Sony verabschiedet sich von Discs, Microsoft setzt die Kettensäge bei Xbox an, Nintendo erhöht derweil Gehälter und Take-Two stellt sich auf Rekordumsätze ein
Im Videospielesegment deuten sich historische Entwicklungen an
Videospiele haben in den vergangenen drei Jahrzehnten einen beispiellosen Aufstieg durchlebt. Die Umsätze ließen jene von Hollywood längst hinter sich. In Sachen Entertainment hat sich aus einer Nische heraus die größte Sparte überhaupt entwickelt. Das hinterließ auch an der Börse Spuren. Doch bereits seit einer Weile ist die Begeisterung verloren gegangen und das Wachstum kann nicht mehr recht überzeugen.
Für Sony (JP3435000009) ging es bei der PlayStation zuletzt sogar sichtlich abwärts, zumindest hinsichtlich der Absatzzahlen der Konsolen. Nach mehreren Preissteigerungen lassen die Kunden die Hardware vermehrt im Regal liegen. Daran wird sich so schnell auch kaum etwas ändern. Sony ist daher vor allem bemüht darum, die Margen auf möglichst hohem Niveau zu halten. Warum also nicht einfach mal den Gebrauchtmarkt eliminieren?
Genau das wird wohl im Jahr 2028 passieren. Denn wie Sony mitteilen ließ, endet die Produktion physischer Discs für neue Spiele im Januar 2028. Das betrifft explizit auch Spiele von Drittherstellern. Ableiten lässt sich daraus, dass die PlayStation 6 nur noch ohne Laufwerk zu haben sein wird. Im Netz sind die Spieler davon wenig begeistert und auch die Anleger verfallen nicht in Jubelstürme. Die Sony-Aktie gab am Mittwoch um 0,9 Prozent auf 3.250 Yen nach.
Microsoft holt den Vorschlaghammer raus
Bei Microsoft (US5949181045) scheint die Hütte regelrecht zu brennen. Die Verkaufszahlen der Xbox sind kaum noch der Rede wert und bei den Kosten soll wohl radikal gespart werden. Es verdichten sich Hinweise auf die Schließung von Studios und Entlassungen in einem historischen Ausmaß. Hunderte, wenn nicht Tausende Entwickler stehen wohl vor einem Abschied.
Microsoft selbst wollte das bisher zwar nicht bestätigen. Allerdings kommen entsprechende Meldungen mittlerweile aus einer Vielzahl von verlässlichen Quellen. Betroffen sind allem Anschein nach vor allem kleinere Studios mit Nischentiteln. Zugpferde wie „Halo“, „Gears of War“ oder „Forza“ werden hingegen weiterhin gepflegt. Microsoft scheint keine Experimente mehr eingehen zu wollen und sich bei Xbox stattdessen auf etablierte und bekannte Marken zu verlassen. Allerdings kann genau das in der Branche auch schon mal nach hinten losgehen.
Nintendo erhöht Gehälter
In eine vollkommen andere Richtung geht es hingegen bei Nintendo (JP3756600007). Entlassungswellen wurden in Kyoto seit Jahrzehnten nicht verkündet. Nicht einmal nach dem kolossalen Flop der Wii U war so etwas zu beobachten. Mit höheren Kosten hat Nintendo zwar ebenfalls zu kämpfen. Dennoch berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf Aussagen von CEO Schuntaro Furukawa bei der Hauptversammlung, dass die Gehälter durch die Bank steigen sollen.
Pauschal soll es zehn Prozent mehr geben. Nintendo sieht es als elementar für das langfristige Wachstum an, die eigenen Talente bei Laune zu halten. Der Erfolg gibt dem Super-Mario-Konzern bisher Recht; die Switch 2 knackte bereits manchen Rekord. Die Anleger haben allerdings noch immer ihre Zweifel, was die Zukunft bringen mag. Die Nintendo-Aktie notierte gestern zu Handelsschluss bei 6.980 Yen und damit gut ein Drittel tiefer als zu Jahresbeginn.
Take-Two reibt sich die Hände
Während die Gaming-Branche insgesamt immer heftiger kriselt, stellt sich Take-Two (US8740541094) schon mal auf neue Rekorde ein. Denn der Publisher hat mit GTA 6 ein gigantisches Ass im Ärmel. Die allermeisten Analysten und im Prinzip auch jeder andere gehen davon aus, dass im November der größte Spiele-Launch aller Zeiten ansteht. Für das entsprechende Quartal sieht die Konsensschätzung Umsätze von schwindelerregenden 3,28 Milliarden US-Dollar voraus.
Manch einer hofft auch darauf, dass GTA 6 die Branche wieder etwas beleben kann und die Verkäufe von Konsolen anziehen mögen. Ob dieses Kunststück gelingen wird, bleibt noch abzuwarten. Dass sich GTA 6 für Take-Two lohnen wird, ist aber so gut wie sicher. Genau darauf stellen sich auch die Aktionäre ein, welche den Aktienkurs in den letzten vier Wochen um etwas mehr als zehn Prozent bis auf 250,32 Dollar am Mittwoch in die Höhe beförderten.
In Bewegung
Letztlich lässt sich beobachten, dass die Entwicklungskosten und -dauer moderner AAA-Videospiele aus dem Ruder gelaufen sind. Das scheint in vielen Fällen nicht mehr tragbar zu sein, was bisher ungeahnte Marktverschiebungen loszutreten scheint. Wo all das enden mag und wie die Kunden damit umgehen mögen, steht in den Sternen. Einstellen können Anleger sich aber schon mal darauf, dass die Gaming-Welt in einigen Jahren anders aussehen wird als heute, und das nicht nur wegen GTA 6.
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02.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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