Sony macht die PlayStation teurer, Netflix erhöht in den USA die Abo-Preise, bei Mondelez bleibt Schokolade teuer und für Shell sowie andere wird es etwas ungemütlicher
Erleben wir bereits die Rückkehr der Turbo-Inflation?
Experten warnen seit Wochen davor, dass der Irankrieg sich als Preistreiber für Energie, und damit letztlich für so ziemlich alles andere erweisen dürfte. An der Tankstelle ist das Ganze längst angekommen. Langsam zeigt sich, dass Verbraucher auch anderswo (sehr viel) tiefer in die Tasche greifen müssen. Dabei ist ein schnelles Ende nicht in Sicht und laut einem Bericht der „Washington Post“ basteln die USA wohl sogar schon an einer Bodenoffensive. Doch der Irankrieg ist nicht der einzige Preistreiber.
Bei der PlayStation von Sony (JP3435000009) dürften explodierende Speicherpreise ein wesentlich größerer Faktor sein. Aufgrund der Inflation der letzten Jahre erhöhte der japanische Konzern den Preis der Spielekonsole bereits zwei Mal, was im krassen Gegensatz zu vorherigen Generatonen steht. Nun folgt der dritte Streich, und das gleich im ganz großen Stil. Auf dem hauseigenen Blog informierte Sony über Preisänderungen für sämtliche Varianten aktueller PS5-Konsolen.
Die Preiserhöhungen greifen weltweit. Hierzulande gilt für die Standard-Variante der PS5 ab 2. April eine UVP von knapp 650 Euro. Zuvor waren es 550 Euro und zum Launch im Jahr 2020 500 Euro. Die digitale Edition ohne Disc-Laufwerk soll für 600 statt zuvor 500 Euro zu haben sein. Wer mehr Grafikleistung möchte, muss für die PS5 Pro künftig 900 statt 800 Euro auf den Tisch legen. Sony dürfte mit dem Schritt seine Margen sichern wollen, doch Anleger fürchten um die Absätze. Die Aktie gab am Freitag leicht um 0,6 Prozent auf 19,91 US-Dollar nach und notierte dort rund 22 Prozent tiefer als zu Jahresbeginn.
Netflix dreht wieder an der Preischraube
Nach der geplatzten Übernahme von Warner Bros. spekulierten Analysten bereits darüber, dass Netflix (US64110L1061) nun die nächste Preiserhöhung in Angriff nehmen könnte, da keinerlei Blicke von Aufsichtsbehörden mehr befürchtet werden müssen. Genau dazu kommt es nun auch. In den USA erhöht Netflix das Standard-Abo mit Werbung um einen Dollar monatlich. Die höheren Stufen verteuern sich um jeweils zwei Dollar.
Mindestens neun Euro müssen die Kunden nun jeden Monat zahlen, um sich weiterhin Serien wie „Squid Game“ genehmigen zu können. Wer die höchste Auflösung bevorzugt und sich von Werbung nicht stören lassen möchte, darf sogar satt 25 Dollar im Monat an Netflix abdrücken. Auch hier gibt es natürlich Spekulationen darüber, wie sich das Ganze auf die Nutzerzahlen auswirken mag. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren aber, dass Preiserhöhungen dem Wachstum von Netflix bislang nicht im Wege standen. Der Aktienkurs konnte am Freitag in einem schwachen Handel minimal bis auf 93,43 Dollar zulegen.
Mondelez: Teure Ostern
Schon seit Längerem steil aufwärts geht es mit den Preisen des Süßwaren-Konzerns Mondelez (US6092071058). Obschon die Kakaopreise wieder massiv gefallen sind, erhöhte der Hersteller auch in diesem Jahr die Preise für seine Schoko-Osterhasen der bekannten Marke Milka. Verbraucherschützer rechneten nun vor, dass der Preis sich seit 2020 in etwa verdoppelt hat. Der Konzern begründet das Ganze mit langfristigen Lieferverträgen, durch die sich höhere Kakaopreise noch immer auswirken würden.
Bereits im Weihnachtsgeschäft zeigte sich allerdings, dass viele Verbraucher das Spielchen nicht länger mitspielen wollen. Wachstum beim Umsatz konnte nicht mehr durch die Absatzmenge, sondern einzig durch Preiserhöhungen erreicht werden. Analysten stehen der Mondelez-Aktie zwar wieder freundlicher gegenüber und es gab zuletzt sogar Kaufempfehlungen mitsamt hohen Kurszielen. Die Anteilseigner zweifeln aber noch. Die Mondelez-Aktie ging mit 50,92 Euro ins Wochenende und damit ungefähr auf dem Niveau von Ende Oktober.
Shell im Visier der Politik?
Der eingangs erwähnte Irankrieg hat die Ölpreise regelrecht explodieren lassen, was Konzerne wie Shell (GB00BP6MXD84) natürlich direkt an die Verbraucher weiterreichten. Geht es nach den Kritikern, haben die Mineralölkonzerne es dabei vielleicht auch etwas zu weit getrieben. Um die Preiserhöhungen wenigstens etwas zu begrenzen, beschloss der Bundestag nun noch vor Ostern ein neues Gesetz, welches täglich lediglich eine Preiserhöhung um 12 Uhr erlaubt. Preissenkungen bleiben weiterhin den ganzen Tag über möglich.
Da die Preise bereits kräftig gestiegen sind, erwarten viele nur geringe Effekte durch das neue Gesetz. In Berlin wird daher bereits über weitere Maßnahmen nachgedacht. Die SPD etwa scheint sich eine Übergewinnsteuer vorstellen zu können. All das könnte die Margen von Shell und Co. ein wenig schmälern. Doch es bleibt dabei, dass die Kasse klingeln, solange der Ölpreis hoch bleibt bzw. weiter steigt. Dementsprechend ging die Aktie mit 40,13 Euro knapp unterhalb des 52-Wochen-Hochs und rund zwölf Prozent höher als vor Beginn des Irankriegs ins Wochenende.
Unschöne Aussichten
Die Einschläge kommen näher und die Preise galoppieren derzeit längst nicht nur an der Zapfsäule. Ob das bereits die ersten Anzeichen für eine weitere Phase hoher Inflation sind, darüber lässt sich streiten. Sollten die Börsianer dies aber so interpretieren, dürfte es die Stimmung weiter senken. Denn jedes Anzeichen einer höheren Inflation verstärkt auch Sorgen um wieder höhere Zinsen. Es könnte an den Märkten daher ungemütlich bleiben.
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29.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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