energy hebt erneut die Prognose an

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Siemens Energy lieferte am Dienstag eigentlich genau das, was Anleger gerne sehen. Der Energietechnikkonzern meldete Rekordaufträge, hob die Jahresprognose an und will den laufenden Aktienrückkauf beschleunigen. Trotzdem geriet die Aktie unter Druck. Das zeigt einmal mehr, wie hoch die Erwartungen an den einstigen Problemfall inzwischen geworden sind.

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Siemens Energy (DE000ENER6Y0) zählte am Dienstag trotz starker Zahlen zu den schwächeren DAX-Werten. Im Xetra-Handel bewegte sich die Aktie im Bereich um 170 Euro und damit spürbar unter dem Niveau des Vortages. Am grundsätzlichen Bild ändert das aber wenig: Die Zahlen waren stark, die Kursreaktion fiel dennoch ernüchternd aus.

Dabei konnte Siemens Energy für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 gleich mehrere Ausrufezeichen setzen. Der Auftragseingang erreichte mit 17,7 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Der Auftragsbestand stieg auf 154 Milliarden Euro und bietet damit eine enorme Sichtbarkeit für die kommenden Jahre. Der Umsatz legte laut Unternehmensangaben auf vergleichbarer Basis um 8,9 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro zu. Auch beim Ergebnis zeigte sich eine deutliche Verbesserung.

 

 

 

Die Auftragslage bleibt beeindruckend

 

Besonders stark präsentierte sich erneut das Geschäft mit Gas- und Netztechnik. Die Nachfrage aus den USA spielte dabei eine wichtige Rolle. Der Boom bei Rechenzentren und KI-Infrastruktur erhöht den Bedarf an leistungsfähiger Stromversorgung, Turbinen, Netzkomponenten und Transformatoren. Genau hier sitzt Siemens Energy mit seinen Geschäftsfeldern Gas Services und Grid Technologies an einer strategisch günstigen Stelle.

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Werbebanner Großbritannien Gold Das Book-to-Bill-Verhältnis lag im zweiten Quartal bei 1,72. Siemens Energy holte also deutlich mehr neue Aufträge herein, als im Quartal an Umsatz verbucht wurde. Für Anleger ist das grundsätzlich ein starkes Signal, denn es spricht für eine anhaltend hohe Auslastung und für gute Planungssicherheit. Auch der Free Cashflow vor Steuern entwickelte sich mit 1,975 Milliarden Euro ausgesprochen robust.

Das Management nutzte die starke Entwicklung, um die Prognose für das laufende Geschäftsjahr erneut anzuheben. Erwartet wird nun ein vergleichbares Umsatzwachstum von 14 bis 16 Prozent. Die Ergebnismarge vor Sondereffekten soll zwischen 10 und 12 Prozent liegen. Beim Nettogewinn rechnet Siemens Energy inzwischen mit rund vier Milliarden Euro. Der Free Cashflow vor Steuern soll sogar auf rund acht Milliarden Euro steigen.

 

Der Aktienrückkauf wird beschleunigt

 

Zusätzlichen Rückenwind hätte eigentlich die Ankündigung liefern können, den Aktienrückkauf zu beschleunigen. Siemens Energy will im laufenden Jahr nun bis zu drei Milliarden Euro in eigene Aktien stecken. Bislang waren für das Geschäftsjahr zwei Milliarden Euro vorgesehen. Das Gesamtvolumen des im vergangenen November angekündigten Programms von bis zu sechs Milliarden Euro bis 2028 bleibt unverändert.

Ein solcher Schritt ist durchaus bemerkenswert. Noch vor wenigen Jahren stand Siemens Energy wegen der Probleme bei Siemens Gamesa selbst unter erheblichem Druck. Inzwischen spricht der Konzern wieder über Milliardenrückkäufe und steigende Ergebnisziele. Aus Sicht der Unternehmensentwicklung ist das eine eindrucksvolle Wende. An der Börse wird diese Wende allerdings längst nicht mehr als Überraschung gehandelt.

 

Die Messlatte ist inzwischen sehr hoch

 

Genau darin liegt das Problem. Siemens Energy hat sich in den vergangenen Jahren von einem Sorgenkind zu einem der großen Gewinner im DAX entwickelt. Die Aktie vervielfachte sich, weil Anleger die Sanierung von Siemens Gamesa, die starke Nachfrage nach Netztechnik und den Energiehunger von KI-Rechenzentren immer höher bewerteten. Nach einer solchen Rallye reichen selbst gute Zahlen nicht mehr automatisch aus, um neue Begeisterung auszulösen.

Hinzu kommt, dass nicht jedes Detail der Zahlen perfekt ausfiel. Der Umsatz blieb hinter einigen Markterwartungen zurück, und auch beim Ergebnis vor Sondereffekten hatten manche Beobachter offenbar noch etwas mehr erwartet. Das ist kein Beinbruch, zeigt aber, wie fein die Börse inzwischen zwischen guter operativer Entwicklung und bereits eingepreister Euphorie unterscheidet.

 

Siemens Gamesa bleibt ein Prüfstein

 

Ein weiterer Punkt bleibt Siemens Gamesa. Zwar hat sich die Lage beim Windkraftgeschäft deutlich verbessert, und Siemens Energy spricht weiterhin davon, dass der Bereich den Weg in Richtung Break-even fortsetzt. Ganz verschwunden sind die alten Risiken aber nicht. Die Windtochter war lange der entscheidende Belastungsfaktor für den Konzern und wird von Anlegern deshalb besonders aufmerksam beobachtet.

Solange Gas Services und Grid Technologies derart stark laufen, kann Siemens Energy Schwankungen im Windgeschäft besser abfedern. Trotzdem dürfte der Markt erst dann wirklich entspannter auf Siemens Gamesa blicken, wenn die Sanierung dauerhaft in den Zahlen sichtbar wird. Bis dahin bleibt der Bereich ein Grund, warum Anleger trotz starker Konzernzahlen nicht jedes Risiko ausblenden.

 

Starkes Unternehmen, anspruchsvolle Aktie

 

Operativ hat Siemens Energy am Dienstag viel geliefert. Rekordaufträge, hohe Liquidität, ein angehobener Ausblick und ein beschleunigter Aktienrückkauf sprechen klar für die aktuelle Stärke des Unternehmens. Die Kursreaktion zeigt aber, dass die Aktie inzwischen anders bewertet wird als noch in der Sanierungsphase. Aus einem Turnaround-Papier ist ein hoch bewerteter Wachstumstitel geworden.

Wer bereits investiert ist, kann die starke operative Entwicklung weiter beobachten. Nach der enormen Kursrallye sollten Anleger aber nicht davon ausgehen, dass jede gute Nachricht automatisch neue Höchststände auslöst. Für Neueinsteiger drängt sich nach den jüngsten Bewegungen kein blinder Einstieg auf. Siemens Energy bleibt spannend, aber die Aktie verlangt inzwischen deutlich mehr Disziplin als noch vor einigen Jahren.

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12.05.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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