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Kommt Silber aus dem Goldschatten?

Silber(noch)im Stealth-Modus

 

Im Vergleich zu Gold führte Silber in den letzten Jahren, vor allem aber nach dem Absturz im Jahr 2013 ein regelrechtes Schattendasein. Von seinem Hoch bei 49,83 Dollar im April 2013 ging Silberpreis in einen langen Sinkflug mit diversen Luftlöchern über, der die Nerven der Investoren oftmals überstrapazierte.

Dies ließ die meisten Anleger auch vergessen, welche deutlich bessere Wertentwicklung Silber zuvor gegenüber Gold gezeigt hatte. Denn wie ein Vergleich von Gold mit Silber über die letzten 10 Jahre zeigt, fiel zwar Gold in der Herzinfarkt-Phase der Finanzkrise 2008/2009 nicht so stark und drehte danach auch eher als Silber wieder nach oben. Dies sollte jedoch nicht den Blick darauf verstellen, dass Silber ab August 2010 diesen Rückstand innerhalb einiger Wochen wieder aufholte und sich danach deutlich stärker als Gold entwickelte. Dabei erreichte es sein Zyklushoch auch eher. Während Silber dies im April 2011 bildete, erreichte Gold sein Zyklushoch und neues Allzeithoch im September 2011.

 

Vergleich Gold gegen Silber

 

Das Ausmaß der Outperformance verdeutlich das Gold-Silber-Ratio im zweiten Chart. Es betrug im Oktober 2008 in der Spitze 89,59, als Silber in der Liquidationsphase der Finanzkrise auch stärker fiel als Gold. Als Silber sich dann bis April 2011 deutlich besser als Gold entwickelte, fiel das Gold-Silber-Ratio dann bis April 2011 auf 30,47.

Dies bedeutet, dass sich Silber in den 2 ½ Jahren von Oktober 2008 bis April 2011 drei Mal besser entwickelte als Gold! Sollte sich eine ähnliche Konstellation erneut ergeben, so ist es sinnvoll, bereits jetzt über die Konsequenzen für die eigene Anlagestrategie nachzudenken.

 

Förder-Ratio versus Preis-Ratio

 

Denn seither ist das Gold-Silber-Ratio wieder auf ein Niveau gestiegen, auf welchem es sich auch schon in der Finanzkrise 2008/2009 befand. In der bisherigen Spitze im Juli 2019 betrug es wieder 93,46. Für eine Unze Gold bekam man also mehr als 93 Unzen Silber.

Zur Erinnerung: Das Förderratio, also das Verhältnis von geförderter Goldmenge zu geförderter Silbermenge, liegt zwischen 9:1 und 12:1. Und die Notenbanken haben nach der endgültigen Entmonetarisierung von Silber auch, anders als bei Gold, seither keine nennenswerten Reserven an Silber aufgebaut. Nimmt man nun noch den Umstand hinzu, dass zu aktuellen Preisen ein Recycling eines hohen Anteils an industriell genutzten Silbers nicht wirtschaftlich ist, erkennt man: Ökonomisch ist Silber in viel größerem Umfang als Gold einfach ,,weg‘‘. Und man fragt sich unweigerlich: Wie kann ein Metall, welches sechs bis acht Mal schneller abgebaut wird als es kostet, auf Dauer zu solch einem massiven Preisabschlag gehandelt werden? Man darf wohl vermuten, dass sich ohne die Terminmärkte ein deutlich anderes Bild ergäbe als das aktuelle.

 

Gold-Silber-Ratio

 

Wie auf dem dritten Chart ersichtlich wird, überwand Silber im Juni 2014 erstmals seinen seit 2011 laufenden, steilen Abwärtstrend und tröpfelte von oben an ihm entlang, bis es im Dezember 2015 nach einem Verlust vom Hoch des Jahres 2011 aus gerechnet von 72,6 % sein Zyklustief erreichte. Die darauf folgende erste Gegenbewegung ließ viele Edelmetall-Minenaktien enorme Gewinne einfahren. Silber selbst bildete im Juli 2016 aber mit 21,13 Dollar die Nackenlinie eines ausgedehnten Doppelbodens. Dabei wurde im August 2019 die seit August 2013 laufende Abwärtstrendlinie überwunden. Seither ist Silber technisch zwischen diesem Aufwärtsimpuls und den massiven Widerständen aus der langen Seitwärtsbewegung ,,eingeklemmt‘‘.

 

Silber langfristig

 

Fazit

 

Dies ändert aber nichts an der Ausgangslage, welche es gerade für antizyklische Investoren interessant macht: Die strukturelle Trendumkehr manifestiert sich in seinem ausgedehnten Doppelboden und seiner hier nicht näher dargelegten fraktalen Struktur. Mit dem Überwinden der Marke von 21,13 Dollar, der Nackenlinie der Umkehrformation, wäre dieser ausgedehnte Doppelboden abgeschlossen und würde ein massives Kaufsignal generieren. Dann wäre es durchaus möglich, dass sich die Geschichte plötzlich wieder ,,reimt‘‘ auch wenn sie sich nicht genau so wie 2008 wiederholen dürfte. Die Aussichten für Silber sind aus genannten Gründen gerade für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont und sehr guten Nerven vielversprechend.

 

13.01.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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