Nur kurz nach der Ankündigung, ab 2028 keine PlayStation-Spiele mehr auf Disc zu veröffentlichten, streicht Sony den Zugriff auf hunderte Filme von Studiocanal
Sony will die Kontrolle übernehmen
Vor Kurzem ließ Sony recht trocken mitteilen, im Januar 2028 die Produktion von PlayStation-Spielen auf Blu-Ray einzustellen. Das gilt sowohl für eigene Titel als auch Spiele von Drittherstellern. Im Handel wird es dann, bestenfalls, noch Codes für das Freischalten im Netz geben. Ansonsten stirbt der klassische Markt mit physischen Medien und mit ihm die Möglichkeit, gebrauchte Titel zu kaufen oder Spiele zu importieren, die hierzulande nicht erhältlich sind.
Zwar kaufen schon heute die meisten Kunden ihre Spiele ohnehin im PlayStation Store. Glücklich ist mit der Entwicklung aber längst nicht jeder. Gewarnt wird vor möglichen Konsequenzen und Sony (JP3435000009) liefert genau dafür nun auch noch ein anschauliches Beispiel. Denn aus dem PlayStation Store fliegen im September aufgrund auslaufender Lizenzen satte 551 Filme von Studiocanal. Nutzer verlieren damit dauerhaft den Zugriff auf entsprechende Inhalte.
Das betrifft explizit auch solche Titel, die zuvor gekauft wurden, berichtet „ComputerBase“. Betroffenen Kunden wird das recht nüchtern mitgeteilt. Eine Entschuldigung ist in der dazugehörigen Nachricht nicht zu finden, von einer Kompensation ganz zu schweigen. Das Ganze zeigt, dass die Kunden in der digitalen Zukunft über Nacht Zugriff auf ihre Inhalte verlieren können. Genau das lässt die Entscheidung zum Wegfall der Disc noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Sony schließt alte Stores
Mit der vollständigen Konzentration auf den eigenen digitalen Store gönnt sich Sony auch ein Stück weit Kontrolle über die Hardware der Nutzer. Denn zu den beiden Meldungen gesellt sich auch noch die Ankündigungen, Käufe von neuen Spielen in den Online-Stores der PlayStation 3 und PlayStation Vita ab Juli 2027 vollständig einzustellen. Begründet wird dies mit neuen Zahlungsstandards und der Konzentration auf neuere Plattformen. Wer in Zukunft neue Spiele kaufen möchte, kommt an etwas aktuellerer Hardware nicht vorbei.
Nun sind PS3 und PS Vita wirklich nicht mehr taufrisch. Dennoch zeigt sich, wohin die Reise geht. Bei der PlayStation kaufen die Kunden nur noch ein Nutzungsrecht auf Zeit, und das künftig ohne jede Alternative. Den Anlegern scheint das besser zu gefallen als dem Internet. Trotz eines veritablen Shitstorms konnte die Sony-Aktie am Donnerstag um 2,5 Prozent auf 3.330 Yen zulegen. Das ist nachvollziehbar, da zumindest in der Theorie noch höhere Umsätze und Gewinne erzielt werden könnten.
Fraglich ist allerdings noch ein wenig, ob Sony sich damit nicht auch ein wenig ins Risiko begibt. Denn auf der PlayStation wird der Anbieter damit endgültig zum Monopolisten. Andere Stores gibt es nicht und damit auch keinen Wettbewerb. Es erinnert ein wenig an Apple, welches von der EU bereits zur Öffnung von iOS für alternative Stores gezwungen wurde. Denkbar wäre, dass auf Sony ähnliche Klagen zukommen.
Schöne neue Welt
Es lässt sich darüber streiten, ob physische Medien heute noch eine Daseinsberechtigung haben. Zweifellos gibt es dafür aber eine nicht kleine Gruppe an Liebhabern, und darunter dürften sich einige besonders leidenschaftliche und damit ausgabenfreudige Naturen finden. Möglicherweise verscherzt es Sony sich mit dieser Zielgruppe. Gleichzeitig deuten die derzeitigen Entwicklungen bei Hardware-Preisen auf eine Zukunft hin, in der die PlayStation zum Luxusobjekt wird. Da braucht es nicht viel Fantasie, um einen dramatischen Schrumpfkurs aufkommen zu sehen.
Die jetzige Ankündigung könnte aber auch ein Stück weit Kalkül sein. Denn so groß der Aufschrei sein mag: das Internet vergisst in der Regel schnell. Der Zeitraum der Einstellung von Discs lässt vermuten, dass die PlayStation 6 für das Jahr 2028 angedacht ist. Bis dahin ist der Wegfall von physischen Spielen wahrscheinlich längst ein alter Hut. Sinken bis dahin auch die Speicherpreise wieder etwas, könnte die nächste Sony-Konsole auch noch zu einem Erfolg werden. Doch für den Moment bleiben große Vorbehalte im Raum.
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03.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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